Rheinland-Pfalz
Puma in Maßweiler: Nie wieder Wildnis
In Tschechien gekauft und als Haustier gehalten, von Behörden beschlagnahmt - Raubkatze kann nicht ausgewildert werden
Große, dunkle Augen. Flauschige Ohren. Dicke Tatzen. Süß ist Tikam. Und gar nicht ohne. Schon mit fünf Monaten fährt er seine Krallen aus. Springt Menschen an den Oberschenkel. Sein Jagdtrieb erwacht. Noch attackiert Tikam seine Pfleger spielerisch, aber weh tut es trotzdem. Christopher Nunheim rollt seinen Ärmel hoch. „Hier“, sagt er und zeigt auf verschorfte Linien an seiner Hand. „Es ist schon Blut geflossen.“ Pumas sind Raubtiere, die Menschen töten können. Seinen Besitzer hat das nicht gestört. Er hatte Tikam in Tschechien gekauft. War über die Grenze zu einer Züchterin gefahren. „Er wurde seiner Mutter weggenommen und mit der Flasche aufgezogen, um ihn an Menschen zu gewöhnen“, weiß Nunheim. Er war dabei, als Tikam von seinem Besitzer nach Maßweiler gebracht wurde. Es ist nicht illegal, einen Puma, Löwen oder Tiger zu kaufen. Es gibt nur Vorschriften zur Haltung. Der erwachsene Tikam hätte in einem Außengehege leben müssen. Das konnte sein Besitzer nicht erfüllen. Impf- und Passpapiere stimmen zudem nicht. Das Veterinäramt entschied: Tikam muss weg.
Außengehege geplant
Jetzt sind die Pfleger in der Auffangstation des Vereins „Tierart“ in Maßweiler die Geschwister des Pumas im Kleinkindalter. Und seine Mama. So gut sie es können. „Tikam, Fell pflegen“, sagt Nunheim und krault ihn, streicht Strohhalme aus dem gefleckten, dunkelbraunen Fell. Tikam reagiert sofort, will raufen. „Nein, lass die Krallen drin.“ „Tikam“ hieß ein Indianerhäuptling. Der Name heißt: „Bergkatze, die zum Sprung ansetzt.“ Ein Kilo Fleisch frisst Tikam jeden Tag – Mäuse, Rind und Pferd. „Wir füttern ihn mit einer langen Pinzette“, sagt sein Pfleger. Danach kann Tikam sich wieder mit seinem geschmeidigen Katzengang austoben, den schmalen Körper strecken und dehnen – und soll es sogar. „Wie beim Menschen ist Bewegung gut für die Verdauung.“ Tikams Käfig ist ein paar Quadratmeter groß. Darin eine Empore, eine Wärmelampe und Äste, an denen er sich die Krallen schärft. Der Puma wird in Maßweiler bleiben. Für ihn soll ein Außengehege angelegt werden. Tikam wird niemals in der Wildnis in Süd- oder Nordamerika leben können. „Wir können ihm nicht beibringen, wie man jagt, oder dass er von Klapperschlangen lieber die Tatzen lässt“, sagt Nunheim. „Er ist außerdem an Menschen gewöhnt und würde abgeschossen werden.“
Unüberlegte Anschaffung
Tikam bleibt also in der Zivilisation. Nunheim und seine Helfer versuchen deshalb, ihn zu erziehen. So gut das bei einer Katze eben funktioniert. Er soll reagieren, wenn jemand seinen Namen ruft und seinen Pflegern vertrauen. Das macht es einfacher, Raubkatzen anzulocken. Zum Beispiel, wenn ein Tierarzt kommt, um ihm durch die Gitterstäbe eine Spritze zu geben und ihn zu impfen. Dann muss Tikam nicht betäubt werden. Schon bald wird niemand mehr zu Tikam in den Käfig gehen können. Dass er sich ein heranwachsendes Raubtier zulegen würde, das 20 Jahre lebt, habe sein Besitzer nicht begriffen, vermutet Nunheim. „Es war vermutlich eine spontane Entscheidung, sich einen Puma zu kaufen.“ 2300 Euro kostete das Baby. Exotisch sei das wohl gewesen, aufregend, ein solches Tier zu besitzen. Dort lebte Tikam in einer Wohnung. „Menschen sollen gesehen haben, wie er an einer Leine spazieren geführt wurde.“ Doch der Vermieterin wurde es zu bunt und sie entschied: Der Puma muss raus aus der Wohnung. „Der Besitzer trauert ihm aber noch hinterher“, erzählen die Pfleger, „und sagt, dass Tikam bei ihm besser aufgehoben wäre“. Immerhin ist der Puma auch nicht einsamer als in der Wildnis: männliche, erwachsene Tiere sind Einzelgänger. Christopher Nunheim würde sich wünschen, dass die Gesetze zum Erwerb von Raubtieren strenger werden. „Tikams Käufer hätte sich auch für einen Löwen oder Tiger entscheiden können, das ist in Deutschland erlaubt.“ Doch selbst wenn die Vorschriften zur Haltung erfüllt würden, sei die Pflege der Tiere nicht zu unterschätzen, die Futterkosten hoch. Und: „Man kann ja nicht einfach einen Tierarzt rufen.“
Info
Die Wildtierauffangstation „Tierart“ in Maßweiler (Kreis Südwestpfalz) ist für interessierte Besucher jedes Jahr von Karfreitag bis zum letzten Sonntag im Oktober geöffnet. In dieser Zeit findet jeden Samstag, Sonntag und Feiertag jeweils um 11 Uhr eine Führung statt.