Wochenspiegel RHEINPFALZ Plus Artikel Von Spaziergängern, Blumen und Büchern

Seltsamer Pappkamerad.
Seltsamer Pappkamerad.

Corona-Protest: Keine Eier

Es gibt vermutlich zahlreiche Gründe, warum seit Wochen immer weniger „Montagsspaziergänger“ in Vorder- und Südpfalz unterwegs sind, um gegen die Corona-Politik zu protestieren. Da wären die Lockerungen, wie der Fall der Maskenpflicht, die im Bundestag gescheiterte Impfpflicht und nicht zuletzt der Ukraine-Krieg, der ja thematisch alles überdeckt. Vielleicht haben wir auch einfach gelernt, etwas entspannter mit der Pandemie umzugehen, mit ihr – bei aller weiter gebotenen Vorsicht – zu leben, statt über sie zu schimpfen und davon dauergenervt zu sein. Dass in Ludwigshafen am Ostermontag von der Polizei gar keine „Spaziergänger“ mehr gesichtet wurden, 85 waren in der Hochphase unterwegs, könnte natürlich auch am Feiertag gelegen haben. Wer keine Eier hat, muss sie halt suchen. Wobei viele Unzufriedene bisher wohl eher dieser Logik gefolgt waren: Manche Politiker muss man behandeln wie rohe Eier. Man haut sie in die Pfanne.

Flüchtlinge: Gelbe Rosen

Mittagszeit in der Ludwigshafener Fußgängerzone. Eine hübsche junge Frau überreicht gelbe Rosen an Passanten, deren Stiele mit einem Band in den Farben der Ukraine geschmückt sind. „Wir wollen Danke sagen für die Aufnahme hier in Deutschland“, sagt sie. Sie kommt aus Kiew, ist vor vier Wochen vor dem Krieg geflohen und nun in der Pfalz gelandet. Woher sie so gut Deutsch kann? „Ich habe Internationales Recht studiert und an der Uni die Sprache gelernt“, sagt sie. Die Passanten freuen sich über die Geste. Die junge Frau lächelt. In dem kurzen Gespräch auf der Straße kommt man schnell auf den Ukraine-Krieg und die Solidarität mit den Opfern des russischen Angriffs zu sprechen. Ein Schatten legt sich über das Gesicht der jungen Frau. „Wir brauchen Waffen, um uns wehren zu können“, sagt sie. Sie hätte einen solchen Angriff auf ein souveränes Land in Europa noch vor wenigen Wochen nicht für möglich gehalten. „Wir brauchen Frieden“, meint ein Passant. Die junge Frau nickt, doch Frieden für die Ukraine, der sei noch weit weg. Der Krieg, der jeden Abend in den Nachrichten im Fernsehen zu sehen ist, mit den Flüchtlingen ist er auch hier mitten in Ludwigshafen angekommen.

Freibad: Bücher für Besucher

Zum Saisonstart im Freibad am Willersinnweiher in drei Wochen dürfen sich die Besucher nicht nur aufs Sporteln und Planschen ohne Corona-Regeln freuen. Neben Brezeln, Eis und Pommes im Bistro soll es an der Pforte künftig auch Lesefutter geben. In einem öffentlichen Bücherschrank können sich Wasserratten und Sonnenanbeter mit dicken Schmökern und Bildbänden für lange Nachmittage auf der Liegewiese versorgen. Das hat Bäderchef Wolfgang Köllner angekündigt. Die ersten Bücher stammen aus einer Haushaltsauflösung in Friesenheim. Köllner hofft, dass die Bände an der Freibadpforte genauso gut ankommen wie im Bücherschrank auf dem Ludwigsplatz.

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