Contwig
Schimmel in Contwiger Grundschule: Einfach aufgraben und trockenlegen geht nicht
Die Contwiger Grundschule ist seit November geschlossen, weil im Keller Schimmelsporen gefunden wurden. Schon zuvor konnte deshalb ein umgebauter Raum im Keller nicht genutzt werden, und Teile des Kellers wurden abgesperrt, so dass sie nicht mehr zugänglich waren. Die Verbandsgemeinde hat einen Gutachter beauftragt, um zu schauen, wie man Herr des Problems werden kann. 100 000 Euro sind vorsorglich für weitere Sanierungsarbeiten im Haushalt eingestellt. Die gute Nachricht aus dem Gutachten: „Luftanalysen ergaben in den Unterrichtsräumen im Erdgeschoss und im Unterrichtsraum im Untergeschoss keine Auffälligkeiten.“ Die Ergebnisse der Raumluftanalysen in den Räumen, in denen die Kinder unterrichtet werden sollten, seien normal. Weder im Erdgeschoss noch im neuen Unterrichtsraum im Keller habe er feuchte Wände oder Böden gefunden, schreibt der Sachverständige Horst Schmid aus Trippstadt.
„Sehr schlimm sah es unter der Treppe aus“
Anders sieht es mit den gesperrten Abstellräumen im Keller aus: „Zusammenfassend ist festzustellen, dass Boden und Wände im Untergeschoss durch Wasser aus dem Erdreich durchfeuchtet sind. Schimmelbefall zeichnet sich in den abgeschotteten Bereichen ab.“ Böden und Wände seien dort teilweise nass bis sehr nass gewesen. Der Gutachter fand zudem Wasserränder, Verfärbungen und Korrosion, und er schreibt: „Sehr schlimm sah es unter der Treppe aus. Hier waren die stärksten Durchfeuchtungen vorhaben.“ Die Luftanalyse habe eine starke Belastung mit Formaldehyd ergeben, und es seien Schimmelpilze erkennbar.
Die Schäden deuteten darauf hin, dass das Gebäude aus den 50er Jahren keine Dränage habe oder diese nicht mehr funktioniere. Deshalb werde es nicht nur nass vom feuchten Boden, sondern auch durch Stauwasser. Dafür reichten die Maßnahmen, die beim Bau vor fast 70 Jahren ergriffen wurden, nicht aus. Der Gutachter kommt zu dem Schluss, dass die Schule zunächst einmal abgedichtet und trockengelegt werden muss. Das sei „Voraussetzung für eine nachhaltige Schimmelsanierung“ – unabhängig davon, ob man den Schimmel beseitigen oder einfach nur die befallenen Bereiche abgesperrt lassen möchte.
An manche Außenwände kommt man gar nicht ran
Für die Abdichtung nennt der Gutachter drei Möglichkeiten, von denen er vor allem eine in Erwägung zieht. Das Gebäude von außen abzudichten sei nur schwer möglich , da es nur teilunterkellert sei. Das heißt: An manche Außenwände des Kellers kommt man kaum ran, weil man dann unter Teilen des Erdgeschosses graben müsste. Deshalb sei es auch wirtschaftlich nicht vertretbar, das Gebäude ringsum mit einer Dränage zu versehen. „Eine Außenabdichtung erscheint aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht umsetzbar beziehungsweise vertretbar. Daher kommt zur nachträglichen Abdichtung eine Innenabdichtung in Frage“, heißt es in dem Gutachten.
Innenabdichtung bedeutet: In den Keller selbst wird eine Art Wanne gebaut, die die Kellerwände nach innen hin abdichtet. Diese Wanne muss durchgängig sein, deshalb müssen alle Innenwände, die an die Außenwände anschließen, etwa 20 Zentimeter abgetrennt und später wieder angebunden werden. Weil die Kellerwände hierbei nicht nach außen hin abgedichtet werden, bleiben sie feucht. Dass das irgendwann Probleme mit der Standfestigkeit gibt, glaubt der Gutachter nicht, empfiehlt jedoch, dies zu überprüfen.
100 000 Euro stehen im Haushalt, geschätzt wird es dreimal so teuer
Für diese Innensanierung, die der Gutachter empfiehlt, rechnet er grob mit Kosten von mindestens 270 000 Euro. Dazu kommen die Kosten, um die Innenwände neu anzuschließen, für die Leitungen, die an den Außenwänden entfernt und neu angebracht werden müssten, und für die Planung. Der vorhandene Schimmel werde bei diesen Arbeiten quasi nebenher entfernt.
Als dritte Möglichkeit nennt Gutachter Schmid Injektionen. Hierbei würden durch die Wände Materialien in die Erde gespritzt, die dann aushärten und so eine Sperre gegen das Wasser bilden. Schmid empfiehlt aber die Innenabdichtung als „sinnvollste Lösung“. Er empfiehlt auch, danach den Schimmel in den Kellernebenräumen zu beseitigen. Blieben sie einfach abgesperrt, hätte das zur Folge, „dass das Untergeschoss zwar trocken, aber dennoch nicht nutbar wäre, weil die mit Schimmelpilz belasteten Materialien im Gebäude verbleiben würden“. In diesem Fall wären Injektionen sinnvoll.
Sanierung, Anbau, Container – wie es weitergeht, ist offen
Wie es weitergeht, ist offen. Die Verbandsgemeinde hat das Zweibrücker Architekturbüro Grub ins Boot geholt. Die sollen näher planen und genauere Kosten ermitteln. Danach soll sich der Verbandsgemeinderat mit dem Thema befassen. Einen Termin für die nächste Sitzung gibt es noch nicht. So einfach und günstig, wie zunächst erhofft, wird es nicht: Die 100 000 Euro im Haushalt waren dafür gedacht, außen aufzugraben und die Mauern trockenzulegen. Doch zum einen rät der Gutachter von dieser Variante ab, zum anderen ist die Summe, die im Gutachten genannt wird, schon dreimal so hoch wie der Haushaltsansatz.
Büroleiter Karl-Heinz Brügel sagte gestern auf Nachfrage, dass es verschiedene Möglichkeiten gebe, wie es nun weitergeht. Er könne sich Vieles vorstellen, sagte er – von einer Sanierung in Contwig über einen Anbau in Stambach bis hin zu einer Containerlösung, die aber nur vorübergehend in Frage käme.
Die Contwiger Grundschule hat zwei Gebäude, das gesperrte in Contwig und eins in Stambach. Da dort aber nicht genug Platz ist für alle neun Klassen, werden die beiden dritten Klassen bis zum Schuljahresende an der Gesamtschule (IGS) in Contwig unterrichtet. Einen neuen Zeitplan gibt es laut dem Büroleiter noch nicht.