Landau
Tauben können wieder aus Bahngebäude fliegen
Schaut man von der Horstbrücke herab auf das Backsteinhaus, in dem einst ein Stellwerk der Deutschen Bahn betrieben wurde, dann sieht alles vollkommen unverfänglich aus. Das Dach ist mit einem grünen Netz überspannt, auf dem First sitzt mehr als ein Dutzend Tauben und genießen die verzeinzelten Sonnenstrahlen, die die winterliche Wolkendecke durchdringen. Auch an der zur Horststraße hin geöffneten Außenwand im Obergeschoss herrscht ein reges Treiben, ständig flattern Vögel ein und aus.
Noch vor einem Monat sah das alles ganz anders aus. Das grüne Netz verschloss den kompletten oberen Bereich des Häuschens, eine Lücke gab es in dem Geflecht nicht. Zahlreiche Tauben flogen immer und immer wieder von innen dagegen. Es waren verzweifelte Versuche des Entkommens. Das bittere Ergebnis: Rund 20 Tiere verendeten, weil sie es nicht schafften, aus ihrem Gefängnis auszubrechen.
Genau vor diesem Szenario hatten Anwohner und Tierschützer direkt nach dem Anbringen des Netzes gewarnt. Auch mehrere Behörden wurden darüber informiert. Bei der Polizei ging am 6. November eine erste Beschwerde ein, wie die Inspektion in Landau bestätigte. Erst am 11. November kam es zu einer großen Rettungsaktion von Polizei und Feuerwehr, die für viele Tauben wie erwähnt zu spät kam. Das bis dahin undurchdringbare Netz bekam einen schmalen Ein- und Auslass.
Tauben haben jetzt einen großzügigen Ein- und Auslass
Das provisorische Loch in die Freiheit kommt mittlerweile deutlich großzügiger daher, eine Dauerlösung ist gefunden – endlich, wie Harald Hoos von der Taubenhilfe Landau sichtlich erleichtert erzählt. Vor drei Wochen war der Tierschützer gemeinsam mit einem Mitarbeiter der Deutschen Bahn (DB), der das Gebäude gehört, vor Ort. Dabei habe man sich darauf geeinigt, eine Seite des Netzes zur Horststraße hin zu öffnen, sodass die Tauben ein- und ausfliegen können. Außerdem habe die Bahn zugesichert, die zerbrochenen Scheiben und Fensterrahmen herauszunehmen und weitere Sicherungsmaßnahmen zum Wohl der Tiere durchzuführen.
Wie die DB auf RHEINPFALZ-Nachfrage bestätigt, kam das Unternehmen dieser Zusage in der vergangenen Woche nach. Das Netz sei an einer größeren Stelle direkt unter dem Dach befestigt worden, die Fenster mit den zerbrochenen Scheiben im Obergeschoss seien allesamt ausgebaut worden. „Das Dachgeschoss wurde komplett abgedichtet, sodass dort keine Tauben mehr hineinkommen.“
Justiz weiter mit dem Fall beschäftigt
Für die Tiere, die die tagelange Gefangenschaft überlebt haben, hat die Geschichte also ein gutes Ende genommen – jedenfalls sieht es ganz danach aus. Um sich davon zu überzeugen, dass dem auch wirklich so ist, werde man Anfang des neuen Jahres noch einmal eine Ortsbegehung mit der Bahn machen, sagt Hoos. Die Sache sei für ihn aber erst einmal erledigt.
Das wiederum gilt bei Weitem nicht für alle an diesem Fall Beteiligten. Denn nach wie vor besteht die Möglichkeit, dass Ermittlungen wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz aufgenommen werden. „Die Prüfungen zur Feststellung des genauen Sachverhaltes dauert noch an“, sagt Angelika Möhlig, Leitende Oberstaatsanwältin der Staatsanwaltschaft Landau. Ein Ermittlungsverfahren gegen eine bestimmte Person gebe es derzeit nicht. Das wird erst der Fall sein, sollte ein Anfangsverdacht für eine Straftat festgestellt werden. „Die Polizei wird noch eine Weile dafür brauchen“, sagt Möhlig zu den laufenden Untersuchungen. Laut der Juristin werden Zeugen verhört und Akten gesammelt und geprüft. Grundsätzlich, so erklärt Möhlig, liege bei einem Verstoß gegen das Tierschutzgesetz nur dann eine Straftat vor, wenn ein Vorsatz nachweisbar vorliege.