Ludwigshafen
Reaktionen in LU nach tödlichem Angriff auf Zugbegleiter: „Die Familie steht nicht allein“
Der tödliche Angriff auf den Zugbegleiter Serkan C. aus Ludwigshafen bei einer Ticketkontrolle im Regionalexpress zwischen Landstuhl und Homburg hat in Ludwigshafen große Betroffenheit und große Anteilnahme ausgelöst: „Das lässt uns alle fassungslos und tief bestürzt zurück. Hier ist ein Mensch, ein Vater, ein Nachbar, ein Mitbürger einfach seiner Arbeit nachgegangen – und kommt dann nicht mehr nach Hause. Das ist schrecklich“, sagte Oberbürgermeister Klaus Blettner (CDU) am Donnerstag angesichts der Ereignisse. „Es war eine grausame Tat. Ludwigshafen trauert um einen von uns.“
Blettner hat nach eigenen Angaben am Mittwochabend die Familie des aus Ludwigshafen stammenden Zugbegleiters besucht und ihr sein Mitgefühl und seine Anteilnahme ausgesprochen. „Soweit wir das können, stehen wir der Familie zur Seite. Sie ist nicht allein. Wir trauern mit ihr und stehen geschlossen gegen Gewalt“, betonte der OB. Der Familie sagte er konkrete Hilfe der Stadt zu: „Wir werden das organisieren.“
Serkan C., 36, nach der Trennung von seiner Frau alleinerziehender Vater von zwei Kindern, die im Alltag von der Großmutter betreut werden, war am Montagabend von einem 26-jährigen Fahrgast attackiert worden und am Mittwoch im Uniklinikum Homburg seinen Verletzungen erlegen – laut vorläufigem Obduktionsergebnis an einer Hirnblutung infolge erheblicher stumpfer Gewalteinwirkung gegen den Kopf.
Beisetzung in Gaziantep
Die Wurzeln der Familie liegen in Südostanatolien in der Türkei. In Ludwigshafen wohnt sie gemeinsam in einem Haus im Stadtteil West. Der Vater von Serkan C. ist bereits in Ludwigshafens Partnerstadt Gaziantep geflogen, um in der Millionenmetropole die Beisetzung von Serkan C. vorzubereiten, wie Sertac Bilgin berichtete. Der CDU-Politiker aus Dannstadt-Schauernheim, Bundestagskandidat bei der Wahl vor einem Jahr sowie Unternehmer in Ludwigshafen, ist ein Freund der Familie und versucht, ihr in diesen schweren Stunden beizustehen. Er sagte, der Vorfall müsse die Politik aufrütteln. Menschen müssten besser vor Gewalt geschützt, bestehende Gesetze müssten besser umgesetzt, grundsätzlich müsse härter gegen Straftäter durchgegriffen werden, forderte Bilgin.
Um 16 Uhr fand am Donnerstag ein von Polizeikräften gesichertes Totengebet für Serkan C. in der Alemi Islam Moschee in der Krummlachstraße mit über 1000 Menschen statt, an dem neben Bilgin und Blettner zahlreiche Kommunalpolitiker sowie auch Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) teilnahmen. Die Landesregierung werde die Familie von Serkan C. unterstützen, versicherte Schweitzer. „Dafür stehe ich persönlich ein.“ Über Serkan C. sagte er: „Er war Rheinland-Pfälzer, er war Ludwigshafener, er war einer von uns.“
CDU: Sicherheitskonzepte überprüfen
In ähnlicher Weise wie Bilgin äußerte sich die Ludwigshafener CDU: „Der brutale tödliche Angriff auf unseren Mitbürger macht uns alle tief betroffen“, sagte Peter Uebel, Vorsitzender der Stadtratsfraktion. Der Vorfall zeige, dass Situationen oft nicht kalkulier bar seien und es nie eine 100-prozentige Sicherheit gebe. Allerdings verdeutliche dieser auch einen massiven Verlust an Respekt vor dem Gegenüber, der bis zum Schlimmsten eskalieren könne. „Und dies, wie in Landstuhl, wegen Nichtigkeiten. Natürlich brauchen wir maximale Sicherheit für unsere Bahnmitarbeiter, genauso wie für alle Menschen, die zum einen Teil der Blaulichtfamilie sind, aber auch sonst als Dienstleister ihren Job machen.“
Die Sicherheitskonzepte für alle Mitarbeiter des öffentlichen Nahverkehrs, speziell auch bei der Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV), müssten permanent überprüft und angepasst werden, so Uebel. „Das Gleiche gilt auch für die Mitarbeiter unserer kommunalen Verwaltung, bei denen es auch immer wieder zu Bedrohungssituationen kommt, sowie der öffentlichen Gesundheitsanbieter in Krankenhäusern und Praxen, wo wir seit Jahren eine zunehmende Gewaltbereitschaft feststellen müssen“, ergänzte Uebel, der selbst Mediziner ist. „Auch hier werden wir die Verwaltung bei der Überprüfung von Sicherheitskonzepten unterstützen“, sagte er im Namen seiner Partei.
„Bin fassungslos“
Sozialdezernent David Guthier (SPD) war ebenfalls in die Moschee gekommen. „Wir sind alle tief getroffen“, sagte er. Sein Parteikollege und Nord-Ortsvorsteher Osman Gürsoy kannte Serkan C. persönlich. „Er war ein sehr freundlicher Mensch. Vor Kurzem haben wir uns noch über den Ausbau der Frankenthaler Straße unterhalten“, berichtete Gürsoy. Es ist die Straße, in der die Familie wohnt.
Harmen van Zijderveld sagte als Vertreter der Deutschen Bahn: „Das, was in unserer Zügen passiert ist, hätte nie passieren dürfen.“ Er werde nun das Gespräch mit der Politik suchen, kündigte er an.
Christian Schreider, Landesbeauftragter der Allianz pro Schiene und verkehrspolitischer Sprecher der SPD Ludwigshafen, meinte: „Ich bin fassungslos angesichts dieser brutalen Tat, die mich auch persönlich sehr betroffen macht. Serkan war ein freundlicher junger Mann, der auch mich schon im Regionalexpress nach Neustadt kontrolliert hat. Sein gewaltsamer Tod erschüttert.“ Diese Tat müsse merkliche Konsequenzen haben, insbesondere was einen deutlich verbesserten Selbstschutz für die meist allein Dienst verrichtenden Kolleginnen und Kollegen angeht, so Schreider. „Hier müssen wir gemeinsam mit der Bahn schnell zu Lösungen kommen. Ich bin dankbar, dass der Ministerpräsident dazu eine entsprechende Sonderverkehrsministerkonferenz angeregt hat.“
Dolly El-Ghandour vom Ludwigshafener Beirat für Migration und Integration drückte ihr Mitgefühl am Donnerstag so aus: „Meine Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei der Familie und den Angehörigen.“
Spendenkonto eingerichtet
Mittlerweile wurde von der Eisenbahnergewerkschaft ein Spendenkonto für die Familie von Serkan C. eingerichtet: Empfänger ist die DB Regio AG, IBAN: DE 15 5008 0000 0091 6377 01; Verwendungszweck: Serkan C.



