Grundschule Contwig
Umzug der Contwiger Grundschule nach Stambach: VG-Rat hebt Eilentscheidung auf
Vor sechs Wochen hatten die Fraktionssprecher im Verbandsgemeinderat und die Verbandsgemeindespitze entschieden, das sanierungsbedürftige Gebäude in Contwig aufzugeben und stattdessen in Stambach anzubauen. Die Verbandsgemeindespitzen entschieden auch, dass die Schüler bereits nach den Sommerferien komplett in Stambach unterrichtet werden, vorübergehend in Containern. Diese Entscheidung musste schnell getroffen werden, um möglichst nach den Ferien startklar zu sein. Die Sitzungen fielen wegen der Corona-Krise aber aus. Deshalb fiel die Entscheidung im kleinen Kreis. Es war nicht notwendig, dass der Verbandsgemeinderat sie bestätigt, aber Contwig fühlte sich hier vor vollendete Tatsachen gestellt, weshalb der Rat am Donnerstag darüber diskutierte.
Contwig hat einige Fragen zum Gebäude und zum Verkehr
Für die Gemeinde „besteht bezüglich dieses Beschlusses ein großer Klärungsbedarf über die Art und Weise der Umsetzung“, heißt es in einem Brief von Bürgermeister Karlheinz Bärmann an die Verbandsgemeinde, den er am Donnerstag auch vorlas. Offen sei, was mit dem Gebäude in Contwig passiert, ob die Gemeinde es bekommt und unter welchen Bedingungen, wie der Schülertransport von täglich 180 Kindern aus Contwig nach Stambach organisiert wird, und was das erhöhte Verkehrsaufkommen für Felsacker- und Schulstraße bedeutet. Und das „sind nur wenige Fragen, die ich in den Raum stelle“.
Bärmann und Wagner glauben nicht, dass hier Eile geboten war
Bärmann erinnerte auch daran, das die Gemeinde seit einem Jahr oberhalb der Contwiger Grundschule einen neuen Kindergarten baut. Beim Spatenstich habe jeder das „Top-Gelände“ gelobt, das die Gemeinde viel Geld gekostet habe und wo die Kinder ohne Eingewöhnungsphase vom Kindergarten in die erste Klasse wechseln könnten. Bärmann kritisierte, dass die Entscheidung für einen kompletten Umzug nach Stambach als Eilentscheidung getroffen wurde, obwohl noch „so viele Zahlen“ ausstünden. Außerdem sei zwar bei den Containern Eile geboten gewesen, aber nicht bei der Frage nach dem künftigen Standort. Deshalb bat er den Rat, die Containerlösung beizubehalten, aber die Eilentscheidung für einen Anbau in Stambach aufzuheben.
Das tat der Rat nach einiger Diskussion dann auch gegen die Stimmen der beiden Hornbacher FDPler Reiner Hohn und Tino Weber. Der CDU-Sprecher und künftige Verbandsbürgermeister Björn Bernhard sagte, dass man sich einig war. Auch er habe die Entscheidung Ende März mitgetragen, und er halte einen einzigen Standort nach wie vor für die richtige Lösung. Es sei aber durchaus sinnvoll, das Thema noch mal im Rat zu besprechen. Man müsse sich auch das Gebäude in Stambach und die Infrastruktur in Contwig ansehen und dies in die Entscheidung mit einbeziehen. Auch der Grünen-Sprecher Fred Konrad möchte nur noch einen Schulstandort, hielt aber „das Ansinnen der Gemeinde für durchaus sinnvoll“. FDP-Sprecher Volker Schmitt verwies darauf, dass auch die Genehmigungsbehörde zustimmen muss und später auch die Ortsgemeinde gehört wird: „Das entscheiden nicht wir alleine.“
Nicht dass es heißt, „die haben was gemauschelt im Hinterzimmer“
SPD-Sprecher Achim Scherer sprach sich für „so viel Transparenz wie möglich“ aus. Er habe keine Probleme, die Entscheidung aufzuheben und zu verschieben. So sah es auch Klaus Martin Weber (CDU), „damit keiner auf die Idee kommt, die haben was gemauschelt im Hinterzimmer“. Martina Wagner (CDU) fand, dass „Eilentscheidungen in letzter Zeit sehr locker gehandhabt werden“, und glaubte, dass dies in dem Fall einer rechtliche Prüfung nicht standhalten würde. UWG-Sprecher Bern Kipp ist ebenfalls für einen einzigen Standort, aber man solle die Entscheidung noch mal prüfen. Franz Marterer (CDU) war der Meinung, man könne den Beschluss „immer wieder neu fassen“.
Reiner Hohn ist „ein bisschen irritiert“
Gegenwind kam vor allem vom Hornbacher Bürgermeister Reiner Hohn, der „ein bisschen irritiert“ war: „Die Entscheidung trifft der Verbandsgemeinderat, nicht der Ortsgemeinderat Contwig.“ Wenn es um die Grundschulgebäude in Hornbach und Althornbach geht, würden diese beiden Orte auch nicht gefragt. Ähnlich sah es Tino Weber: Man habe sich mit der Entscheidung, nach Stambach umzuziehen, doch „sehr wohl gefühlt“.
Die Contwiger Grundschule ist seit einem Dreivierteljahr ein Thema, weil ein zusätzlicher Klassenraum im Keller wegen Schimmelbefalls nicht genutzt werden kann und das Contwiger Gebäude seit November sicherheitshalber gesperrt ist. Laut einer ersten Studie würde die Sanierung im Keller 320 000 Euro kosten, eine anschließende Generalsanierung noch mal zwei Millionen Euro. Den Anbau in Stambach veranschlagt das Zweibrücker Architekturbüro Grub mit 1,4 Millionen Euro. Die Zwischenlösung mit Containern für drei Klassen soll 130 000 Euro kosten.