Landau Löwen und Tiger im Zirkus: Tierschützer fordern Umdenken

Hochseiltruppe im Circus Krone. Ihr artistisches Können ist Tierschützern Attraktion genug.
Hochseiltruppe im Circus Krone. Ihr artistisches Können ist Tierschützern Attraktion genug.

Circus Krone hat in Landau mit Löwen, Tigern und Co. gastiert. Protestierende Tierschützer wurden beleidigt. Sie finden: Die Tiere werden als Attraktionen missbraucht.

Dass beim Circus Krone unter anderem Tiere im Rampenlicht stehen, hat in Landau vergangenes Wochenende wieder Tierschützer auf den Plan gerufen. Bei diesen haben insbesondere zwei RHEINPFALZ-Beiträge zum Thema Unmut ausgelöst.

Der Verein Schüler für Tiere, der die Mahnwache vor dem Zirkuseingang abgehalten hatte, setzt sich laut eigener Aussage dafür ein, „Kinder und Jugendliche für einen respektvollen Umgang mit Tieren und ihrer Mitwelt (zu) sensibilisieren“. Gerade junge Menschen würden schnell verstehen, dass Tiere kluge und leidensfähige Lebewesen seien, die beispielsweise Freude oder Angst empfänden. Der Verein verwahrt sich gegen die Bezeichnung als „fanatische Tierrechtler“, wie es das „Aktionsbündnis Tiere gehören zum Circus“ in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Dominik Geißler im Vorfeld des Gastspiels formuliert hatte. Beleidigungen bekamen die vor Ort Protestierenden laut Vereinsvorsitzender Sabine Luppert auch von Zirkusbesuchenden zu hören, selbst im Beisein von deren eigenen Kindern.

Dompteur und Zirkuschef Martin Lacey bei einer Raubtier-Nummer.
Dompteur und Zirkuschef Martin Lacey bei einer Raubtier-Nummer.

Leute übel beleidigt

Auch der Literaturwissenschaftler und Tierethiker Björn Hayer von der Uni Landau meldet sich zu Wort. Er verurteilt das Verhalten scharf: „Menschen, die sich ehrenamtlich für das Wohlbefinden anderer Mitgeschöpfe einsetzen, sollte man weder militant noch fanatisch nennen. Sie handeln zunächst einmal aus Empathie heraus.“ Anzeigen wegen Beleidigung würden vermutlich im Sande verlaufen, deshalb habe der Verein davon abgesehen und fände es schade, wenn das gezeigte Verhalten das Niveau der Zirkusbesuchenden repräsentierte, so Luppert.

Es gehe den Tierschützern nicht darum, den Zirkus als Kulturgut anzutasten. Jedoch seien Spektakel mit exotischen Wildtieren antiquiert. Circus Krone zeige fantastische Artisten und Clowns, warum könne er nicht endlich tierleidfrei werden?, fragt der Verein und versichert, auch mit den eigenen Kindern vorbeizukommen, wenn diese Bedingungen erfüllt würden.

Es geht um Subjekte

Laut Hayer gibt es aus ethischer Sicht eine klare Antwort auf das Dilemma zwischen dem Unterhaltungswert von Zirkustieren und den Bedürfnissen letzterer. Die Verhaltens- und Kognitionsforschung habe mittlerweile belegt, wie ähnlich die meisten Wirbeltiere, wozu auch Löwen oder Tiger gehören, den Menschen seien. Statt mit Objekten habe man es mit Subjekten zu tun, die ein autonomes Leben führen wollen. Dass der Zirkus zur Arterhaltung weißer Löwen beitrage, ist laut Hayer wenig sinnvoll, wenn deren Entfaltungsspielraum eingeschränkt werde und die Tiere anschließend Verhaltensstörungen aufwiesen.

Schüler für Tiere kritisiert die mangelhafte Rechtslage zu Haltungsbedingungen von Zirkustieren und beruft sich dabei auf den Wildtierschutzverein Pro Wildlife. Während Zoos und Tierparks durch das sogenannte Säugetiergutachten strengere Haltungsvorgaben erfüllen müssten, gälten für die gleichen Tiere im Zirkus bisher nur Minimalanforderungen. Gerechtfertigt werde diese Sonderstellung des Zirkus mit Training und Auftritten der Tiere. „Das Tierschutzgesetz in Deutschland legt grundsätzlich fest, dass Tiere ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten werden müssen, und zwar so, dass keine Schmerzen, Leiden oder Schäden entstehen. Darüber hinaus gibt es in Deutschland keine rechtlich bindenden Vorgaben für die Haltung von Wildtieren in Zirkusbetrieben“, schreibt Pro Wildlife auf seiner Internetseite.

Als Attraktion missbraucht

Auf den Kommentar „Circus Krone: Tierschützer wären besser ins Zelt gegangen“ vom 24. Mai hat sich auch die Gruppe Landau Vegan gemeldet. In ihrer Stellungnahme bezeichnet sie Tierschutzbemühungen des Zirkus wie eine Nashorn-Patenschaft, einen eigenen Wildkatzenverein oder eine Senioren-Residenz für Elefanten als Greenwashing, also als bewusste Irreführung durch angebliche Umweltaussagen. Die Gruppe hinterfragt, inwiefern solche Maßnahmen ausgleichen können, „dass Tiere für Profit ausgebeutet und als Attraktion missbraucht werden“. Die Gruppe fordert ebenfalls die Zirkusbetreibenden auf, dem Beispiel anderer Zirkusse zu folgen und wildtierfrei zu arbeiten. Den im Kommentar gespannten Bogen zu nicht artgerechter Haustierhaltung sieht Landau Vegan als Ablenkung vom eigentlichen Thema und Relativierung. „Dass es vielen Haustieren schlecht geht, steht außer Frage und ist aufs Schärfste zu verurteilen. Aber das ist völlig am Thema vorbei und soll verschleiern, worum es den Tierschutz-Aktivistinnen konkret geht: dass Wildtiere nichts in der Manege verloren haben“, meinen sie. Dass diese Wildtiere stattdessen in die Natur zu ihren Artgenossen gehören, daran gibt es für die Gruppe keinen Zweifel.

Hayer wundert sich, dass eine Stadt mit einem grünen Bürgermeister – Lukas Hartmann ist unter anderem für Umwelt und Naturschutz sowie Ordnungsfragen zuständig – im Gegensatz zu anderen Kommunen nicht die Zeichen der Zeit erkannt habe und nicht versuche, Auftritte von Zirkussen mit Wildtieren zu verhindern.

Tierschutz wird überprüft

Auf Nachfrage der RHEINPFALZ teilt die Stadt Landau mit, Oberbürgermeister Dominik Geißler habe die Sachlage angesichts der jüngsten Debatte noch einmal geprüft. Bei der derzeitigen Rechtslage sei jedoch davon auszugehen, dass von der Stadt abgelehnte Zirkusse sich die Gastspielerlaubnis einklagen könnten, ordnungsbehördliche Verbote seien gar nicht erst möglich. Die Einhaltung der Tierschutzrechte werde bei allen Zirkusgastspielen engmaschig durch das örtliche Veterinäramt überwacht. Sehr ähnlich klang die städtische Position zu der Debatte bereits 2016.

x