Annweiler
Ehemaliges Krankenhaus: Zukunft der Praxis Dr. Steuer geklärt
Vor rund zwei Jahren wurde der Krankenhausstandort des Klinikums Landau-Südliche Weinstraße in Annweiler geschlossen. Verkauft wurde der Gebäudekomplex in der Georg-Staab-Straße vor Kurzem an einen Investor. Der will erst dann an die Öffentlichkeit gehen, wenn der Bebauungsplan in trockenen Tüchern ist. Das ehemalige Krankenhaus soll zu einem Gesundheitszentrum ausgebaut werden, das voraussichtlich 2028 eröffnet wird. Angedacht sind unter anderem Wohnungen für Senioren und Menschen mit Behinderungen, eine geriatrische (altersmedizinische) und eine ambulante Reha, eine DRK-Rettungswache und eine Ladenzeile mit Café.
Keine Belegbetten in Kandel und Germersheim
Im Gegensatz zum Bebauungsplan ist schon jetzt in trockenen Tüchern, wie es mit der chirurgischen Praxis von Alfred Steuer im Erdgeschoss des Hauses weitergehen wird. „Ab kommenden Dienstag, 1. Juli, übernimmt das Asklepios medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Rheinland-Pfalz die Praxis von Dr. Alfred Steuer“, teilt der Geschäftsführer der Asklepios MVZ Rheinland-Pfalz GmbH, Frank Lambert, mit. Die GmbH betreibt dann in Kandel, Germersheim und Annweiler insgesamt fünf medizinische Versorgungszentren unterschiedlicher Fachrichtungen.
Die Praxis Steuer in Annweiler besteht seit 1995 auf rund 150 Quadratmetern. Bis zur Schließung des Krankenhauses hatte der Facharzt auch fünf Belegbetten im Haus. „Für meine Patienten ändert sich nichts, auch die Sprechstunden finden wie gewohnt statt“, erklärt der Chirurg im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Ambulante Operationen führe er nach wie vor in seiner Praxis durch, seine letzte Operation in Landau habe er am vergangenen Dienstag durchgeführt, sagt Steuer. In der Asklepios-Klinik werde er wegen der Entfernung keine Belegbetten haben und derzeit auch keine Operationen durchführen, so Steuer.
Alfred Steuer visiert die Rente an
„Ich freue mich sehr, dass der Fortbestand der chirurgischen Praxis in Annweiler sichergestellt ist. Auch das bewährte Praxisteam bleibt vollständig erhalten, sodass die Patienten weiterhin auf vertraute Ansprechpartner und eingespielte Abläufe zählen können“, sagt der Chirurg. Die Übernahme bedeute für ihn, dass das Asklepios MVZ als Rechtsnachfolger die Praxis mit allen Kosten übernehme und er ein Gehalt beziehe. „Ich werde jetzt 66 Jahre alt und habe derzeit nicht vor, viel länger als drei Jahre weiterzuarbeiten“, so Steuer. Die Praxis werde auch während des geplanten Umbaus weiterlaufen.
„Dr. Alfred Steuer steht seinen Patienten weiterhin zur Verfügung, auch als Durchgangsarzt für Arbeits-, Schul- und Wegeunfälle“, teilt der Geschäftsführer der MVZ der Asklepios-Klinik, Frank Lambert, mit. Damit bleibe die wichtige unfallchirurgische Erstversorgung in der Region gesichert. „Wir freuen uns sehr darüber, unser MVZ um diese chirurgische Praxis erweitern zu können. Dies stellt für uns eine sinnvolle Erweiterung unseres Leistungsspektrums dar“, erklärt Lambert. Asklepios hat an den Standorten Kandel und Germersheim medizinische Versorgungszentren für Kardiologie, Urologie, Gastroenterologie und Neurologie sowie Psychiatrie.
Klinikum Landau-SÜW möchte kein medizinisches Versorgungszentrum
Warum hat das Klinikum Landau-Südliche Weinstraße die Praxis Steuer nicht übernommen, ist die Frage der RHEINPFALZ an den Kreis. „Das Klinikum konnte die Praxis Steuer nicht als MVZ übernehmen, weil es kein MVZ als Tochtergesellschaft betreibt“, teilt die Pressestelle der Kreisverwaltung mit. Ein MVZ sei aber die formale Grundlage, damit eine Klinik eine solche Praxis betreiben könne. „Im Zuge der Übernahme seiner Praxis wird Dr. Steuer die ambulant-operative Tätigkeit beim Klinikum Landau-Südliche Weinstraße einstellen.“
Und warum betreibt das Klinikum kein MVZ, ein wohl derzeit sehr lukratives Geschäftsmodell? „Das Klinikum Landau-Südliche Weinstraße konzentriert sich auf die stationäre und ambulante Krankenhausversorgung und arbeitet sehr gut mit den ambulanten niedergelassenen Praxen zusammen“, lautet die Antwort der Pressestelle der Kreisverwaltung.