Edenkoben
Nach Infektion: Erster Geimpfter wirbt für Auffrischungsimpfung
Nun hat es ihn doch erwischt: Ludwig Vondersand hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Der 84-Jährige aus Edenkoben war am 7. Januar der erste Geimpfte im damals einzigen Südpfalz-Impfzentrum in Wörth. Die zweite Impfung hatte Vondersand am 28. Januar erhalten – am Freitag, 1. Oktober, jedoch zeigte ein Corona-Test bei ihm ein positives Resultat an.
Zunächst das Wichtigste: Er befinde sich wieder auf dem Weg der Besserung, berichtet Vondersand. Im Laufe des 1. Oktober, als er die ersten Symptome bemerkte, ging es ihm nicht so gut. „Ich war abwesend, nicht da, müde.“ Als er auf dem Weg in die Küche zum Kaffeekochen plötzlich Kurven bemerkte, wurde ihm klar, dass etwas nicht stimmt. „Ich habe mich hingesetzt und bin eingeschlafen.“ Fast den ganzen Tag habe er geschlafen, am Abend habe er dann geschwitzt. Das Thermometer zeigte 39,8 Grad Celsius an – Fieber. „Die Nacht war heftig.“ Die folgenden Nächte habe er weiter geschwitzt und weiter gefiebert. „Die Nase lief wie ein lecker Wasserhahn.“ Die nächsten Tage dann folgten regelmäßiges Abhusten und Abschnäuzen. „Das war wie eine richtig heftige Grippe“, berichtet Vondersand.
Antikörperspiegel sinkt
Dabei geht der 84-Jährige davon aus, dass er noch Glück im Unglück gehabt haben muss. Denn in seinem Blut seien noch Antikörper gewesen. An eben jenem 1. Oktober war er bei seiner Hausärztin, um einen Corona-Antikörpertest zu machen, berichtet er. Ein paar Tage später übermittelte sie das Ergebnis: „Der Stand der Antikörper war sehr weit unten.“ Vondersand geht davon aus, dass er Glück im Unglück hatte – hätte er gar keine Antikörper gehabt, wäre der Verlauf wohl wesentlich schlimmer gewesen, vermutet er. Er will, dass seine Mitmenschen aus seiner Erfahrung lernen und sich schützen. Deshalb hat er Kontakt zu RHEINPFALZ aufgenommen.
„Wer die Möglichkeit hat, sollte sich umgehend die dritte Impfung abholen“, sagt Vondersand. Er war im Januar doppelt geimpft – bereits im März gab es die Debatte darüber, ob eine Auffrischungsimpfung notwendig wird und wenn ja, wann diese erfolgen sollte. Einige Experten hatten damals dazu geraten, nach sechs Monaten aufzufrischen. Denn schon früh war klar: Der Körper baut die Antikörper ab – je nach persönlicher Konstitution schneller oder langsamer. Die Debatte läuft noch immer, die Behörden sind sich nicht einig. Denn sie müssen aus den vielen Einzeldaten die für alle beste Variante ableiten.
Dritte Impfung: Unterschiedliche Empfehlungen
Am 4. Oktober hatte die Europäische Arzneimittelbehörde EMA für Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem bereits nach 28 Tagen eine dritte Impfdosis empfohlen. Bei Menschen über 18 Jahren mit normal funktionierendem Immunsystem schlägt die Behörde vor, eine Auffrischungsimpfung nach sechs Monaten in Betracht zu ziehen. Das gilt für den Biontech-Impfstoff. Das Land Rheinland-Pfalz bietet derzeit die Auffrischungskampagne unter anderem für Über-80-Jährige, Gepflegte, Pflegepersonal oder Über-60-Jährige nach ärztlicher Entscheidung an. Die Ständige Impfkommission hingegen hat in der vergangenen Woche die Auffrischung für Über-70-Jährige empfohlen.
Vondersand testet Antikörperspiegel
Vondersand hatte seine Aufforderung zur dritten Impfung Mitte September erhalten, berichtet er. Er wollte zuerst seinen Antikörperstand testen, um eine Basis für eine Entscheidung zur dritten Impfung zu haben. Nun, als bald Genesener, kommt er formal zunächst für die dritte Impfung nicht infrage, aber er habe eine gute Hausärztin, sagt er. Er will vier Wochen nach der Infektion seinen Antikörperstand testen lassen. Ist der Schutz gegeben, warte er noch mit der Impfung. Ist der Schutz hingegen wieder löchrig geworden, wird er sich die Auffrischungsimpfung verpassen lassen, sagt er. Und dazu rät er jedem. „Wenn man so was vermeiden kann, sollte man es tun“, sagt Ludwig Vondersand mit dem Blick auf seine Covid-Erkrankung.
Vondersand hatte nach seinen Impfungen ebenfalls für die Corona-Schutzimpfungen geworben und die Öffentlichkeit über seinen Gesundheitszustand informiert.