Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Verschwenkte Stadtstraße „technisch machbar“

Die mit Fangnetzen geschützte Hochstraße Nord verläuft direkt am Rathaus vorbei.
Die mit Fangnetzen geschützte Hochstraße Nord verläuft direkt am Rathaus vorbei.
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Gute Nachricht für Ludwigshafen und die ganze Region: Der Abriss der Hochstraße Nord und der Ersatzbau einer Stadtstraße können rascher, billiger und mit weitaus weniger Verkehrsbehinderungen über die Bühne gehen als ursprünglich angenommen. Möglich macht das eine um wenige Meter korrigierte Streckenführung.

Eine simple, mit einem Lineal gefertigte Skizze sorgte vor einem halben Jahr für Aufsehen im Ratssaal. Die Überlegung dahinter: Ändert man die Streckenführung der Stadtstraße geringfügig, dann würde diese an neuralgischen Punkten nicht mehr direkt unter der Nordtrasse verlaufen und könnte unabhängig von deren Abriss gebaut werden. Das würde Zeit sparen, Bauabläufe vereinfachen, Kosten reduzieren und die Phase spürbarer Verkehrsbehinderungen – im Raum standen viereinhalb Jahre – enorm verkürzen. Jetzt ist klar: Die von Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) forcierte Variante hat einer „intensiven technischen Prüfung“ durch externe Ingenieurbüros standgehalten. Umweltgutachten hätten ergeben, dass die Belastungen unter den Grenzwerten liegen. Darüber informierte Steinruck am Montag den Stadtrat.

Weniger Belastungen

„Die sanfte Verschwenkung bringt deutliche Vorteile“, betonte die OB. Die 860 Meter lange Stadtstraße soll den neuen Plänen zufolge um 18 bis 20 Meter nach Süden verschoben werden. Der ab 2022 ins Auge gefasste Rückbau des Rathaus-Centers schafft ab 2025 den notwendigen Spielraum für ein freies Bauen der südlichen Fahrbahnen der Stadtstraße. „Ziel ist es, die Belastungen der Großbaustelle so gering wie möglich zu halten – für Anwohner und die Wirtschaft“, sagte die OB.

Bereits ab 2023 sollen die Arbeiten an der neuen Brücke über die Bahnanlagen starten. Von Westen (Autobahnanschluss 650) soll sie nach Osten (Richtung Kurt-Schumacher-Brücke) wachsen, um im Jahr 2027 die Stadtstraße zu erreichen. Eine wichtige Zäsur sei der Lückenschluss der Hochstraße Süd. Deren Verkehrsfreigabe sei der Startschuss für die massiven Arbeiten an der Nordtrasse. Danach gehe es „Schlag auf Schlag“, denn die ersten Fahrzeuge könnten dann die südlichen vier Fahrspuren der Stadtstraße nutzen. Der südliche Teil der Hochstraße Nord (B 44) werde ab der Heinigstraße bis zum Rhein gesperrt und könne „in einem Rutsch“ zurückgebaut werden, erklärte Tiefbauspartenleiter Björn Berlenbach. Wie schnell das gehe, habe im Vorjahr der in 106 Tagen absolvierte Abriss der Pilzhochstraße gezeigt, der marode 500-Meter-Abschnitt der Südtrasse (B 37). Parallel dazu könne der Verkehr die nördliche Spur der Hochstraße Nord nutzen.

Bauläufe entzerrt

Weil durch den Platzgewinn nicht mehr kleinteilig gebaut, abgerissen und umgeleitet werden müsse, entzerre das die Bauabläufe. Alle wichtigen Verkehrsbeziehungen seien offen. Sprich: Entweder fährt der Verkehr noch „oben“ oder bereits „unten“ – je nach Fahrziel. Über Provisorien sei die Fahrt Richtung BASF und über den Rhein (und jeweils zurück) weiter möglich. 2026 sei ein Schlüsseljahr und sehr anspruchsvoll, sagte Berlenbach. Durch die Fertigstellung der Südtrasse und des südlichen Teils der Stadtstraße könne aber deutlich mehr Verkehr abgewickelt werden als heute.

Besonders knifflig bleibe der Abriss des Nordbrückenkopfs, also der große Komplex mehrerer miteinander auf unterschiedlichen Ebenen verwobenen Straßen, Ab- und Auffahrten vor der Kurt-Schumacher-Brücke. Ab 2026 sollen hier die Abrissbagger ansetzen. „Wir fangen am Nordbrückenkopf erst an, wenn die Hochstraße Süd wieder komplett befahrbar ist“, betonte die OB.

Drei zusätzliche Expresslinien

Unterstützend will die Verwaltung das „Umweltsensitive Verkehrsmanagementsystem“ in Betrieb nehmen und mit dem „Drei-Zonen-Konzept“ verknüpfen. Damit könne der Verkehr digital gesteuert werden. Entlastung bringen sollen auch Verbesserungen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sowie das Radpendler-Wegenetz mit der neuen Radschnellverbindung unter der Südtrasse, neue Park-and-Ride-Anlagen, die Verknüpfung von ÖPNV und Leihrad/-roller an zentralen Haltestellen sowie der Ausbau der Fahrradabstellplätze. In einem Kraftakt mit der Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV) mache die Stadt das Schienennetz der Straßenbahnen schon jetzt fit für die Zukunft, speziell die Linien 4 und 10, sagte Bau- und Umweltdezernent Alexander Thewalt (parteilos). Eine Gleisverbindung von der Bleichstraße auf die Konrad-Adenauer-Brücke ermögliche ab 2026 drei zusätzliche Expresslinien. Inklusive des für die Metropolregion auf den Weg gebrachten Mobilitätspakts seien das riesige Schritte in Richtung Verkehrswende, bilanzierte Thewalt.

„Der gut begründete Beschluss, das Rathaus mit Center abzureißen, hat uns die Tür für maßgebliche Verbesserungen geöffnet. Aber auch hier denken wir bereits weiter. An der Stadtstraße können wir mit der ,City West’ ein ökologisches und nachhaltiges Stadtquartier bauen. Stadtentwicklung funktioniert im Dialog und mit einer Portion Mut, am Ende des Dialogs auch zu entscheiden“, ergänzte Steinruck. Knapp 5000 Arbeitsplätze und Wohnraum für 3450 Menschen sollen in der „City West“ entstehen.

Während des laufenden Planfeststellungsverfahrens könne er noch keine seriösen Angaben dazu machen, wie viel Geld durch die neue Variante eingespart werde, sagte Kämmerer Andreas Schwarz (SPD). Zeitersparnis und vereinfachte Bauabläufe sprächen aber für ein erhebliches Potenzial. Letzten Schätzungen zufolge sollte der Nordabriss 530 Millionen Euro kosten. Im dreistelligen Millionenbereich sollen die Kosten für Abriss und Ersatzbau der Südtrasse liegen. Mit Bund und Land will die Stadt beide Projekte in einem Förderpaket verhandeln.

Noch Fragen?

Alles zur verschwenkten Stadtstraße im Digitalen Bürgerforum am Dienstag, 18 bis 20 Uhr, im Netz unter www.ludwigshafen-diskutiert.de. Bis zu 200 Bürger können sich einwählen, mündlich und schriftlich Fragen stellen. Der Link wird 15 Minuten vor Veranstaltungstermin geteilt.

Zur Sache: Die Bauabläufe im Überblick

2022: Beginn der Abrissarbeiten im Rathaus-Center (von innen nach außen), bis 2025.

2023: Baubeginn der Westbrücke.

Mitte 2024: Bau Übergangsfahrbahnen Nordbrückenkopf (Umleitungsfahrbahnen).

2025: Ende Rathaus-Abriss, anschließend Baubeginn der südlichen Hälfte der Stadtstraße vom Messplatz bis zur Rheinuferstraße.

2026: Die Hochstraße Süd ist fertiggestellt und frei befahrbar; Verkehrsfreigabe auf der südlichen Hälfte der Stadtstraße; Start der massiven Abbrucharbeiten am Nordbrückenkopf und dem südlichen Teil der Hochstraße von der Abfahrt Heinigstraße bis zum Rhein.

2027: Die Westbrücke ist befahrbar; die Stadtstraße ist auf der südlichen Hälfte in beide Richtungen befahrbar (vom Messplatz bis zum ehemaligen Rathaus-Areal).

2030: Die Stadtstraße ist komplett für den Verkehr freigegeben. Quelle: Stadtverwaltung

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