Wörth / Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Arbeitsplätze: Regionalplaner machen Weg für Gewerbegebiete frei

Neues Gewerbegebiet möglich: Für dieses Gelände zwischen Maximiliansau (im Hintergrund) und der L540 von Wörth nach Hagenbach ha
Neues Gewerbegebiet möglich: Für dieses Gelände zwischen Maximiliansau (im Hintergrund) und der L540 von Wörth nach Hagenbach haben die Regionalplaner den Weg frei gemacht.

Wörth und Kandel bekommen mehr potenzielle Gewerbeflächen an der A65. Die Planer reden vom Filetstück bei Maximiliansau. Die Stadt hat derzeit aber keinen Appetit darauf.

Seit August gibt es im Kreis Germersheim zwei neue Flächen, auf denen Gewerbegebiete eingerichtet werden können: insgesamt 42 Hektar. Davon liegen 32 Hektar auf der Gemarkung der Stadt Wörth. Und zwar links der A65 Richtung Landau, zwischen der Pfortzer Straße in Maximiliansau und der L540 von Wörth Richtung Hagenbach. Im Süden wird die Fläche begrenzt vom Wirtschaftsweg, der am Bahnübergang in die Straße „Staudenäcker“ einmündet. Heute wird dort überwiegend Mais angebaut. Weitere 10 Hektar bekommt die Verbandsgemeinde Kandel. Die Fläche befindet sich im Dreieck zwischen der A65 und der L554 von der Abfahrt Kandel-Nord Richtung Steinweiler und reicht dort an den Waldrand.

Der erste Vorstoß in Richtung der neuen Gewerbegebiete erfolgte im November 2019: Angeführt vom damaligen Wörther Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD) wollten die Stadt Wörth sowie die Verbandsgemeinden Hagenbach und Kandel gemeinsam große Flächen vor allem für mittelständische Unternehmen anbieten. Das Vorhaben war groß: Das interkommunale Gewerbegebiet, das Wörth, Kandel und Hagenbach gemeinsam entwickeln wollten, war mit 140 Hektar Bruttofläche fast so groß wie das 120 Hektar große Wörther Industriegebiet. Brutto bedeutet, dass die Zahl auch den Platz enthält, der für Straßen und Grünanlagen gebraucht wird. Das Gebiet war in zwei Flächen geteilt: eine bei Wörth/Hagenbach (100 Hektar), eine bei Kandel (40 Hektar).

Vorwurf der Schieflage

Das Vorhaben stand im krassen Widerspruch zu den Vorgaben des Regionalen Raumordnungsplans. Es wäre auch größer gewesen als der Bedarf an Gewerbeflächen, den eine Studie für den gesamten Kreis Germersheim ermittelt hatte: bis 2030 100 Hektar beziehungsweise 140 Hektar inklusive Logistikflächen. Zog man die damals noch freien Flächen ab, blieben 65 Hektar plus 40 Hektar für Logistik – verteilt auf den ganzen Kreis. Insgesamt gab es damals im Kreis Germersheim rund 1180 Hektar Gewerbe- und Industrieflächen. Zwei Drittel liegen in den Städten Germersheim und Wörth.

Kein Wunder, dass angesichts dieser Dimensionen das „Interkommunale Gewerbegebiet“ Wörth/Kandel/Hagenbach bei den Regionalplanern auf wenig Gegenliebe stieß. Aus der Angelegenheit wurde nach zwei Jahren ein Grundsatzstreit. Die südpfälzischen Bürgermeister warfen 2021 dem Regionalverband vor, er befinde sich in einer Schieflage: Es gebe „ein massives Übergewicht der badischen Seite“, der Verband sei zu sehr auf Mannheim/Ludwigshafen zentriert. Allerdings zeichnete sich schon damals ab, dass der Regionalverband den Kommunen entgegenkommt. Anlass war die Fortschreibung des Raumordnungsplans. Darin waren für Wörth zwei Flächen vorgesehen. Die eine umfasst 40 Hektar im Oberwald zwischen dem Daimler-Werk und der Teststrecke; dort plant Daimler ein neues Logistikcenter als Teil des Transformationsprozesses im ganzen Werk. Die zweite umfasst 30 Hektar südlich der A65 im Bereich Maximiliansau.

32 Hektar großes „Vorranggebiet“

Danach wurde es ruhig um das Projekt. 2020 war schon die Verbandsgemeinde Hagenbach aus dem Projekt mit seinen Nachbargemeinden ausgestiegen: Eine Mehrheit aus CDU und Teilen der SPD befürchtete Verkehrsprobleme, wollte für die künftige Entwicklung das Thema „Wohnen“ in den Vordergrund stellen.

Die weitere Entwicklung verlief eher im Hintergrund. Unter anderem versuchte die Stadt Wörth mit einem Zielabweichungsverfahren bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion die Regionalplanung zu umgehen. Zumindest teilweise mit Erfolg: 15 der beantragten 30 Hektar bekam sie auf diesem Weg zugestanden.

Parallel waren die Regionalplaner mit der Überarbeitung ihrer Vorgaben aus dem Jahr 2014 beschäftigt. Die Änderungen wurden im August 2025 rechtskräftig. In der Fortschreibung enthalten: das 32 Hektar große „Vorranggebiet für Gewerbe und Dienstleistung“ bei Maximiliansau. „Wir haben in einem mehrjährigen Prozess bedarfsorientiert Gewerbeflächen zur Verfügung gestellt“, sagt Petra Schelkmann, Leitende Direktorin des Regionalverbandes. Die Fläche bei Maximiliansau könne zwar nicht direkt an die A65 angebunden werden, die Erschließung müsse über die L540 am westlichen Rand erfolgen. Aber es gebe einen Stadtbahnanschluss. „Das ist ein regionales Filetstück, das bestmöglich genutzt werden sollte“, so Schelkmann. Denkbar seien beispielsweise auch Forschungseinrichtungen, gerade an der Grenze zu Maximiliansau, schlägt Regionalplaner Michael Wirth vor.

Planer sehen Erweiterungsmöglichkeiten

Ob diese Möglichkeiten genutzt werden, wird erst die Zukunft zeigen. „Die Stadt Wörth plant aktuell keine weiteren Maßnahmen zur Entwicklung des Interkommunalen Gewerbegebiets, daher sind auch keine Mittel in den Haushalt 2025/2026 eingestellt“, so die Stadtverwaltung. Die Kapazitäten und Ressourcen würden für die Entwicklung des Gewerbegebiets Oberwald II eingesetzt. „Dort können zeitnah Gewerbeflächen entwickelt werden, für die es bereits Interessenten gibt“, so die Stadtverwaltung weiter.

Konkret: Dort will das Daimler Lastwagenwerk seine Logistik auf grüne Beine stellen, diskutiert wurde auch ein Autohof. Damit dürfte das Flächenpotenzial in diesem Bereich allerdings weitgehend ausgereizt sein.

Für die 32 Hektar bei Maximiliansau sehen die Regionalplaner hingegen sogar noch Erweiterungsmöglichkeiten – für den Fall, dass Hagenbach sich wieder engagiert. Einen entsprechenden Vorschlag haben sie in den Plan aufgenommen. „Interkommunale Lösungen werden von uns immer unterstützt“, sagt Direktorin Schelkmann. Ein Ziel der Regionalplanung sei nämlich auch, Flächen zu konzentrieren, erläutert Planer Wirth. Soll bedeuten: Verstreute kleinere Flächen werden an einem qualitativ hochwertigeren Standort zusammengefasst.

Diesen Weg ist die Verbandsgemeinde Kandel gegangen. 10 Hektar groß ist das Gewerbegebiet, das die Verbandsgemeinde Kandel direkt am Autobahnanschluss Kandel-Nord entwickeln wird. Offenbar ist noch mehr drin, Verbandsbürgermeister Mike Schönlaub (SPD) spricht jedenfalls von einem „ersten Schritt“. Derzeit werde über eine Zweckvereinbarung beraten: „Alle Gemeinden sollen mit ins Boot.“ Denn die könnten ab jetzt „nur noch Eigenentwicklung im Dorf machen“, so Schönlaub: „Zum Beispiel, wenn der Elektriker, der schon da ist, eine neue Halle braucht.“ Wann werden an der A65 die ersten Hallen hochgezogen? Schönlaub will eigentlich keine Prognose wagen. Aber wenn alles schnell und optimal gehe, dann vielleicht in drei Jahren.

x