Ludwigshafen
Kita am Mittasch-Park: Naturschützer werfen OB Blettner Wortbruch vor
In einer gemeinsamen Pressemitteilung werfen die Kreisgruppe des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie Vertreter des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) Ludwigshafen und der Ornithologischen Beobachtungsstation Altrhein (Orbea) der Stadt „Wortbruch auf Kosten des Stadtgrüns“ vor. „Wir verurteilen die geplante Bebauung des Alwin-Mittasch-Parks mit einer Kindertagesstätte aufs Schärfste. Die Entscheidung steht im direkten Widerspruch zu den öffentlichen Bekenntnissen der Stadtspitze zum Schutze von Stadtgrün“, heißt es in der Stellungnahme. Mehr als zwei Drittel der Stadtfläche Ludwigshafens seien bereits bebaut oder befestigt, sprich: versiegelt. In dieser Situation plane die Stadtverwaltung, eine der wenigen verbliebenen Grünflächen im dicht besiedelten Stadtteil Friesenheim zu opfern – den Mittasch-Park. Für BUND, Nabu und Orbea ist das „ein ökologischer Skandal“.
„Ohne Not versiegelt“
Die Stadt werbe aktiv um Fördermittel für die Entsiegelung von Flächen in Ludwigshafen. Gleichzeitig solle nun mit dem Mittasch-Park eine ökologisch wertvolle Grünfläche ohne Not versiegelt werden. Dieses Vorgehen sei widersprüchlich, ressourcenverschwendend und ökologisch nicht vertretbar. Anlagen wie der Mittasch-Park seien keine Reserve für städtebauliche Verlegenheitslösungen. „Sie sind unverzichtbare Infrastruktur für Klimaresilienz, Artenvielfalt und Lebensqualität“, heißt es in der Stellungnahme weiter. Und: „Kitaplätze ja, aber nicht auf Kosten des Parks.“
Die Naturschützer erkennen an, das stadtweit aktuell knapp 900 Kita-Plätze fehlen, 180 davon in Friesenheim (über 19.000 Einwohner), perspektivisch sogar über 1200. Dieser Bedarf müsse gedeckt werden. „Doch hierfür ist der Mittasch-Park nicht die einzige Option.“ Dass für einen zweiten Standort in der Erzbergerstraße bereits eine versiegelte Fläche hinter der Eberthalle am Ebertpark gefunden worden sei, beweise: „Es gibt Alternativen. Die Stadt muss diese konsequent nutzen, anstatt Grünflächen als bequemen Ausweg zu wählen.“
Besonders schwer wiegen für die Kritiker, zu denen auch die Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Mittasch-Park!“ zählt, die Aussagen Klaus Blettners (CDU) gegenüber dem BUND vor seiner Wahl zum Oberbürgermeister. Damals habe er geschrieben: „Ich möchte das vorhandene Stadtgrün erhalten, pflegen und womöglich ausbauen. Konkret werde ich Projekte fördern, die mehr Bäume an Straßen und Plätzen vorsehen.“ Und weiter: „Der Themenkomplex Stadtökologie und Stadtgrün ist von herausragender Bedeutung für die Lebensqualität in Ludwigshafen. Grünflächen, Parks und Stadtbäume spenden Schatten, verbessern das Mikroklima und bieten Erholungsräume – gerade in einer dicht bebauten Stadt.“ Diese Worte seien „ein Versprechen“ gewesen. Die geplante Bebauung des Mittasch-Parks breche mit diesem Versprechen.
„Bebauung sofort stoppen“
BUND, Nabu und Orbea fordern den OB auf, seiner eigenen Programmatik gerecht zu werden und die Planungen für die Bebauung sofort zu stoppen. Geprüft werden für den Kita-Neubau sollte die Nutzung aller bereits versiegelten Alternativflächen. Ferner fordern die Umweltverbände eine verbindliche Zusage der Stadtspitze zum dauerhaften Schutz des Parks sowie einen transparenten Dialog mit der Bürgerschaft, der BI, BUND, Nabu und Orbea.
Wie berichtet, hatte die Stadt, deren Bauprojektgesellschaft (BPG) und der zuständige Dezernent Lars Pletscher (CDU) am 2. Juni im Max-Planck-Gymnasium ihre Standortanalyse der Öffentlichkeit und dem Ortsbeirat vorgestellt. Daraus gehen zwei von insgesamt acht untersuchten Standorten als klare Favoriten hervor: auf Platz eins das umstrittene Areal Leuschner-/Ecke Fichtestraße (Mittasch-Park) sowie auf Rang zwei das konsensfähige Areal Erzbergerstraße (ehemals Protestantische Kita). Dort sollen Kitas in Holzmodulbauweise nach dem „FlexiKitaLU“-Konzept für jeweils vier Gruppen und 100 Kinder ab dem zweiten Lebensjahr entstehen. Geschätzte Kosten: fünf bis sechs Millionen Euro pro Gebäude.
„Schlagkräftige Argumente“
„Wir haben schlagkräftige Argumente für die ausgewählten Standorte gesammelt, mit denen wir die politischen Gremien, aber auch Anwohner und Kritiker überzeugen werden“, gab sich Pletscher zuversichtlich. Das Konzept biete die Chance, flexibel auf gesellschaftliche, demografische und städtebauliche Veränderungen zu reagieren. Die baugleichen, zweistöckigen Gebäude (715 Quadratmeter Grundfläche, 1000 Quadratmeter Außengelände) hätten wegen ihrer Modulbauweise den Vorteil, dass sie umgenutzt oder an andere Orte versetzt werden könnten, erläuterte Nadine Hainbuch von der BPG. Die schnelle Bauweise spare Zeit und Kosten – auch ohne Fördermittel.
Hainbuch zufolge könnten die Kitas in 14 bis 18 Monaten stehen. Die Module würden werksfertig angeliefert und in zwei bis drei Wochen zusammengebaut. Bisher seien drei Angebote eingeholt worden, das favorisierte Unternehmen komme aus dem Allgäu. Ausgeschrieben werden müssten die Aufträge nicht, weil das Kostenvolumen zumindest bisher im Rahmen liege. Ortsbeirat (16. Juni), Jugendhilfeausschuss (18. Juni) sowie der Stadtrat (22. Juni) müssen den von der BPG empfohlenen Standorten allerdings noch zustimmen. Der Bau- und Grundstücksausschuss traf am Montagabend keinen Beschluss, um Ortsbeirat und Stadtrat nicht vorzugreifen.
BI reagiert bestürzt
Die Bürgerinitiative ist bestürzt über die Pläne am Mittasch-Park: „Wir sind erschüttert, dass damit der Wunsch von 2652 Menschen, die unsere Petition unterzeichnet haben, in der Stadt nun ungehört bleiben soll – und eine der am stärksten versiegelten Städte Deutschlands weiter ihre Parkflächen beschneidet.“ Mit einer Fläche von 4,1 Hektar ist der Mittasch-Park der siebtgrößte größte Park der Stadt.
Mit einer Fläche von 4,1 Hektar ist der Mittasch-Park der siebtgrößte größte Park der Stadt. Die neue Kita würde 1,7 Prozent der Fläche beanspruchen.
Die acht untersuchten Standorte
1. Leuschner-/Ecke Fichtestraße (Allwin-Mittasch-Park)
2. Erzbergerstraße (ehemalige Protestantische Kita)
3. Bexbacher Straße (ehemaliger Girlassic Park)
4. Weiherstraße I (vor dem Alten- und Pflegeheim).
5. Weiherstraße II (auf dem Acker)
6. Brunck-/Ecke Teichgartenstraße
7. Ruthen-/Eschenbach-/Sternstraße (Bolz-/Spielplatz)
8. Rollesstraße/Parkplatz (in Privathand)