RHEINPFALZ-Report Wohnen in LU (5)
Der Traum vom Eigenheim
Wer sich den Traum vom neugebauten Eigenheim in Ludwigshafen erfüllen will, muss tief in die Tasche greifen. Und das gilt keineswegs nur für die Premiumlage am Rheinufer Süd, wo für eine Viereinhalb-Zimmer-Wohnung mit Blick aufs Mannheimer Schloss schon mal über eine Million Euro fällig werden. In der Nachbarschaft zum Müllheizkraftwerk entsteht gerade im Stadtteil West der Apartementhauskomplex „Burgundenhof“. Dort muss man für eine Drei-Zimmer-Wohnung im zweiten Stock mit 74 Quadratmetern und einem Balkon 316.000 Euro auf den Tisch legen. Nach Angaben des Bauträgers sind 60 Prozent der 35 Wohnungen bereits vermarktet. Die günstigste Wohnung gibt es ab 230.000 Euro, die teuerste für 430.000 Euro (mehr Infos bei ostermayer-wohnbau),
Die alte Regel, die Lage entscheidet über den Preis, gilt noch. Aber die Immobilienpreise sind in den vergangenen Jahren kräftig geklettert – unabhängig von der Lage. Die Nachfrage ist hoch. Nicht nur von Menschen, die in die eigenen vier Wände ziehen wollen. Auch Leute, die für ihr Erspartes so gut wie keine Zinsen mehr erhalten, investieren in „Betongold“ als Kapitalanlage. Das treibt die Preise hoch. Der durchschnittliche Kreditbedarf für die Finanzierung einer privat genutzten Immobilie beträgt nach Angaben der Sparkasse Vorderpfalz mittlerweile über 300.000 Euro.
Kapital benötigt
Laut Preisspiegel der LBS (Bausparkasse der Sparkassen) lag im vergangenen Jahr der Durchschnittspreis für eine neue Eigentumswohnung in Ludwigshafen bei etwa 3800 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Auch bei Häuselbauern ist Kapital gefragt: Die Baugrundstückspreise reichen von 380 bis 660 Euro für den Quadratmeter. Hinzu kommen neben den Grundstückskosten noch die Baukosten für ein Haus. Für ein Reihenhäuschen werden dann im Schnitt noch mal bis zu 385.000 Euro fällig, hat die LBS errechnet.
Da die Bürger wegen Corona viel Zeit zu Hause verbringen mussten, ist das Eigenheim weiter in der Gunst gestiegen. „Mit den Erfahrungen der Pandemie ist der Wunsch nach den eigenen vier Wänden und damit auch die Nachfrage nach Baukrediten unverändert groß – die Tendenz ist steigend“, sagt Peter Bausch, Leiter des Immobilien-Centers der Sparkasse Vorderpfalz.
Häuser im Trend
Und was wird von den Kunden stärker nachgefragt – die Eigentumswohnung oder ein Haus? „Beide Wohnformen werden unverändert stark nachgefragt. Der Trend zur Zeit geht mit leichten Vorteilen eher zu Häusern“, sagt der Immobilienexperte der Bank. Ein Haus biete in der Regel mehr Platz und Flexibilität für den Käufer. Gerade junge Familien tendierten zum Hauskauf/-bau und ziehen dafür auch von der Stadt aufs Land. Eine Eigentumswohnung punkte meist mit der Lage in einer Stadt. „Das ist sowohl für junge Menschen ohne Kinder, die gerne zentral oder nahe an ihrem Arbeitsplatz wohnen wollen, attraktiv. Aber auch für Ältere, die auf eine gute Infrastruktur angewiesen sind“, sagt Bausch.
Was neue Eigentumswohnungen betrifft, gibt es momentan einige Projekte in Ludwigshafen, die für Kaufwillige von Interesse sein könnten: Zwischen dem Stadtteil West und Oggersheim entsteht die Heinrich-Pesch-Siedlung mit Wohnungen für 1500 Menschen. Geplant ist ein Mix aus Häusern, Wohnhöfen und Wohnungen (mehr dazu im Netz unter pesch-siedlung.de). Das Wohnbauprojekt der Katholischen Kirche will alle sozialen Schichten ansprechen, den Mieter und den sozial engagierten Immobilienkäufer.
Große Projekte in Süd
Im Stadtteil Süd gibt es drei große Bauvorhaben. Das Mannheimer Unternehmen Pro Concept wird auf dem Areal der Pfalzwerke nach deren Umzug in die Stadtmitte Wohnhäuser errichten. Auf dem bisherigen Gelände der Pfalzwerke an der Kurfürstenstraße werden 328 Wohnungen gebaut. In den ersten beiden Baufeldern sind neben dem Bau einer Kita 82 Mietwohnungen sowie 36 Eigentumswohnungen vorgesehen. Im dritten Abschnitt sollen später 210 Wohneinheiten folgen – aber erst dann, wenn die Pfalzwerke ihren Hauptsitz in die Wredestraße verlegt haben (mehr Infos unter proconcept-ag.de).
Auf dem ehemaligen Halberg-Areal an der Rheinallee will die GeRoEstateAG (Bellheim) mit dem Immobilienfonds Aberdeen Standard Investments 540 Wohnungen errichten. Vermarktet wird das Projekt als „Ludwigs-Quartier“. Bis 2028 sollen hier 270 Millionen Euro für 550 neue Wohnungen investiert werden. Die vier sechsstöckigen Häuserblocks werden für bis zu 1300 Menschen konzipiert (Infos dazu unter sfa.de/projekte/ludwigs-quartier). Auch hier ist ein Mix aus Miet- und Eigentumswohnungen vorgesehen.
Schräg gegenüber baut das Unternehmen Deutsche Wohnwerte das Quartier „Heimatufer“, das aus drei Gebäuden mit insgesamt 127 Wohnungen besteht. Richtfest wurde im Oktober gefeiert, derzeit läuft der Innenausbau. 34 Apartments und vier Penthouses im Gebäude „Beaufort“ hinter dem Ostasieninstitut sind in der Vermarktung. Der Rest ist für Mietwohnungen vorgesehen, die Vermietung startet laut dem Unternehmen im Sommer (mehr dazu unter heimatufer.deutsche-wohnwerte.de)
Wo noch Neubauten entstehen
Nachdem vor Jahrzehnten Bauplätze in der Stadt fehlten, sind viele Ludwigshafener aufs Land, in den Speckgürtel um die Stadt gezogen. Um die Nachfrage der Häuslebauer zu befriedigen, wurden im Stadtgebiet in Oggersheim (Melm) und in Rheingönheim (Neubruch) Neubaugebiete geschaffen, die mittlerweile weitgehend bebaut sind. „In den beiden Baugebieten gibt es keine vermarktbaren Bauplätze mehr“, bestätigt eine Stadtsprecherin.
Doch neue Häuser können auch in Zukunft in Ludwigshafen gebaut werden – allerdings in kleinerem Umfang und es wird teils noch einige Jahre dauern. So ist im Norden der Stadt in Edigheim ein Baugebiet entlang der Straße Zinkig geplant. Hier sollen nach Angaben des Ortsvorstehers Frank Meier (SPD) bis zu 60 neue Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser gebaut werden. Der Bebauungsplan „Im Zinkig“ wird von der Verwaltung gerade erarbeitet. Ebenfalls in Edigheim entstehen an der Ecke Deichstraße/Mühlaustraße auf einem städtischen Grundstück Einfamilien- oder Doppelhäuser mit zirka sechs bis sieben Wohneinheiten. Auch in Oppau sollen in der Verlängerung der Friedrichstraße Einfamilienhäuser entstehen. Das Bebauungsplanverfahren dafür hat begonnen. Ein konkreter Bauträger mit verbindlichem Konzept oder Zeitplan ist jedoch noch nicht bekannt. Auch in Friesenheim wird es das Baugebiet „Luitpoldstraße“ geben, für das ein Stück Wald am Zehnmorgenweiher weichen muss, was für Proteste gesorgt hat. Hier sind vier Einfamilienhäuser, angrenzend an den Zehnmorgenweiher, 16 Doppelhaushälften sowie zwei Mehrfamilienhäuser mit Betreutem Wohnen geplant.
Ein geplantes Baugebiet befindet sich außerdem in Oggersheim östlich der BG Unfallklinik. Hier soll das bestehende Wohngebiet Paracelsusstraße Richtung Süden erweitert werden. Für die Aufstellung des Bebauungsplanes sind verschiedene Gutachten erforderlich, die derzeit erstellt werden. Die Stadtverwaltung rechnet mit einem Baubeginn 2023. In Kürze sollen an der Wormser Straße in Oggersheim zwei Einfamilienhäuser in zweiter Reihe durch einen Bauträger entstehen.
Fertig sind die Pläne für ein Baugebiet südlich des Maudacher Friedhofs, wo entlang der Alten Weinstraße eine Bebauung mit Einfamilien-Kettenhäusern stattfinden soll (mehr Infos beim Projektentwickler luma-haus.de). Von sechs Häusern sind laut der Baufirma noch drei verfügbar. Reihenhäuser und Stadthäuser sind auch in der Heinrich-Pesch-Siedlung geplant.
70 Prozent leben in Mehrfamilienhäusern
Die anstehenden Bauvorhaben zeigen: Der Großteil der rund 177.000 Menschen in Ludwigshafen lebt in Wohnungen. Knapp 70 Prozent der Einwohner (knapp 120.000) wohnen in Mehrfamilienhäusern, etwa 30 Prozent (knapp 60.000) in Ein- und Zweifamilienhäusern, wie der Statistische Jahresbericht der Stadt zeigt. Wer einen Bauplatz für ein Eigenheim ergattern kann, zählt zu einer Minderheit: 2019 waren nur zwölf Prozent der fertiggestellten Gebäude Ein- oder Zweifamilienhäuser. Der Löwenanteil (88 Prozent) waren Mehrfamilien- oder Gewerbeimmobilien. Der Traum vom Eigenheim ist in der Stadt daher leichter mit einer Eigentumswohnung zu verwirklichen, denn das Angebot dafür ist viel größer. Für die Finanzexperten der Sparkasse ist der Kauf und Unterhalt einer neuen Eigentumswohnung im Vergleich zum Haus oft günstiger, da sich die Kosten für Gebäude und Grundstück auf mehrere Eigentümer verteilen. Egal, ob Wohnung oder Haus – Geld kostet beides.
Zum Weiterlesen
Die weiteren Teile des RHEINPFALZ-Reports finden Sie hier: „Wenn Wohnraum zu Ware wird“ (Teil 1), „Der Markt ist nicht überhitzt“ (Teil 2) „Wie wohnen die Ludwigshafener?“ (Teil 3), Sozialer Wohnungsbau (Teil 4).