Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Keine Kita im Mittasch-Park: 300 Menschen demonstrieren gegen Bebauung

Rund 300 Menschen bildeten im Park das Wort „Nein“.
Rund 300 Menschen bildeten im Park das Wort »Nein«.

Rund 300 Menschen haben gegen eine Bebauung des Alwin-Mittasch-Parks in Ludwigshafen protestiert. Der Stadt werfen sie mangelnde Transparenz vor.

Als Menschenkette formierten die Demonstranten ein „Nein“ im Alwin-Mittasch-Park und signalisierten damit, was sie von einer geplanten Versiegelung halten. Die Stadt plant den Bau einer neuen Kita in diesem Bereich. Die Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Mittasch-Park“ geht davon aus, dass deshalb rund 2200 Quadratmeter Grünfläche wegfallen könnten.

Die Demonstranten wollten ein deutliches Zeichen setzen.
Die Demonstranten wollten ein deutliches Zeichen setzen.

Der Protest sei kein Nein gegen eine Kindertagesstätte, stellte Annika Wind klar. Als eine der Organisatorinnen der Protestaktion war ihr diese Unterscheidung wichtig. „Aber wir wehren uns gegen diesen Standort.“ Denn der Park mit seinen Bäumen und Grünflächen sei nicht nur ein Erholungsort für Anwohner, Schüler sowie Belegschaft und Patienten des benachbarten Klinikums, sondern auch wichtig für das Mikroklima in einer ansonsten stark versiegelten Stadt.

Alternativen vorgeschlagen

Die Bürgerinitiative hatte bereits mehrere alternative Standorte für den geplanten Kita-Neubau vorgeschlagen, unter anderem eine bereits betonierte Fläche hinter dem Kinderhaus am Ebertpark, wo Modulcontainer lagern, und das Gelände des ehemaligen „Girlassic-Parks“. Laut BI sei von der Verwaltung darauf bisher keine Reaktion erfolgt. Die Stadt hat die Ergebnisse des Prüfvorganges mittlerweile als „vor den Sommerferien“ angekündigt. Kritik von der Initiative gibt es auch an der fehlenden Kommunikation der Stadtverwaltung mit den Bürgern: Es müsse eine Infoveranstaltung zu dem Projekt stattfinden.

Annika Wind (vorne) und Pfarrerin Cornelia Zeißig (mit Schutzweste) erläuterten die Gründe für die Protestaktion.
Annika Wind (vorne) und Pfarrerin Cornelia Zeißig (mit Schutzweste) erläuterten die Gründe für die Protestaktion.

Das Interesse in der Bevölkerung sei jedenfalls groß, heißt es von der BI. Dies zeige eine Petition, die bereits 1958 Menschen unterzeichnet haben, davon 1618 aus Ludwigshafen. „Damit haben wir das Quorum von notwendigen 1700 Ludwigshafenern bald erreicht und gehen davon aus, dass sich der Stadtrat mit unserem Anliegen beschäftigen wird“, sagte Wind.

Mehr Transparenz gefordert

„Das hier sind keine Kinderhasser. Das sind vernünftige Leute, die sich um ihre Nachbarschaft sorgen“, erklärte Gisela Witt, die früher bei den Grünen war und nun für die SPD im Ortsbeirat Nord und im Stadtrat sitzt. Als Vorsitzende der Ortsgruppe Ludwigshafen des Naturschutzbunds Deutschlands (Nabu) liege ihr der alte Baumbestand im Park am Herzen. „Außerdem soll es hier auch Feldhasen geben.“ Auch ihr stößt die fehlende Kommunikation bitter auf.

Die Botschaft der Protestaktion im Alwin-Mittasch-Park war eindeutig.
Die Botschaft der Protestaktion im Alwin-Mittasch-Park war eindeutig.

„Wir wissen nicht einmal, auf welcher Fläche die Kita entstehen soll“, sagte Wind. Der ursprünglich vorgesehene BASF-Parkplatz an der Leuschnerstraße scheidet laut BI aus, denn darunter verlaufe eine Fernwärmeleitung. Trotzdem sei eine Schenkung der Fläche von der BASF an die Stadt erfolgt, berichtete Wind. Auch das Schweigen darüber ärgert sie. „Es wurden schon Verträge geschlossen“ und mangele an Transparenz.

Hausaufgaben für die Stadt

„Wir wollen Kita-Plätze. Wir wollen aber auch ein lebenswertes Umfeld“, sagte eine Anwohnerin, die sich dem Protest angeschlossen hat. „Eigentlich dachten wir ja, dass die Bebauung schon vom Tisch ist“, erinnerte sie sich an ein Picknick der Initiative vor zwei Jahren zur Feier, dass ein gewerbliches Projekt in Kombination mit einem Kita-Gebäude verhindert wurde. Wegen der Proteste hatte die BASF ihr Grundstück dafür nicht zur Verfügung gestellt. Auf ein ähnliches Ergebnis hoffen die Aktivisten auch jetzt. „Wir müssen noch lauter werden und zeigen, dass uns dieser Ort wichtig ist“, erklärte Pfarrerin Cornelia Zeißig als eine der Wortführerinnen.

Die Stadt könne es mit dem Neubau von dringend benötigten Plätzen in der Kinderbetreuung wohl nicht ganz so ernst meinen: „Die evangelische Kindertagesstätte der Friedenskirche will seit Jahren erweitern und bekommt dafür keine Genehmigung“, sagte eine Anwohnerin. „Und wenn eine neue Kita gebaut wird, dann fehlen dafür die Erzieherinnen“, erklärte Wind, die die Verwaltung aufforderte, zunächst ihre Hausaufgaben in Sachen Personal zu erledigen.

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