Rieschweiler-Mühlbach RHEINPFALZ Plus Artikel Turmfalken regelmäßig zu Gast auf dem Dachboden [mit Video]

Julian Danner dokumentiert das Wachsen der Turmfalken unterm Dach mit Fotos und Videos.
Julian Danner dokumentiert das Wachsen der Turmfalken unterm Dach mit Fotos und Videos.

Im Frühjahr hat Familie Danner Gäste. Sie bleiben einige Wochen, wohnen unterm Dach, ziehen ihren Nachwuchs auf und fliegen wieder davon. Bis zum nächsten Jahr.

Seit über zehn Jahren nisten alljährlich Turmfalken unterm Dach der Familie Danner. „2015 war das erste Jahr“, erinnert sich Julian Danner. Sein Vater hatte ein paar Jahre zuvor einen Nistkasten gebaut, nach einer Anleitung der Naturschutz-Profis des Nabu. Den Kasten brachte er unterm Dach an, hinter einer Öffnung im Giebel des alten Bauernhauses. Dazu montierte er einen Ast als Anflughilfe – und wartete. Zunächst vergebens. Der Ast erwies sich im Nachhinein als störend, erinnert sich Julian Danner. Nach einem Gespräch mit einem Falkner habe der Vater den Ast wieder abmontiert. Mit durchschlagendem Erfolg. „Dann kamen die Falken.“

Ui, wer schaut denn da? Eines der Turmfalken-Jungen linst neugierig aus dem Nistkasten in den Speicherraum des alten Bauernhause
Ui, wer schaut denn da? Eines der Turmfalken-Jungen linst neugierig aus dem Nistkasten in den Speicherraum des alten Bauernhauses in der Hauptstraße.

Und blieben. Oder besser: Und kamen immer wieder. Das alte Gebäude-Ensemble in der Hauptstraße am Ortsausgang in Richtung Dellfeld hat sich unter den Turmfalken offenbar als gute Adresse rumgesprochen. „Wir freuen uns jedes Jahr, wenn wir sie hören“, sagt Beate Danner, Julians Mutter. Immer im Frühjahr sei ums Haus verstärkte Falkenaktivität zu sehen und zu hören. Ob es immer das gleiche Paar ist, das kommt? Schwer zu sagen. „Wir wissen es nicht“, sagte Beate Danner. Zwar können Falken laut Experten in der Natur auch mal 15 Jahre alt werden. Gut möglich, dass es auch Nachkommen des Ur-Falkenpärchens sind. „Über die Jahre waren das schon so an die 50 Falken“, rechnet Julian Danner nach. Jedes Jahr seien vier bis sechs Eier ausgebrütet worden.

Sechs Eier sind in diesem Jahr unterm Dach der Familie Danner gelegt worden.
Sechs Eier sind in diesem Jahr unterm Dach der Familie Danner gelegt worden.

Im ersten Jahr gibt es Turmfalken-TV

Anfangs montierten Julian und sein Bruder Tobias eine Kamera unterm Dach, um mittels Stream den Falken bei der Aufzucht des Nachwuchs zuschauen zu können. Turmfalken-TV, sozusagen. Mittlerweile beschränkt sich Julian Danner auf Stichproben, hat keine feste Kamera mehr unterm Dach montiert. Einmal pro Woche geht er auf den Speicher unters Dach, schaut nach den Falken, schießt das ein oder andere Foto oder dreht auch mal ein kurzes Video. Bilder und Bewegtbilder seiner Ausflüge unters Dach finden auch in den Sozialen Medien Resonanz, wo am Aufwachsen der Vögel Anteil genommen wird.

Die Begeisterung im Hause Danner für Vögel rührt von Erich Danner, Julians Vater und Beates Mann. Der ist im Herbst 2019 verstorben. „Wenn wir uns mit den Falken befassen, erinnern wir uns auch immer an ihn“, sagt Beate Danner. „Mein Vater war sehr naturverbunden, das prägte uns ein wenig mit“, ergänzt Julian und erinnert an ein paar Episoden mit Vögeln: das zutrauliche Rotkehlchen, das sich fast aus der Hand füttern ließ, oder der Bussard, der auf dem Feld fast auf Erich Danner zu warten schien.

Mitte Mai begannen die kleinen Turmfalken zu schlüpfen.
Mitte Mai begannen die kleinen Turmfalken zu schlüpfen.

Sechs Eier im Nest

Nicht lange warten müssen Danners auf die Turmfalken. Wenn das Frühjahr kommt, sind die Altvögel irgendwann da, kurze Zeit später liegen dann die Eier im Nest. Anfang Mai war das Gelege komplett, in diesem Jahr sind es sechs Eier gewesen, aus jedem ist ein kleiner Turmfalke geschlüpft, die jetzt, rund einen Monat später, sichtbar an Größe und Gewicht zulegt haben. Damit das so kommt, sind die beiden Elterntiere dauernd unterwegs, um Nahrung heranzuschaffen. Beate Danner berichtet von der Übergabe einer erlegten Wühlmaus von einem Elterntier zum anderen. „Das ist schon interessant zu beobachten.“ Ob es alle schaffen? Schwer zu sagen. „Es bleibt auch mal ein Jungvogel auf der Strecke“, sagt Julian Danner. Meist sei das Jungtier, das zuletzt schlüpft, das schwächste Tier.

Am 25 Juli waren alle kleinen Vögel geschlüpft und hatten schon sichtbar an Größe zugelegt.
Am 25 Juli waren alle kleinen Vögel geschlüpft und hatten schon sichtbar an Größe zugelegt.

Noch ein paar Wochen sind die Turmfalken zu Gast unterm Dach, der charakteristische Flaum der Jungtiere wird bereits an einigen Stellen vom typischen Federkleid überlagert. So ist es auf Julian Danners Fotos zu sehen. Wenn der Sommer kommt, machen sich die Falken, die alten und die jungen Tiere, auf den Weg, nehmen Abschied von der Hauptstraße. Bis zum nächsten Jahr. Höchstwahrscheinlich. Julian Danner steigt im Winter meist noch einmal auf den Speicher, kontrolliert den Nistkasten, reinigt ihn auch im Schnitt alle zwei Jahre. Damit im Frühjahr wieder alles bestens vorbereitet ist. Beate Danner schaut aufs Tablet ihres Sohnes, auf dem die Fotos der Falken zu sehen sind. „Es sind schon schöne Vögel“, sagt sie. Dem ist nichts hinzuzufügen.

5. Juni: Zwischen den Flaum mischen sich schon echte Federn bei dem Turmfalken-Nachwuchs.
5. Juni: Zwischen den Flaum mischen sich schon echte Federn bei dem Turmfalken-Nachwuchs.
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