Jockgrim RHEINPFALZ Plus Artikel Neues Feuerwehrhaus: Den Rettern bleiben acht Minuten

Die Feuerwehr muss innerhalb von acht Minuten am Einsatzort sein. Unser Foto zeigt einen Brand in der Ludwigsstraße 2017.
Die Feuerwehr muss innerhalb von acht Minuten am Einsatzort sein. Unser Foto zeigt einen Brand in der Ludwigsstraße 2017.

Wo wird das neue Feuerwehrhaus gebaut? Diese Frage beschäftigt die Jockgrimer Verwaltung und Ratsgremien schon Jahre. Standortvorschläge wurden kontrovers diskutiert, Bürger protestierten. Aber wo wollen eigentlich die Wehrleute ihr neues Domizil?

Das „Wo“ hat für Stefan Reis, Wehrleiter in der Verbandsgemeinde Jockgrim, nicht Priorität. Wichtig sei, dass so schnell wie möglich ein Gebäude mit moderner Technik im Ort steht. Denn das Feuerwehrhaus in der Schillerstraße sei ein „Riesenproblem“. Es hat Risse, Schäden und Fenster, die sich nicht mehr öffnen lassen. Aber vor allem sei es viel zu klein und viel zu eng. Die Leute müssten sich an den Fahrzeugen durchdrücken. Eine klare Trennung von Halle und Umkleide gebe es nicht: „Wir ziehen uns hinter den Fahrzeugen um“, ergänzt Wehrführer Jens Kiekebusch. Bei Einsätzen, in denen jede Sekunde zählt und es hochhergeht, ist die Raumnot nicht nur hinderlich, sondern gefährlich. Wenn Autos angeschafft werden, müsse man Abstriche machen, weil einige Modelle nicht durchs Tor passen. Das Einsatzgerät wird sozusagen dem Haus angepasst.

Dass es so nicht weitergehen kann, wissen Karl Dieter Wünstel und die Entscheider in den Ratsgremien. „Es ist Not am Mann“, sagt der Verbandsbürgermeister (CDU). Die Frage nach dem „Wo“ treibt ihn um. Die Alternativen an freien Flächen bremsen jedoch aus: „Wir sind an die Möglichkeiten gebunden, die wir haben.“ Ein Anbau in der Schillerstraße scheidet aus Platzgründen aus. Seit 2019 wurden 13 Grundstücke ins Auge gefasst und größtenteils verworfen. 2021 sprachen sich der Verbands- und Ortsgemeinderat dafür aus, das neue Haus an der Hatzenbühler Straße – laut Wünstel ein Vorschlag aus Reihen der Feuerwehr – zu bauen. Die Waldfläche gehört dem Forst. Es formierte sich Widerstand: Bürger und Umweltschützer von BUND und Nabu protestierten, weil dort rund 6500 Quadratmeter Wald gerodet werden müssten. Ein Bürgerbegehren scheiterte aus inhaltlichen und formellen Gründen. Der Forst wolle dem Vorhaben „mit Gemeinwohlcharakter nicht im Wege stehen“, zitiert Wünstel. Der Forst sei zum Verkauf bereit, allerdings nur wenn „es keine ökologisch weniger wertvolle Fläche“ gibt. Es war sozusagen der Auftrag nochmal Optionen zu prüfen und zu bewerten. Die untere und obere Naturschutzbehörde bei Kreisverwaltung und Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd in Neustadt (SGD) sind mit im Boot und haben selbst Vorschläge unterbreitet.

Ausfahrt auf Kreisstraße wird schwierig

Nun sind noch – oder wieder – mehrere Standorte im Spiel: das Wäldchen an der Hatzenbühler Straße, eine Fläche zwischen Aldi-Markt und Verlängerung der Buchstraße sowie ein Gelände beim Edeka-Markt, nahe des Vereinsheims der Obst- und Gartenbauer (OGV). Die Flächen bei den Einkaufsmärkten gehören der Gemeinde. Diese drei Standorte sollen in einem Monitoring forst- und naturschutzrechtlich bewertet werden. Das hat der VG-Rat im Dezember beschlossen. Eine vierte, private Fläche beim Aldi soll „gegebenenfalls auch ins Monitoring aufgenommen werden“, so Wünstel.

Im Januar gab es ein Gespräch mit dem LBM. Der Landesbetrieb Mobilität habe signalisiert, dass der Standort am Edeka aus seiner Sicht „nicht zu realisieren“ sei, berichtet Wünstel. Problematisch wäre unter anderem die Ausfahrt auf die Kreisstraße mit Radweg. Damit sei diese Option „weitestgehend aus dem Rennen“. Den Rat hat Wünstel vergangene Woche darüber informiert. Den Edeka-Standort hatte der OGV-Kreisverband kritisiert und sich für einen Neubau im Ortsinnern ausgesprochen. Aus Sicht der Feuerwehr wäre dieser vom Einsatzablauf ohnehin am ungünstigsten gelegen.

Ohne Eingriff in die Natur wird es kaum gehen

Von den 13 Optionsflächen lagen einige – wie der Schelmenwaldplatz oder der Bürgerplatz – im Ortskern. Am Bürgerplatz dürfe aufgrund eines Urheberrechts des Architekten allerdings nichts verändert werden, so Wünstel. Die vier übriggebliebenen Flächen sind in Ortsrandlage, teilweise in geschützten Gebieten. „Wir müssen irgendwo in die Natur“, sagt der Bürgermeister. „Ich habe den Eindruck, dass wir nicht darüber diskutieren, wo wollen wir hin, sondern wo ist das aus ökologischen Gesichtspunkten gerade noch möglich.“

Das Monitoring soll bis mindestens August gehen. Um möglichst wenig Zeit zu verlieren, arbeitet die Verwaltung parallel dazu an einem Variantenvergleich hinsichtlich „Eingriffserheblichkeit, Landschaftsbild, Topografie, Bebaubarkeit, Zuwegung et cetera“. Trotzdem verzögert sich der Bau des neuen Hauses weiter. Das kritisierte die SPD-Fraktion im Ortsgemeinderat Jockgrim im Nachgang zur Dezember-Sitzung und forderte in einer Stellungnahme unter anderem „die Einbeziehung der örtlichen Feuerwehr sowie Transparenz im Planungsprozess“. Das ganze Verfahren sei ein Rückschritt, sagt Fraktionsvorsitzender Julian Martin. „Jetzt geht alles von vorne los.“ Als vor mehr als anderthalb Jahren über die Hatzenbühler Straße abgestimmt wurde, habe sich das seitens der Verwaltung so angehört, „als kriegen wir das hin“. Es gehe immer mehr Zeit flöten. Einen bevorzugten Standort hat die SPD-Fraktion erstmal nicht: „Wir orientieren uns nach den Stimmen der Feuerwehr.“

In acht Minuten am Brandort

Auf einen Standort-Favoriten wollen sich Jens Kiekebusch und Stefan Reis nicht festlegen. „Auf gewisse Art fangen wir jetzt wieder vorne an“, sagt der Wehrleiter. Sie schaffen mit der Verwaltung „zusammen, nicht gegeneinander“, ergänzt der Wehrführer. Für die Wehr seien die Standorte in erster Linie von der Einsatzgrundzeit (EGZ) her zu bewerten. Heißt: Sie muss innerhalb von acht Minuten nach der Alarmierung am Brandort sein. Bei allen am Ortsrand sei diese EGZ zu händeln, aber „grenzwertig“, sagt Stefan Reis. Wäre die Standortsuche ein Wunschkonzert, hätten die Floriansjünger, so Wehrführer Jens Kiekebusch, gern „ein Haus, das auf dem Stand der heutigen Technik ist, im Idealfall mitten im Ort, mit kurzen Anfahrtswegen von allen Seiten.“

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