Leute in LU
Verstärker für Menschen mit Behinderung
Es ist ein ungewohnter Anblick in der Vorderpfalz, wenn der 67-Jährige, der in Schifferstadt wohnt und im elften Jahr Vorsitzender des Behindertensportvereins (BSV) Ludwigshafen ist, seinen Kaffee trinkt. Der befindet sich schließlich in einer Tasse, auf der groß das Logo des Hamburger Sportvereins prangt. Aber der in Limburgerhof geborene Stahl ist den Hamburgern schon fast sein ganzes Leben lang treu. „Als die Bundesliga 1963 gegründet worden ist, hat der HSV mit Uwe Seeler gleich eine gute Rolle gespielt, und bei der Weltmeisterschaft 1966 waren die Hamburger auch gut vertreten.“ Zwischen acht und elf Jahre war er damals alt und ist den Rothosen seither treu verbunden.
Treue, Loyalität und Ausdauer und Beharrlichkeit prägen insgesamt sein Leben. Auch das Berufsleben. Fast 48 Jahre lang war er bei der BASF beschäftigt. Begonnen hatte er nach dem Schulabschluss mit 15 Jahren als Laborwerker, arbeitete sich zum Chemikant nach oben, wurde Schichtleiter und Sicherheitsbeauftragter. „Insgesamt war ich dort über 30 Jahre lang eine Führungskraft“, erzählt er. Mitarbeiterführung gehörte dort zu den Standardaufgaben.
Para-Kegler mit betreut
Das half ihm auch in der Freizeit weiter. Dort war er zunächst einmal sportlich aktiv. Fußball hat er zunächst gespielt. Später kam Kraftsport dazu. „Und wir haben gekegelt“, bezieht er Ehefrau Ingrid mit ein. Der Kegelsport war zugleich sein Einstieg in den Behindertensport, denn der damalige Bundestrainer der Blinden und Sehbehinderten, Johann Benedom, stammte aus Schifferstadt. Der band Stahl in die Betreuung der Para-Kegler mit ein und fragte an, ob er sich vorstellen könnte, gemeinsam mit geistig und mehrfach behinderten Menschen Bowling spielen zu gehen. „Ich habe gesagt, dass wir es einfach mal ausprobieren.“
Aber Benedom hatte noch weitere Pläne für den engagierten Stahl. „Er hat mich einfach mal auf eine Sitzung des Behindertensportvereins Ludwigshafen mitgenommen.“ Dort wurden gerade engagierte Mitarbeiter für den Vorstand gesucht. „Und er hat mich direkt vorgeschlagen.“ Aus dem Hobbysportler wurde der sportliche Leiter der BSV-Bowlingabteilung, „und auch bei den Keglern war ich mit in der Abteilungsleitung“.
Sportliche Erfolge
Nach und nach rutschte Stahl zum Vorsitzenden der rund 250 BSV-Mitglieder auf, koordinierte die Angebote im Rehasport, der Vorsorgegymnastik, Schwimmen, Herzsport und vielen anderen Bereichen, die der Verein entweder in seinem Vereinsheim an der Blauen Adria oder über die Turnhallen der Stadt verteilt im Angebot hat. Auch auf sportliche Erfolge kann Stahl in dieser Zeit verweisen. Bei den Bowlingspielern seit über zehn Jahren und nun auch bei den Bogenschützen, die Stahl vor zwei Jahren mit ins Programm aufgenommen hat. Beide waren bei den Special Olympics mit dabei.
Mit beiden rückte Peter Stahl ins Blickfeld von Sozialdezernentin Beate Steeg (SPD). Die war auf der Suche nach einem Nachfolger für den im November verstorbenen Hans-Joachim Weinmann. Der Schifferstadter Stahl kam genau richtig, als er just Förderanträge für die Fahrt der Special-Olympioniken eingereicht hatte. „Ich habe mir das alles angehört, mit meiner Frau besprochen und anschließend zugesagt“, beschreibt er den Werdegang. Die Zustimmung des Stadtrates folgte auf dem Fuß.
Beraten und verbinden
Dass sich ein Schifferstadter für die Ludwigshafener Belange behinderter Menschen einsetzt, sei kein Problem gewesen. „Schließlich bin ich BSV-Vorsitzender, und der Verein hat seinen Sitz in Ludwigshafen.“ Und so bezog Stahl Anfang August sein Büro in den Räumen des Sozialdezernats, wo er jeweils mittwochs von 9 bis 12 Uhr in Zimmer 12 des Stadthauses Nord Sprechstunde hat.
Vor der Aufgabe hat er Respekt. „Ich muss mich da erst noch in die Paragrafen einarbeiten“, sagt Stahl. Er selbst sieht sich dabei nicht als Problemlöser, sondern als Berater und Verbinder. Das sollte ihm gelingen – mit Treue, Loyalität, Ausdauer und Beharrlichkeit. „Ich freue mich auf die Aufgabe und werde mein Bestes geben“, sagte Stahl zu Amtsbeginn jedenfalls zu.