Behindertensport
Was Peter Stahl zu einem vorbildlichen Anpacker macht
An einem unbeschwerten Morgen änderte sich das Leben der Familie Stahl grundlegend. Der Sohn von Peter Stahl kam die Treppe herunter und klagte, ihm gehe es nicht gut. Peter Stahl erschrak. Sein Sohn war ganz gelb im Gesicht. Kein gutes Zeichen. Die Familie fuhr in die Klinik nach Heidelberg. Dort gab es schließlich die niederschmetternde Diagnose. „Die Nieren waren schon am Sterben. Es war nicht mehr aufzuhalten. Es war hart für uns. Wir wussten am Anfang nicht, wie es weitergeht. Zu hören, dass das eigene Kind mit 30 die eigenen Nieren verliert… “, erzählt Peter Stahl. Er grübelt. Er forscht nach. „Bei uns in der Familie gab es solche Fälle nicht“, sagt er. Auch die Spezialisten seien ratlos gewesen.
Es war ein Schock. Mehr als das. Dabei ist der Filius noch so jung. Er ist 30 Jahre alt. Es folgen Dialysen, Tests, Untersuchungen. Stahls Frau spendet ihre Niere. Doch das Drama geht weiter. Die Niere stirbt nach drei Jahren ab, der Körper hatte sie abgestoßen. Sieben Jahre normale Dialyse stehen an. „Seit zwei Jahren hat mein Sohn eine neue Niere, nachdem eine Frau bei einem Unfall ums Leben kam. Die Mediziner haben alles im Griff“, atmet Stahl auf. Das Blut seines Sohnes wurde ausgetauscht, damit die Immunsupressiva wirken. „Das waren harte Tage, bis das alles sicher war“, sagt Stahl.
Persönlicher Schicksalsschlag verändert Leben
Der persönliche Schicksalsschlag hat das Leben der Familie Stahl verändert. Unter Tränen redet die Familie über die neue Situation. Klar ist: „Wir lassen unseren Sohn niemals hängen“, betont Peter Stahl. Es würde nicht ins Naturell von Peter Stahl passen. Denn er ist ein Mann, der seine Ärmel hochkrempelt, mit anpackt, etwas bewegen will. Er ist ein Schaffer, ein Macher.
Johann Benedom, ein Freund Stahls, nimmt ihn eines Tages mit zur Mitgliederversammlung der Behinderten-Sport-Vereinigung (BSV) Ludwigshafen. Stahl bleibt bei dem Klub. Was er zu diesem Zeitpunkt nicht weiß, er wird einmal Vorsitzender – der dritte in der Vereinsgeschichte. Seit nun neun Jahren ist Stahl BSV-Vorsitzender. „Ich will mitleben. Man soll nicht im Nachgang über mich sagen, der hat sich für nichts interessiert. Ich bin das aus meinem Arbeitsleben gewöhnt. Ich war 48 Jahre in der BASF, war Führungskraft, hatte 18, 19 Leute in der Schicht. Es wäre ein Graus für mich gewesen, wenn ich von meinen Leuten hätte hören müssen, es geht nicht. Und ich muss Ihnen recht geben, dabei stimmt es gar nicht. Was ich nicht machen kann, kann ich auch nicht von meinen Mitarbeitern verlangen. Wenn dann jemand kommt und mir sagt, dass etwas nicht geht, aber ich es schon versucht habe und sage: Es geht, dann bin ich zufrieden, dann zeige ich es ihm“, erzählt Stahl. Er ist ein lösungsorientierter Mensch.
Stahl will Menschen helfen. Er freut sich, wenn die Leute strahlen, glücklich sind und zufrieden nach Hause gehen. „Manchmal bekomme ich Nachrichten von ihnen. Das sind Erlebnisse, die man nur erleben kann, wenn man dabei ist“, sagt Stahl.
Peter Stahl hat viel erlebt in seiner Zeit als BSV-Chef. Seit acht Jahren betreut er die Bowlinggruppe, seit drei Jahren die Bogenschützen, seit 15 Jahren ist er Bowlingschiedsrichter. Er hat auch den Übungsleiter im Bowling gemacht – er spielte früher nämlich selbst Bowling. Stahl kümmert sich um Anträge, Zuschüsse. Es gibt Tage, da sitzt er vier bis fünf Stunden vor dem Computer – trotz der Hilfe einer Bürokraft. Die hilft der BSV enorm. „Wenn mich jemand braucht, dann bin ich dabei, sei es bei der Organisation oder bei Anträgen stellen“, sagt Stahl.
Es sind keine Lippenbekenntnisse. Ende November verkaufte Peter Stahl mit seiner Frau und einigen wenigen Mitgliedern der BSV in der Rhein-Galerie Waffeln. Das Geld braucht der Verein. Für den BSV-Chef ist es eine Selbstverständlichkeit zu helfen. Delegieren ist nicht seine Art, eher anpacken, unterstützen. Unter anderem auch deshalb sitzt Stahl seit drei Jahren im Behinderten-Beirat der Stadt Ludwigshafen. Auch im Seniorenbeirat engagiert er sich. „Das Netzwerk ist manchmal von Vorteil“, sagt Stahl.
„Solange ich kann, helfe ich gerne“
Es geht ihm aber nicht ums netzwerken, es geht darum, Menschen glücklich zu machen. „Mir macht die Arbeit mit den Menschen Spaß“, sagt er, wohlwissend, dass der ganze Aufwand ohne die Rückendeckung seiner Frau nicht zu stemmen wäre. „Bei den Wahlen sagte ich: ,Wenn meine Frau damit einverstanden ist, dann mache ich es. Es muss passen.’“
Es passt. Peter Stahl ist für die BSV Ludwigshafen ein würdiger Vorsitzender – vielleicht sogar eine Ideallösung. Er hat sich selbst etwas unter Druck gesetzt. „Ich möchte, dass der Verein auf diesem Level bleibt. Der Klub ist vor über 60 Jahren gegründet worden. Es gab mit mir drei Vorsitzende. Das, was meine Vorgänger geschaffen haben, möchte ich fortführen“, skizziert er.
Peter Stahl tut dies mit Leidenschaft, aus innerer Überzeugung. Er sieht, dass behinderte Menschen es nicht leicht im Alltag haben. Er setzt sich für sie ein, kämpft für sie. „So lange ich es ich kann, helfe ich gerne“, sagt Peter Stahl.