Annweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Klinikum wird geschlossen: Wie geht es für Patienten und Mitarbeiter weiter?

Von den 73 Betten im Annweilerer Krankenhaus war in den letzten Jahren nur etwa die Hälfte belegt.
Von den 73 Betten im Annweilerer Krankenhaus war in den letzten Jahren nur etwa die Hälfte belegt.

Das Ende des Klinikums Annweiler naht. Stadt und Landkreis sind zu dem Schluss gekommen, dass es das Beste für den Bestand des Verbundkrankenhauses Landau – SÜW ist, den kleinsten der drei Standorte dicht zu machen. Wie geht es jetzt für Patienten und Mitarbeiter weiter?

Seit einer Weile rumort es schon in der Gerüchteküche. Nun haben die Verantwortlichen auf Anfrage der RHEINPFALZ die Bombe platzen lassen: Das Klinikum in Annweiler wird geschlossen. Vorbehaltlich der Entscheidung der Gremien. Aber das dürfte eine Pro-Forma-Sache sein, machen sich die Beteiligten doch schon seit 2015 konkrete Gedanken über die Strukturveränderung beim Klinikum Landau – Südliche Weinstraße. Gesellschafter sind jeweils hälftig die Stadt und der Landkreis.

Das kommunale Krankenhaus hat drei Standorte: Landau, Bad Bergzabern und als kleinsten Annweiler. Und dieser sei schon immer wackelig gewesen, erklärt Landrat Dietmar Seefeldt, stellvertretender Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des Klinikums. Schon vor der Fusion der drei Kliniken 2004 sei die Geburtenstation geschlossen worden. Seit 2019 darf es in Annweiler keine Notaufnahme mehr geben, weil das Klinikum weder über eine Intensivstation noch über einen CT verfügt und keine chirurgische Hauptabteilung hat. Sprich: Rettungswagen mit Blaulicht fahren bereits jetzt nur Landau und Bad Bergzabern an. So habe sich die Präsenz des Klinikums in der Öffentlichkeit schon deutlich reduziert. In den vergangenen drei Jahren habe die durchschnittliche Belegung bei 37 Patienten gelegen. Dabei gibt es doppelt so viele Planbetten – nämlich 73. Als Schwerpunktkrankenhaus für Geriatrie und Palliativmedizin waren die meisten Patienten älteren Jahrgangs.

Finanzieller Druck und hohe Auflagen

„Wir wissen, dass es ein sensibles Thema ist, und die Entscheidung fiel allen nicht leicht“, so Seefeldt. Aber es sei jetzt an der Zeit zu handeln. Überall in Deutschland gebe es Diskussionen über Schließungen und Insolvenzen, verdeutlicht Bürgermeister Maximilian Ingenthron, Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums. Die chronische Unterfinanzierung der Krankenhäuser, der stetig zunehmende Fachkräftemangel und die immer mehr werdenden Auflagen zu Hygiene, Brandschutz, Arbeitsschutz, Datenschutz, Medizinprodukten, Digitalisierung et cetera machten die Konzentration auf weniger Krankenhausstandorte zwingend, sind sich die Verantwortlichen einig, weshalb bereits seit acht Jahren hinter verschlossenen Türen ein Konzept für die Neuausrichtung des Verbundkrankenhauses beraten wird.

Denn die beiden kommunalen Gesellschafter wollen nicht erst in eine finanzielle Notlage und in Handlungszwang kommen. „Wir wollen nicht durch Insolvenzdruck getrieben sein. Wir treiben die Entwicklung aus eigenem Problembewusstsein voran und können sie so selbst gestalten“, sagt Ingenthron. Aktuell stehe das Verbundklinikum noch auf gesunden Füßen. „Aber auch künftig benötigen wir gute wirtschaftliche Ergebnisse, um die Kosten des laufenden Betriebs abzusichern und investitionsfähig zu bleiben“, erklärt Klinikum-Geschäftsführer Guido Gehendges. Die Verantwortlichen wollen die Schließung nicht separat sehen. Vielmehr sei ein Gesamtpaket geschnürt worden, durch das die beiden Standorte Landau und Bad Bergzabern gestärkt werden und somit der Gesamtbestand des Krankenhauses gesichert werden könne, wie Ingenthron unterstreicht. Was ist damit gemeint?

Medizinische Abteilungen werden verlegt

Erst einmal eine Beruhigung für alle besorgten Patienten: Die stationären Abteilungen Geriatrie, Innere Medizin, Palliativmedizin und Belegabteilung Chirurgie werden nicht gestrichen, sondern an die beiden anderen Standorte verlegt. Konkret sieht die Planung so aus, dass der Chefarzt der Klinik Annweiler, André Reck, mit seinem Ärzte- und Pflegeteam nach Bad Bergzabern geht. Dort gäbe es dann zwei statt bisher eine Abteilung für Innere Medizin. In diese integriert wäre ein dort neu geschaffener Geriatrie- und Palliativbereich. In Bad Bergzabern wurde das Bettenhaus 2015 mit finanzieller Unterstützung des Landes saniert und aufgestockt. Vorausschauend. Eine Etage mit 38 Betten, die während der Corona-Pandemie als Notkrankenhaus vorgehalten wurde, steht leer. Diese werde künftig für die Aufnahme der stationären Patienten aus Annweiler zur Verfügung stehen.

In Landau soll die Innere Medizin von zwei auf drei Chefarzt-Abteilungen aufgestockt werden. Auch dort soll ein neuer Geriatrie- und Palliativbereich entstehen. In einem zweiten Schritt ist geplant, in Landau eine hochspezialisierte Palliativstation mit acht Betten einzurichten. Für diese Umbauarbeiten muss erst Geld vom Land fließen. Man stehe aber seit Beginn der Diskussion im engen Kontakt mit dem Gesundheitsministerium, unterstreicht Seefeldt.

Aus Krankenhaus soll Gesundheitszentrum werden

Das bedeutet für die 87 Mitarbeiter: Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Es werden keine Stellen gestrichen. Die Mitarbeiter sollen auf die beiden anderen Standorte verteilt werden. „Wir sind uns bewusst, dass das für manchen, der vielleicht schon seit 30 Jahren in Annweiler arbeitet, nicht leicht ist“, sagt Seefeldt. „Aber wollen alle Mitarbeiter behalten. Wir brauchen sie“, betont Ingenthron. „Wir möchten sogar noch mehr einstellen“, ergänzt Gehendges. Der Betriebsrat sei von Anfang an in den Prozess eingebunden gewesen und trage ihn mit, berichtet der Landrat. Ab der nächsten Woche werde es Betriebsversammlungen an allen drei Klinikstandorten geben, um die Mitarbeiter zu informieren. Diese seien aktuell natürlich verunsichert, nachdem die bevorstehende Schließung immer mehr durchsickerte, weiß Gehendges. „Die Mitarbeiter ersehnen Klarheit. Wir wollen ihnen Ängste nehmen.“ Nachdem die Angelegenheit noch einmal eine Runde durch alle Gremien des Klinikums und der Kommunen gemacht hat, soll die endgültige Entscheidung Ende Juni mit Beschlüssen im Kreistag SÜW und im Stadtrat Landau getroffen werden. Weil alles noch im Abstimmungsprozess sei, könne noch kein genauer Schließungstermin genannt werden. Aber ab der Entscheidung werde es nicht mehr allzu lange bis zum Aus für Annweiler dauern.

Eine weitere Sorge wollen die Verantwortlichen den Patienten vor Ort nehmen: Die Partner – im Annweilerer Krankenhaus sind eine chirurgische, eine internistische und eine physiotherapeutische Praxis sowie ein Dialysezentrum untergebracht – können bleiben. Das werde vertraglich geregelt. „Wir möchten eine sinnvolle Anschlussnutzung für die Immobilie als Gesundheitszentrum finden“, macht Seefeldt deutlich. Dafür würden bereits Gespräche mit möglichen Investoren geführt, eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Dafür werde es einen Konzeptwettbewerb geben. Und die Auswahl solle im Einvernehmen mit der Stadt Annweiler getroffen werden. Das Klinikum will die Liegenschaft verkaufen, es werde aber zur Auflage gemacht, dass die bisherigen externen Gesundheitseinrichtungen erhalten bleiben. Darüber hinaus können sich die Verantwortlichen weitere Praxen, Kurzzeitpflege, Junge Pflege, Tagesbetreuung, Betreutes Wohnen oder Ähnliches vorstellen.

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