Ludwigshafen
Stadt-Appell zur Debatte um Kita-Standort am Alwin-Mittasch-Park
Hintergrund der Debatte ist eine am 2. Juni präsentierte Standortanalyse der Stadt. Aus acht untersuchten Standorten gingen daraus das Areal Leuschner-/Ecke Fichtestraße (Mittasch-Park) sowie ein Gelände in der Erzbergerstraße (ehemals Protestantische Kita) als klare Favoriten für neue Kitas hervor.
Während der zweite Standort konsensfähig ist, wehren sich die BI und Naturschützer gegen den Standort Mittasch-Park. An jedem Standort sollen baugleiche, zweistöckige Kitas für 100 Kinder in flexibler Holzmodulbauweise entstehen. Kosten pro Gebäude: fünf bis sechs Millionen Euro. Am 16. Juni entscheidet zunächst der Ortsbeirat über die Empfehlung der Bauprojektgesellschaft (BPG) der Stadt, am 22. Juni hat der Stadtrat dann das letzte Wort. In Friesenheim fehlen zum nächsten Kindergartenjahr 182, perspektivisch sogar 205 Kita-Plätze.
OB: Vorwürfe haltlos
Für Oberbürgermeister Klaus Blettner (CDU) sind die Vorwürfe der Kritiker der Mittasch-Park-Lösung „haltlos“ – insbesondere hinsichtlich seines angeblichen Wortbruchs. Hinter jeder Empfehlung stehe die Abwägung unterschiedlicher Interessen und der Dialog, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt zur jüngsten Berichterstattung (9. Juni). Die Verwaltung sei jederzeit offen für Kritik und habe bei der Planung viele Hinweise gerade aus BI-Kreisen aufgenommen und umgesetzt. Insofern ist es aus Sicht der Verwaltung an der Zeit, „sich mit den Fakten zu beschäftigen und vor allem verbal abzurüsten“. Ein Kita-Bau schaffe einen Ort für Kinder und sei kein „ökologischer Skandal“.
Bei der Standortanalyse sei sehr sorgfältig auf einen Ausgleich der Interessen geachtet worden, betont die Verwaltung. Themen wie Klima, Naturschutz, Stadtbildpflege und Verkehr seien mit dem Anspruch von Kindern und Eltern auf einen wohnortnahen Kindergartenplatz abgewogen worden. Im Hinblick auf den Standort Mittasch-Park habe die BPG viele Anregungen von Anwohnern aufgegriffen. Der gesamte alte Baumbestand im Mittasch-Park werde erhalten. Für die Fläche, die für die Bodenplatte der Kita benötigt wird, gebe es einen ökologischen Ausgleich per Dachbegrünung. Bestehende Parkelemente wie Pflanzbeete und eine Mauer würden ins Kita-Außengelände integriert. Dadurch bleibe die Parkstruktur erhalten. Die Sichtachse von der Friedenskirche zum Ebertpark bleibe unberührt, der bestehende Parkplatz bestehen, so die Stadt.
1,74 Prozent der gesamten Parkfläche
Falsch sei die im Bericht vom 9. Juni getroffene Aussage, die Verwaltung plane, mit dem Mittasch-Park „eine der wenigen verbliebenen Grünflächen im dicht besiedelten Friesenheim zu opfern“. Richtig sei: Der gesamte Park habe eine Fläche von 41.000 Quadratmetern. Die Kita einschließlich Außengelände benötige eine Fläche von 2000 Quadratmetern. 1000 Quadratmeter davon seien Spielplatzfläche. Die Bodenplatte des Kitagebäudes (715 Quadratmeter) beanspruche lediglich 1,74 Prozent der gesamten Parkfläche. Das Kita-Gebäude in Holzmodulbauweise entspreche mit einer Photovoltaikanlage, einer Wärmepumpe und dem begrünten Dach höchsten ökologischen Standards. Abgesehen vom geplanten Kita-Bau würden am Mittasch-Park keine weiteren Gebäude errichtet.
„Umfassende Analyse“
Die Empfehlung von Stadtverwaltung und BPG basiere auf einer umfassenden Analyse. Alle acht untersuchten Standorte seien anhand gleicher Kriterien betrachtet und bewertet worden. Ziel sei es gewesen, ein ausgewogenes und vergleichbares Bild von allen möglichen Standorten zu erhalten, „um begründet, nachvollziehbar und transparent Empfehlungen aussprechen zu können.“ Alle Infos dazu seien offen einsehbar im Netz unter www.ludwigshafen.de.
„Themen wie Klima und Umwelt oder Versiegelung sind uns nicht egal. Wir unternehmen aktuell große Anstrengungen für mehr Grün sowie für die Entsieglung für Flächen. Wer sachlich über das Thema sprechen will, muss alle Argumente auf den Tisch legen“, erklärt der zuständige Dezernent Lars Pletscher (CDU). Die Stadtverwaltung plädiert dafür, dass bei aller verständlichen Sorge um die Ökologie auch die Interessen der Kinder und Eltern Gehör und Verständnis finden.