Grundschule Contwig
Grundschul-Vater ärgert sich über Bürgermeister, nachdem Umzug nach Stambach auf Eis liegt
Dass Bürgermeister Karlheinz Bärmann die Contwiger Grundschule lieber weiter an zwei Standorten hätte und den Verbandsgemeinderat gebeten hat, den bereits beschlossenen Anbau in Stambach noch mal zu überdenken, das erstaunt Markus Heinrichs. Er ist Schulelternsprecher, schreibt in einer Stellungnahme vom Samstag aber: „Ich schreibe dies ausdrücklich als Vater eines Kindes dieser Schule und als Bürger von Contwig und nicht als Schulelternsprecher.“
Der Verbandsgemeinderat hat die Pläne für einen Anbau in Stambach vorerst gestoppt
Weil die Contwiger Schule wegen Schimmels saniert werden muss und derzeit gesperrt ist, haben Verbandsgemeindespitze und die Fraktionssprecher im Verbandsgemeinderat Ende März eine Eilentscheidung getroffen, nachdem Rats- und Ausschusssitzungen wegen der Corona-Krise abgesagt wurden: Die Kinder werden vorübergehend in Stambach in Containern unterrichtet, das Gebäude in Contwig wird aufgegeben, und die Schule zieht komplett nach Stambach um, wo angebaut wird. Contwigs Bürgermeister Karlheinz Bärmann hatte den Verbandsgemeinderat am Donnerstag gebeten, die Entscheidung zu Umzug und Anbau noch mal zu überdenken und die Bedenken der Gemeinde Contwig zu hören. Bärmann sieht zu viele offene Fragen, unter anderem zu den Kosten und zur Verkehrsbelastung in Stambach. Der Verbandsgemeinderat nahm diesen Teil der Eilentscheidung daraufhin bei zwei Gegenstimmen zurück.
Markus Heinrichs, der auch Sachverständiger für Brandschutz ist, hält das für falsch: „Nachweislich seit Jahrzehnten gibt es im Schulhaus Contwig bereits Probleme mit Feuchtigkeit, Schimmel und anderen Baumängeln.“ Er sei froh gewesen über die Entscheidung von Ende März: „Nun hat sich endlich nach monatelangen Streitereien, Beschuldigungen, Stellungnahmen irgendwie beteiligter Architekten in öffentlichen Medien, nach Diskussionen, nachdem Freundschaften in die Brüche gingen und Emotionen hochkochten, eine Lösung mit der Schule, den Behörden und dem Verbandsgemeinderat ergeben, die für alle tragbar ist.“ Dies, nachdem ein staatlich anerkannter Prüfsachverständiger und ein von der Verbandsgemeinde beauftragtes Ingenieurbüro zu dem Schluss kamen, „dass es in dem Gebäude massive Schäden gibt“.
„Hunderttausende in diese marode Hütte gesteckt“
Diese seien nicht für 300 000 Euro zu beheben: „Dadurch, das in der Vergangenheit immer wieder nur diese falschen Zahlen, die sich aber gut anhören, genannt wurden und sich niemand die Mühe gemacht hat, hier eine richtige Bestandsaufnahme zu machen, wurden in den vergangenen Jahren Hunderttausende Euros in diese marode Hütte gesteckt.“
Heinrichs ärgert sich über den Vorstoß von Bürgermeister Karlheinz Bärmann: „Und nun, da plötzlich eigentlich alles geklärt ist, meldet sich Herr Bärmann zu Wort.“ Er könne verstehen, dass ein Bürgermeister nachfragen muss, wenn ein Schulstandort geändert wird. „Ich kann aber nicht verstehen, wenn man wider besseres Wissen, und das setze ich bei einem Mann, der ja eigentlich vom Fach ist, voraus, hier jetzt einen kaputten Standort auf Biegen und Brechen sanieren will.“ Ihm sei völlig gleich, ob in Stambach angebaut oder eventuell auch in Contwig neu gebaut wird, aber „für die genannten 300 000 Euro wird gar nichts funktionieren“.
Zwei Standorte seien ein Riesenaufwand für die Schule und die Lehrer, es koste Geld, und für die Kinder sei es auch nicht das Beste – „nirgends können sie Fuß fassen“. Zwei Standorte seien „völlig unsinnig“, und es sei „schlimm genug, dass unsere Kinder nun schon seit Monaten hin- und hergeschoben werden“.
Zu behaupten, dass wegen nur 300 000 Euro der Schulstandort in Frage gestellt werde, erschrecke ihn. Selbst wenn die Contwiger Schule für knapp zweieinhalb Millionen Euro komplett saniert wird, „habe ich immer noch ein altes Gebäude, das in Zukunft einfach zu klein ist“. Entgegen Bärmanns Aussage sei hier auch nichts übers Knie gebrochen worden: „Seit August 2019 zieht sich diese Sache ja schon.“
„Sanieren wir doch die alte Hütte, versenken noch mehr Geld“, schreibt Heinrichs ironisch. Er erwähnt auch den Baustopp beim Neubau des Kindergartens oberhalb der Grundschule, wo sich herausgestellt hat, dass das Dach undicht ist. „Man kann sich hier nur noch an den Kopf fassen. Die Verantwortlichen, die es noch nicht einmal hinbekommen, eine anständige Bauleitung und Überwachung beim Neubau zu machen, sollen dann nun wieder einmal versuchen, die Schule zu flicken.“
Heinrichs ist vor einigen Wochen aus der CDU ausgetreten
Er sei vor einigen Wochen aus der CDU ausgetreten, schreibt Heinrichs. Einen Teil seiner Gründe erläutere er mit seiner Stellungnahme: „Dieses Verhalten, das eigene politische Wohl über das Wohl der Allgemeinheit, die diese ganzen Sachen zahlen muss, zu stellen, das Geschachere, Geplänkel und Gemache schon auf dieser kleinen Gemeindeebene ist für mich ein Albtraum.“