Annweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Vom Klinik-Klotz zu grünem Gesundheitscampus: Das plant der Investor

So sieht das 9000 Quadratmeter große Klinikareal von oben aus.
So sieht das 9000 Quadratmeter große Klinikareal von oben aus.

Grüne Terrassen, Seniorenwohnungen und ein Hotel: Aus dem verkauften Klinikum Annweiler soll ein Gesundheitszentrum werden. Der neue Komplex: 2,5-mal größer als bisher.

Vor zwei Jahren schloss das Klinikum in Annweiler seine Türen – ein schmerzlicher Einschnitt nach fast 550 Jahren Krankenhaustradition in der Trifelsstadt. Nun soll das große Gebäudeensemble am Rande der historischen Altstadt eine Renaissance erleben: als modernes Gesundheitsquartier. Ein Investor hat das Anwesen samt Gebäuden gekauft und schon kräftig Pläne geschmiedet.

Umbau statt Abriss ist angesagt: mit Materialien und Farben, die in die Region passen.
Umbau statt Abriss ist angesagt: mit Materialien und Farben, die in die Region passen.

Damit er seine Vision umsetzen kann, ist nämlich einiges an Umgestaltung vonnöten. Das Bild vom massiven Klinikklotz soll bald der Vergangenheit angehören. Ein aufgelockerter Gebäudekomplex mit viel Grün soll das Gelände im Herzen Annweilers prägen. Und das, obwohl das neue Gesundheitszentrum sage und schreibe 2,5-mal so groß wie das heutige Klinikgebäude werden soll. Das zumindest sieht die Bauplanung vor. Wie kann das gelingen?

Ein ganzer Campus für Gesundheit und Pflege

„Für uns in Annweiler ist das Projekt ein Riesengeschenk“, sagt Stadtbürgermeisterin Carmen Winter, nachdem nach zwei Jahren Leerstand nun ein passender Käufer gefunden worden ist. Der Annweilerer Standort war Teil des Klinikums Landau–Südliche Weinstraße, das je zur Hälfte in der Hand der Stadt und des Landkreises ist. Nach der Schließung 2023 sollte das Areal nicht brachfallen. Deswegen entschied der Aufsichtsrat, das Gelände zu verkaufen – allerdings nicht an den Meistbietenden, sondern an den Investor mit dem überzeugendsten Konzept. Wichtigster Aspekt war im Bieterwettbewerb daher, neue Gesundheitsangebote zu schaffen, um die medizinische Versorgung vor Ort zu sichern.

Und dafür hat der Medical Wellness Verband als Projektentwickler des Käufers eine bunte Mischung vorgesehen:

barrierefreie Wohnungen für Senioren und Menschen mit Behinderung und Betreuungsangebot Tagespflege und ambulante Dienste bei Bedarf eine Demenzstation eine geriatrische und ambulante Reha Dienstwohnungen für Pflegekräfte ein Gesundheitshotel mit Akademie für Fortbildung, auch für internationalen Patiententourismus ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ), in dem auch die chirurgische Praxis von Dr. Steuer – künftig unter dem Dach des Asklepios MVZ – erhalten bleiben soll Kita Ladenzeile mit Café

Stadtrat hat Vorhaben grünes Licht gegeben

Für die dafür nötigen baulichen Veränderungen hat der Stadtrat bereits grünes Licht gegeben. Aktuell ist der neue Bebauungsplan „Gesundheitszentrum“ in der Offenlage und soll wohl in der übernächsten Stadtratssitzung auf den Weg gebracht werden, so Bürgermeisterin Winter zum Zeithorizont. „Die haben Visionen und planen tolle neue Gewerbeansiedlungen und Gebäudeumbauten. Wir sind guter Dinge, dass alles klappt.“ Aber was genau wird sich am Erscheinungsbild des Klinikums verändern? Eines wird aus den Unterlagen schon mal deutlich: Die Tage des Patientengartens sind gezählt.

Seit zwei Jahren steht das Klinikgebäude weitgehend leer. Der neue Investor plant Umbau statt Abriss. So dürfte dieser spektakul
Seit zwei Jahren steht das Klinikgebäude weitgehend leer. Der neue Investor plant Umbau statt Abriss. So dürfte dieser spektakuläre Trifels-Ausblick aus den oberen Stockwerken erhalten bleiben.

Das Klinikareal an der Georg-Staab-Straße besteht bislang aus einem drei- und vierstöckigen Gebäudekomplex mit nüchternen Fassaden und langen Baufluchten. Rundherum: asphaltierte Zufahrten, Stellplätze und stellenweise Grün. Das neue Konzept setzt auf Umbau statt Abriss.

Begrünte Terrassen statt massiger Klinikklotz

Das knapp 8000 Quadratmeter große Klinikgebäude soll im Kern erhalten bleiben, aber umfassend saniert und erweitert werden. Denn, so heißt es vom Planungsbüro Stadt + Umwelt aus Karlsruhe: „Zur Umsetzung des geplanten Raumkonzepts ist eine Grundrissfläche von mindestens 20.000 Quadratmetern erforderlich.“ Dafür soll der Hauptkörper auf bis zu fünf Vollgeschosse aufgestockt und insgesamt verlängert werden. Damit er nicht wie ein wuchtiger Klotz wirkt, sollen die oberen Etagen zurückspringen – so entsteht ein gestaffelter Bau mit Dachterrassen, die begrünt werden sollen. Dadurch wirkt das Gebäude leichter und luftiger.

So soll das Klinik-Areal noch der Umgestaltung aussehen.
So soll das Klinik-Areal noch der Umgestaltung aussehen.

Auch die Fassade verändert sich grundlegend: Wo heute graue Klinikarchitektur dominiert, soll künftig eine einheitliche Gestaltung das Erscheinungsbild prägen, mit Materialien und Farben, die zur Region passen. Einen „hohen Wiedererkennungswert“, der die Identität des Ortes stärke, versprechen die Planer.

Neuer Gebäudekomplex 2,5-mal größer als altes Klinikgebäude

Von dem insgesamt 9000 Quadratmeter großen Bebauungsplan-Gelände, zu dem auch die Rettungswache, das DRK-Heim und zwei Wohnhäuser in der Georg-Staab-Straße gehören, sind aktuell knapp 3000 Quadratmeter mit Gebäuden belegt. Künftig soll mehr als das Doppelte – rund 6800 Quadratmeter – bebaut sein. Der Rest ist für Parkplätze – wobei auch eine Tiefgarage angedacht ist – und Grünflächen vorgesehen. Und dafür gibt es ein klares Credo: Nachhaltigkeit.

Nüchterne Fassade: Sie kennt man das Klinikum Annweiler. Küntig sollen hier begrünte Terrassen das Erscheinungsbild prägen.
Nüchterne Fassade: Sie kennt man das Klinikum Annweiler. Küntig sollen hier begrünte Terrassen das Erscheinungsbild prägen.

„Unser Ziel ist die Umsetzung einer energieeffizienten und umweltfreundlichen Bauweise. Dies umfasst die Nutzung erneuerbarer Energien und die Integration von Grünflächen“, verspricht das Planungsbüro. Überall soll der Blick auf grüne Wände und Dächer fallen. Im Bebauungsplan sind über 4500 Quadratmeter bepflanzte Dächer und 1550 Quadratmeter begrünte Fassadenfläche an den Neubauten festgesetzt. Zudem sollen Photovoltaikanlagen auf den Dächern gebaut werden.

Ade Patientengarten: Das ist als Ersatz geplant

Dagegen wird das Grün am Boden etwas weniger. Der heutige Patientengarten und andere bepflanzte Flächen werden überbaut. Im Gegenzug sind neue Grünflächen vorgesehen, auf denen Bäume, Hecken und Sträucher emporwachsen sollen. Was es dagegen nicht geben wird, sind Schottergärten und Kunstrasen.

Parkplätze soll es auch weiterhin geben, aber auch eine Tiefgarage ist angedacht.
Parkplätze soll es auch weiterhin geben, aber auch eine Tiefgarage ist angedacht.

„Die neue Gebäudegestaltung schafft Räume, die von der Gemeinschaft genutzt werden können“, kündigen die Planer an. Öffentliche Plätze, Sitzgelegenheiten und Grünflächen sollen zum Verweilen und zur Begegnung einladen.

Zeitplan: Eröffnung des Gesundheitszentrums 2028

Im kommenden Jahr soll der Bau beginnen, zwei Jahre Bauzeit sind eingeplant. „Wenn alles nach Plan läuft, kann 2028 Eröffnung gefeiert werden“, sagt Lutz Lungwitz, Vorsitzender des Deutschen Medical Wellness Verbands, der für den Investor das Konzept entwickelt.

Der Patientengarten bei seiner Eröffnung 2012. Inzwischen ist das Grün auf den Flächen angewachsen.
Der Patientengarten bei seiner Eröffnung 2012. Inzwischen ist das Grün auf den Flächen angewachsen.
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