Massweiler
Tiere als Soldaten und Waffen: Neue Ausstellung in der Tierauffangstation (mit Bilderstrecke)
„The Cave“ – zu deutsch: Die Höhle – steht in dicken Lettern über dem Eingang zur Bunkeranlage. „Cavemen“, also Höhlenmenschen, nannten sich die US-Soldaten, die in der Anlage während des Kalten Krieges Dienst taten. In der Ausstellung geht es aber keinesfalls um prähistorische Menschen, das Schicksal von Tieren im Krieg steht im Zentrum.
Auf rund 900 Quadratmeter verteilen sich Schautafeln, Exponate, Installationen und Schaukästen. Vor allem Hunde und Pferde wurden in der Vergangenheit von Menschen in Kriegen eingesetzt. Zum einen als Lastentiere (Pferde), aber auch als Waffe gegen Panzer (Hunde). Die Vierbeiner trugen Sprenggürtel, die mittels eines Hebels, den die Tiere dann selbst gegen die Unterseite von Fahrzeugen drückten, ausgelöst wurden.
Hunde als Waffen
Für Florian Eiserlo ist der Nachbau eines solchen Gürtels mit das schockierendeste Ausstellungsstück. Eiserlo ist Betriebsleiter der Anlage, am Freitag schlüpfte er in die Rolle des Tourguides, betreute die erste Gruppe von Besuchern, erläuterte das Konzept der Ausstellung, und mahnte am Ende auch, all der Tiere zu gedenken, die im Laufe der Menschheitsgeschichte während kriegerischer Auseinandersetzungen den Tod fanden.
Zudem wird immer die Geschichte der Anlage miterzählt und zu Geschehnissen in der Weltgeschichte ins Verhältnis gesetzt. Die Anfänge 1936 als Teil der Westwall-Anlage der Nationalsozialisten, dann die Nutzung durch das US-Militär bis in die 1990er Jahre. Nuklear-Sprengköpfe waren in der insgesamt rund 5000 Quadratmeter großen Bunkeranlage gelagert, so ist es auf einer der Schautafeln nachzulesen. 1999 betrat dann der Verein Tierart die Bühne und brachte eine vollkommen andere Nutzung des Geländes auf den Weg. Ein Weg, der gut 20 Jahre später – vor allem nach dem Einstieg von Vier Pfoten – noch lange nicht fertig beschritten scheint.
Carsten Hertwig, der Geschäftsführer der Gemeinnützigen Gesellschaft (aus dem Verein Tierart und der Tierschutzorganisation Vier Pfoten), die das Gelände betreibt, blickte ins Jahr 2011 zurück, als er zum ersten Mal die Anlage betrat. Damals sei er „positiv beeindruckt“ gewesen, habe aber auch die Herausforderungen gesehen. Die Kooperation des Vereins Tierart mit Vier Pfoten sei „super geworden“. Im Laufe der Jahre habe Vier Pfoten rund 4,5 Millionen Euro investiert.
„Bisschen wie Jurassic Park“
Stephanie Fähnrich hat mit ihrem Team die Ausstellung konzipiert. Sie erinnerte sich ebenfalls an ihren ersten Besuch auf der Anlage, den Betriebsleiter Eiserlo mit den Worten „Es ist hier so ein bisschen wie bei ,Jurassic Park’“ eröffnet habe – und damit bei Fähnrich ins Schwarze traf. „Das ist mein Lieblingsfilm“, sagte sie. Und wie bei einem Film müssten auch bei einer Ausstellung vor allem drei Dinge stimmen: Drehbuch, Setting und Crew. All das habe hier in Maßweiler wunderbar gepasst.
Verbandsbürgermeister Thomas Peifer begrüßte das Engagement von Tierart und Vier Pfoten in der Region ausdrücklich und unterstrich auch die Bedeutung der Anlage für den Tourismus. „Die Führungen hier sind immer ausgebucht“, sagte Peifer der RHEINPFALZ. Der Rundgang über die Außenanlage, auf der Tiger, Waschbären und andere Wildtiere leben, heißt nun zusammen mit der Führung durch die Bunker „Tiere in Krieg und Frieden“.
In einem Raum wird gegen Ende der Ausstellung im Bunker auch deutlich, dass Tiere auch heute noch immer unter Krieg und den brutalen Folgen zu leiden haben. „Tiere werden bei Kriegen oft vergessen“, hatte Gerhard Dick, Mitglied im Vorstand von Vier Pfoten, eingangs der Führung gesagt. Er hofft, dass die Ausstellung mehr zum Verständnis für die schwierige Situation von Tieren im Krieg beiträgt und nannte – nur ein paar – Einsatzorte von Helfern von Vier Pfoten für Tiere in Krisengebieten: Aleppo, Gaza, Bagdad und Mossul.
Info