Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Bahngebäude wird zum Taubengefängnis

Die Tauben können nur hinter dem grünen Netzt herumflattern.
Die Tauben können nur hinter dem grünen Netzt herumflattern.

Betreibt die Deutsche Bahn Tierquälerei? Diesen Vorwurf erhebt eine Anwohnerin an der Horstbrücke. Unweit ihres Hauses wurde ein leerstehendes Gebäude verschlossen, in dem Tauben leben. Die Tiere drohen in der Gefangenschaft zu verenden.

Wer über die Horstbrücke fährt, kann das Backsteingebäude direkt unterhalb kaum übersehen. Spätestens seit ein grünes Netz über dessen Dach gezogen wurde, springt es ins Auge. Einst wurde der Bau von der Deutschen Bahn als Stellwerk genutzt, seit mindestens zehn Jahren steht es laut Auskunft des Unternehmens leer. Wobei das nicht ganz korrekt ist, denn es ist nur menschenleer. Seit vielen Jahren hausen nämlich Tauben in dem Gebäude. Und die haben nun ein existenzielles Problem.

Die Tiere kommen nicht mehr raus. „Ich habe vergangene Woche gesehen, dass eine Firma da war, die eine Folie und ein Netz über das Dach gezogen hat“, erzählt Annette Meyer. Sie wohnt in unmittelbarer Nähe zu dem alten Bahngebäude. Am Wochenende habe sie dann gesehen, dass Tauben von innen immer wieder gegen die Folie fliegen. „Die sind da drin und kommen einfach nicht mehr raus.“ Meyers Befürchtung: Die Tauben verenden in ihrem Gefängnis, weil sie kein Futter mehr bekommen.

Das ehemalige Stellwerkgebäude steht direkt unterhalb der Horstbrücke.
Das ehemalige Stellwerkgebäude steht direkt unterhalb der Horstbrücke.

„Ich habe das Netz auch gesehen“, sagt Christine Simon von der Taubenhilfe Landau, die sich schon seit vielen Jahren mit den Vögeln beschäftigt. Allerdings habe sie den Eindruck gehabt, dass ein Loch da sei, um ins Freie zu fliegen. Insofern habe sie sich keine großen Gedanken gemacht. Grundsätzlich erklärt sie, dass Tauben leider nicht sehr schlau seien. Die Folge: Ist ihr gewohnter Ausgang versperrt, finden sie eine eventuell vorhandene Alternative möglicherweise nicht und sind tatsächlich im Haus gefangen. „Dann verhungern sie, denn zur Futtersuche müssen sie ins Freie kommen“, sagt Simon.

Anwohnerin Annette Meyer blickt jeden Tag auf das Backsteingebäude, seit sie die Flattermänner hinter der Folie entdeckt hat. „Am Anfang waren es bestimmt 15 bis 20 Tauben, die dort herumgeflogen sind“, erzählt sie. Von Tag zu Tag seien es aber weniger geworden. „Wahrscheinlich sind viele von ihnen mittlerweile erschöpft oder sogar schon verhungert“, fürchtet sie.

Gebäude gehört der Deutschen Bahn

Bei einem Besuch vor Ort am Donnerstagvormittag ist eine Handvoll Tauben innerhalb des Netzgeflechts zu sehen. Während die einen in dem freien Raum zwischen Fenster und Folie herumflattern, sitzen andere auf dem grünen Gewebe – auf der Innenseite. Es macht den Anschein, als suchten die Vögel tatsächlich nach einem Weg heraus. Zumindest in der kurzen Beobachtungszeit tun sie das vergeblich. Wobei ein Blick auf die Szenerie nur aus der Ferne möglich ist. Denn nah ran an das Gebäude kommt man nicht, das Gelände ist weiträumig abgesperrt.

Und wer ist nun verantwortlich dafür, dass die Vögel nicht mehr in die Freiheit kommen? Es ist die Deutsche Bahn, wie eine Sprecherin des Konzerns auf RHEINPFALZ-Anfrage bestätigt. Das Gebäude befinde sich im Eigentum der Deutschen Bahn, schreibt sie. „Im Rahmen der bahnbetrieblichen Sicherheit und der Verkehrssicherheit musste das Dach des Stellwerkgebäudes gesichert werden. Im Zuge dessen hat die DB verschiedene Instandsetzungsarbeiten am Dach durchgeführt, um weiteren Wassereintritt zu verhindern und Stabilität bei den Dachziegeln zu gewährleisten. Hierfür wurde zusätzlich zur Sicherung ein Netz montiert.“ Bei Arbeiten, die zur Gewährleistung der Sicherheit zwingend erforderlich sind, seien weitere Abstimmungen nicht notwendig, erklärt die Bahnsprecherin.

Bahn: Tauben müssen Schlupfloch gefunden haben

Im Vorfeld gab es daher keinen Kontakt etwa zur Naturschutzbehörde oder zum Veterinäramt. Egal sind die Vögel der Bahn aber laut der Sprecherin auch nicht. „Selbstverständlich hat die DB vor Verschluss des Daches geprüft, dass sich keine Tauben in den Räumlichkeiten des Stellwerks aufhalten“, schreibt sie. Allerdings fänden die Tiere immer wieder Schlupflöcher, um in das Gebäude hinein- und auch wieder hinauszugelangen. Für alle Tierfreunde und auch für die Tiere hat die Bahnsprecherin dann noch eine gute Nachricht parat: Man nehme die Hinweise zum Anlass, sich vor Ort noch einmal ein Bild von der Lage zu machen, um bei Bedarf Tiere zu befreien, die den Weg nicht mehr eigenständig nach draußen finden. Dazu, wann das passieren soll, macht die Sprecherin keine Angaben. Ob die Hilfe rechtzeitig kommt, und wenn ja, wie viele Tauben gerettet werden können, ist nicht zu sagen.

x