Annweiler
Geschlossenes Krankenhaus: Investor will Gesundheitszentrum bauen
Als vor ziemlich genau zwei Jahren der Krankenhausstandort des Klinikums Landau-SÜW in Annweiler geschlossen wurde, war das das Ende einer rund 550 Jahre alten Kliniktradition in der Trifelsstadt. Das Klinikum und die Kommunen hatten die Schließung damals unter anderem mit einer chronischen Unterfinanzierung und Fachkräftemangel begründet.
Doch nun soll das Gesundheitswesen in Annweiler wieder für positive Schlagzeilen sorgen. Am Dienstag haben Landrat Dietmar Seefeldt (CDU) und Klinikum-Geschäftsführer Guido Gehendges in einem Pressegespräch mit der RHEINPFALZ mitgeteilt, dass ein Investor das ehemalige Krankenhausareal gekauft hat und dort ein Gesundheitszentrum errichten möchte. Das knapp 8000 Quadratmeter große Gebäude soll zu einem Großteil saniert, also erhalten werden.
Kita, Café, Rettungswache
In der Einrichtung sind demnach Wohnungen für Senioren und Menschen mit Behinderung geplant, auch eine Tagespflege ist unter anderem angedacht. Des Weiteren sollen eine geriatrische (altersmedizinische) und eine ambulante Reha in dem Zentrum untergebracht werden. Die Liste ist noch nicht zu Ende. Darauf stehen beispielsweise auch noch eine Kita, ein DRK-Vereinsheim, eine Rettungswache, eine Ladenzeile mit Café sowie Dienstwohnungen für das Betreuungspersonal.
Der gesamte Komplex in Annweiler gehört dem Klinikum, das jeweils hälftig von der Stadt Landau und dem Landkreis Südliche Weinstraße getragen wird. Es gibt Standorte in Landau und Bad Bergzabern. Laut Seefeldt hat der Aufsichtsrat des Klinikums entschieden, wer das Areal kaufen darf. In dem Verfahren sei aber eine Jury eingesetzt worden, besetzt mit Vertretern aus Annweiler. Der Aufsichtsrat habe sich dem einstimmigen Votum der Jury angeschlossen, sich für den jetzigen Investor zu entscheiden.
Wer ist der Käufer?
Wer dieser Investor ist und wie viel er für das Grundstück samt Gebäude bezahlt hat, dazu wollte sich Gehendges auf Nachfrage nicht äußern. Der Käufer wolle erst in die Öffentlichkeit gehen, wenn der Bebauungsplan in trockenen Tüchern sei, also rechtssicher mit dem Projekt begonnen werden könne. Bezüglich des Kaufpreises sagte Gehendges, dieser sei für das Klinikum zufriedenstellend.
Mit dem Käufer gebe es einen notariellen Kaufvertrag, betonte Seefeldt. Dieser sei an Bedingungen geknüpft. Entscheidend sei, dass der Stadtrat Annweiler den Bebauungsplan für das Gesundheitszentrum beschließt. Die Sitzung ist am Mittwoch. Annweilers Stadtbürgermeisterin Carmen Winter (CDU) ist sehr zuversichtlich, dass der Rat zustimmen wird. „Für uns in Annweiler ist das Projekt ein Riesengeschenk“, sagte sie. Ähnlich äußerte sich Verbandsbürgermeister Christian Burkhart (CDU). Es sei ein markantes Areal, das Projekt werde die Stadt prägen.
Eröffnung 2028 geplant
Zugeschaltet aus Berlin war Lutz Lunkwitz, Vorsitzender des Deutschen Medical-Wellnes-Verbands, der als Berater in das Verfahren eingebunden ist. Er betonte, der Investor stehe zu dem Projekt, komme aus der Medizinbranche. Es habe auch schon Gespräche gegeben mit Mietinteressenten. So bestehe großes Interesse daran, jene Ärzte, die aktuell in dem Gebäude unter anderem in einer Hausarztpraxis tätig sind, am Standort zu halten. Lunkwitz sagte, laufe alles nach Plan, rechne er damit, dass im ersten Quartal nächsten Jahres mit dem Um- und Neubau begonnen werden könne. Die Bauzeit werde rund zwei Jahre betragen, sodass 2028 Eröffnung gefeiert werden könne.
Das Klinikum Landau-SÜW stand erst vor wenigen Wochen im Fokus, als die Stadt und der Landkreis verkündeten, das kommunale Krankenhaus strebe eine Fusion mit dem kirchlich getragenen Vinzentius-Krankenhaus in Landau an. Um das seit 2024 rote Zahlen schreibende Klinikum zu stabilisieren und den angestrebten Fusionsprozess abzusichern, hatten Stadt- und Kreistag zugestimmt, dass die beiden Kommunen jeweils vier Millionen Euro an das Klinikum überweisen. Ein Beraterunternehmen ist nun damit beauftragt, mit einem Gutachten unter anderem Szenarien für die mögliche Fusion zu entwickeln.
Hat der Verkauf des ehemaligen Klinikstandorts in Annweiler Einfluss auf die angestrebte Fusion? „Nein“, betonte Seefeldt bei dem Pressegespräch, der dabei deutlich machte, dass es intensiver Gespräche und guter Planung bedurft habe, nun diese Lösung für Annweiler nur zwei Jahre nach der Schließung präsentieren zu können. Das durch den Verkauf des ehemaligen Krankenhauses eingenommene Geld tue dem Klinikum aber sicher gut.
