Massweiler
Die Tierauffangstation schafft mehr Platz für Puma Tikam, Serval Kiano und die Waschbären
Puma Tikam war erst wenige Monate alt, als er vor zwei Jahren im Februar zu Tierart kam. Derzeit lebt er noch quasi Gittertür an Gittertür mit vier Tigern in der Großkatzenanlage der Station, die der Verein Tierart gemeinsam mit der Tierschutzorganisation Vier Pfoten auf einem ehemaligen Militärgelände betreibt. Demnächst soll er aber in sein eigenes Gehege umgesiedelt werden. Die Arbeiten an der Anlage stehen vor dem Abschluss, wie die stellvertretende Betriebsleiterin Eva Lindenschmidt berichtet.
Ebenfalls fast fertig ist das Gehege für Kiano, der im vergangenen Jahr nach Maßweiler kam. Kiano ist ein männlicher Serval, eine afrikanische Wildkatzenart. Derzeit wohnt er noch übergangsweise im Luchsgehege, das auf dem Gelände für verletzte Luchse aus dem Ansiedlungsprojekt für die Katzenart im Pfälzerwald bereitgehalten wird. Auch hier stehen die Arbeiten laut Lindenschmidt kurz vor dem Abschluss.
Waschbären dürfen nicht mehr ausgewildert werden
Die bei den Besuchern sehr beliebten Waschbären – derzeit leben 38 Exemplare bei Tierart – bekommen mehr Platz. Die sechs bestehenden Gehege sollen demnächst schrittweise renoviert werden, außerdem sei ein neues, rund 400 Quadratmeter großes Gehege geplant, berichtet Lindenschmidt. Zusätzlich wurde ein Gebäude für die Waschbären umgebaut, das zu den Zeiten des US-Militärs eine Heizungsanlage beherbergte. „Das Innengehege ist fertig, die Außenanlage folgt bald“, so Lindenschmidt. Im Innern des umgebauten Gebäudes – es steht in unmittelbarer Nähe der bestehenden Waschbärenanlage – leben seit Ende 2020 bereits sechs junge Waschbären. Durch die Erweiterung der Anlagen für Waschbären soll aber die Gesamtanzahl dieser eigentlich in Deutschland nicht heimischen Tierart nicht wesentlich nach oben geschraubt werden. Auch wenn das ohne Probleme möglich wäre. Allein im vergangenen Jahr erreichten Tierart laut Lindenschmidt rund 350 Anfragen aus ganz Deutschland nach Plätzen für Waschbären. Seit 2016 dürfen die Tiere nicht mehr ausgewildert werden. „Wir müssen die Bären dann behalten“, so Lindenschmidt. Und der Platz sei – auch bei Tierart – begrenzt und soll sich bei 40 Exemplaren einpendeln. Mit dem größeren Platzangebot sollen die einzelnen Waschbär-Gruppen verkleinert werden.
Ebenfalls saniert werden soll das Gehege für die Wildkatzen. Diese sind bei Tierart keine Dauergäste, zwar werden jedes Jahr Wildkatzen aufgenommen, diese werden dann aber immer wieder in die Freiheit entlassen. „Im Pfälzerwald, in der Eifel und im Hunsrück sind diese Tiere weit verbreitet“, erklärt Lindenschmidt, würden aber immer wieder mit Hauskatzen verwechselt. Die vorübergehenden Gäste in Maßweiler stammen daher oft aus Rheinland-Pfalz, es sind aber auch immer wieder Samtpfoten aus Bayern und Baden-Württemberg dabei.
Stelle rund um Tourismus und Marketing schaffen
Auch beim Personal bei Tierart soll sich 2021 etwas tun. In Planung sei eine Stelle rund um Tourismus und Marketing der Anlage – um das Angebot von Tierart noch bekannter zu machen. Wann allerdings wieder Besucher kommen dürfen, ist noch offen. Lindenschmidt ist vorsichtig: „Eine Öffnung liegt in weiter Ferne.“ Konkrete Pläne gebe es noch keine, dazu müsse erst die Entwicklung rund um die Pandemie abgewartet werden. Seit Mitte Oktober, noch vor dem damals beschlossenen Lockdown light, ist die Tierauffangstation für Besucher geschlossen. Nur wenige Wochen zuvor war auf der Anlage die Ausstellung „Tiere im Krieg“ in der Bunkeranlage eröffnet worden. Auf rund 900 Quadratmeter verteilen sich Schautafeln, Exponate, Installationen und Schaukästen, die davon berichten, wie durch den Menschen Tiere in Kriegen zum Einsatz kamen – meist mit grausamen Folgen für die Tiere. Zudem wird die bewegte Geschichte der Anlage erzählt. „Wir arbeiten derzeit am Konzept für eine Erweiterung der Ausstellung“, so Lindenschmidt.
