Ludwigshafen
Großbaustelle Innenstadt
Wahrzeichen verschwindet
Ende dieses Jahres schließt das Rathaus-Center seine Pforten. Im nächsten Jahr soll der Abriss beginnen. Geplant ist, den Hochhausturm und das Einkaufszentrum zunächst zu entkernen. Noch in 2022 sollen der Nordflügel und weitere Centerteile zurückgebaut werden, wie die Verwaltung im Dezember dem Stadtrat erläuterte. 2023/24 sollen dann der über 70 Meter hohe Rathausturm und die restlichen Teile des Centers folgen. Im Laufe des Jahres 2025 soll der Abriss beendet werden. Welche Firmen den Gebäudekomplex dem Erdboden gleichmachen, ist noch nicht bekannt. Die Stadtspitze hat im Januar lediglich verkündet, dass ein „erfahrener Projektsteuerer beim Rückbau von Hochhäusern“ die Fäden in die Hand nehmen werde. Er soll das Vorgehen beim Abriss so koordinieren, dass das Projekt zügig ablaufen kann. In die Planung eingebunden wurde die Bauprojektgesellschaft Ludwigshafen (BPG), eine im Vorjahr eigens von der Stadt gegründete Firma für die Planung und Realisierung von Großvorhaben, wie zum Beispiel auch der Hochstraßensanierung.
Unterirdische Haltestelle bleibt erhalten
Die Abbruchkosten schätzt die Verwaltung auf rund 52 Millionen Euro. Hinzu kommen die Kosten für den 2019 erfolgten Kauf des Komplexes (46 Millionen Euro). Auf 300 Millionen Euro summieren sich die Gesamtkosten, inklusive Neubau.
Erhalten bleibt die unterirdische Haltestelle für Straßenbahnen. Eine Passage zwischen dem Stadtteil Nord und der Innenstadt soll vermutlich um das Gebäude herum verlaufen. Völlig unklar ist, ob und wo ein neues Rathaus gebaut werden soll. Im Gespräch ist auch eine dezentrale Verwaltung in verschiedenen Gebäuden im Zentrum. Schon jetzt zahlt die Stadt jährlich 4,3 Millionen Euro für gemietete Immobilien, nachdem die oberen Stockwerke des Rathausturms bereits 2016 geräumt wurden. Die Idee von Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD), ein neues Rathaus im geplanten „Metropol“-Hochhauskomplex auf dem Berliner Platz unterzubringen, wurde im Mai von der Stadtratsmehrheit abgelehnt. Sicher ist derzeit nur eines: Das 1979 eröffnete Rathaus-Center, das die City über 40 Jahre lang geprägt hat, ist bald Geschichte.
Das Nordprojekt
Eng mit dem Rathausabriss verbunden ist das Projekt Hochstraße Nord (B 44). Die 1,8 Kilometer lange Trasse verbindet die Kurt-Schumacher-Brücke mit der A 650. Wegen der Schäden an der Konstruktion muss die Nordstraße abgerissen werden. Nach langer Diskussion hat sich der Stadtrat dafür entschieden, als Ersatz eine ebenerdige Stadtstraße zu bauen. Durch den Abriss des Rathaus-Centers kann die neue Straße 18 bis 20 Meter nach Süden verschwenkt gebaut werden. Vorteil: Neubau und Abriss können unabhängig voneinander stattfinden. Das soll Zeit und Kosten sparen.
Die Vorbereitungen für das Megaprojekt mit geschätzten Kosten von über einer halben Milliarde Euro laufen schon Jahre. Ab 2023 wird im Westen bis 2027 eine neue Brücke über die Gleise des Hauptbahnhofs gebaut, die den Verkehr künftig hinunter auf die ebenerdige Straße führen soll. Die Bauarbeiten für diese neue 860 Meter lange Trasse sollen nach dem Rathaus-Abriss starten. Im Gespräch ist dafür das Jahr 2025. Ein Teilabschnitt soll bereits ab 2026 befahrbar sein. Dann sollen auch die ersten großen Teile der Nordtrasse abgerissen werden – Zufahrten zur Schumacher-Brücke sowie das Stück von der Abfahrt Heinigstraße bis zum Rhein. Über eine provisorische Konstruktion soll der Verkehr weiter zur BASF und nach Mannheim rollen können. 2030 soll die neue Stadtstraße komplett für den Verkehr freigegeben werden.
Das Südprojekt
Auch an der Hochstraße Süd (B 37) wird gebaut. Nach dem Abriss eines 500 Meter langen Teilstücks zwischen der Heinigstraße und der Konrad-Adenauer-Brücke (die sogenannte Pilzhochstraße) haben die Planungen für einen Ersatzbau begonnen. Im Herbst sollen erste Entwürfe vorliegen. Da es sich um einen Eins-zu-eins-Wiederaufbau handelt, ist ein beschleunigtes Bauverfahren möglich. Die Kosten werden auf eine dreistelligen Millionenbetrag geschätzt. Der Zeitplan ist ehrgeizig: Bis 2026 soll die Hochstraße Süd wieder komplett befahrbar sein. Damit soll dem Verkehr eine Ausweichmöglichkeit während der Abrissphase bei der Hochstraße Nord zu Verfügung stehen.
Das „Metropol“
Nur einen Steinwurf entfernt von der Hochstraße Süd soll am Berliner Platz der Hochhauskomplex „Metropol“ des Ettlinger Privatinvestors Timon Bau entstehen. Nach dem Abriss der „Tortenschachtel“ herrschte jahrelanger Stillstand auf der Baustelle. Anfang Mai hat ein Bagger damit begonnen, eine Arbeitsfläche freizuräumen. Dann soll ein Teil des Tiefbunkers unter dem Platz zurückgebaut werden, um Platz für eine Baugrube zu schaffen. Diese soll bis Ende 2021 fertig sein. Danach sind Fundamentarbeiten geplant. Im kommenden Jahr soll der eigentliche Hochhausbau beginnen. Die Fertigstellung ist bis Ende 2024 geplant, versichert der Investor. Dann soll das 67 Meter hohe 19-geschossige Hauptgebäude sowie ein siebengeschossiges Nebengebäude stehen. Während der Bauarbeiten wird ein Teil der Bismarckstraße gesperrt. Ankermieter im Hochhaus wird die britische Hotelkette Premier Inn, die neun Etagen übernehmen will. Weitere Büroflächen sind in der Vermarktung. Investitionsvolumen: rund 120 Millionen Euro.