Landrats-kandidaten im Porträt RHEINPFALZ Plus Artikel Timo Jordan: SPD-Kandidat mit dem Blick von außen

Sieht sich selbst als Teamplayer, der „anpackt“: Timo Jordan.
Sieht sich selbst als Teamplayer, der »anpackt«: Timo Jordan.

Sollte Timo Jordan am 8. November zum Landrat gewählt werden, wäre er der erste Kreis-Chef mit Bundesliga-Erfahrung. Der 41-jährige SPD-Kandidat war nämlich schon beim Wasserballteam des SC Neustadt im Einsatz. Zwischen Sport, Beruf und Politik sieht er Parallelen.

„Von nichts kommt nichts“: Das sagt Timo Jordan nach kurzem Nachdenken, als er beim Termin auf der Terrasse seines Hauses in Haßloch gefragt wird, ob er so etwas wie ein Lebensmotto hat. Tatsächlich zeugt schon der Blick auf die Stationen seiner beruflichen Karriere von Ehrgeiz und Zielstrebigkeit.

Der gebürtige Wormser studiert Betriebswirtschaftslehre und arbeitet schon als „dualer Student“ und später als Personalreferent bei Heberger in Schifferstadt, bevor er 2006 zur Stadtverwaltung Worms wechselt. Dort ist er im Rahmen eines Modellprojekts als Beschäftigungsentwickler an einer Schnittstelle zwischen Sozialbereich und Wirtschaftsförderung tätig. Dabei berät der Diplom-Betriebswirt in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit kleine und mittlere Unternehmen, die selbst keine Personalabteilung haben.

Quereinsteiger in Verwaltung

Gerade mal 30 Jahre alt ist Jordan, als ihm die Stadt Worms die Geschäftsführung ihrer Arbeitsförderbetrieb gGmbH mit damals 60 Mitarbeitern überträgt. Benachteiligte Menschen, die nur schwer Jobs auf dem Arbeitsmarkt finden, bekommen hier die Möglichkeit, einer regulären Beschäftigung nachzugehen. 2013 übernimmt er als geschäftsführender Betriebsleiter den Integrations- und Dienstleistungsbetrieb der Stadt Worms. 2016 wechselt Jordan, der sich als „Quereinsteiger in der Verwaltung“ bezeichnet, zur Stadtverwaltung ins südhessische Lampertheim. Sein altertümlich klingender Titel „Magistratsdirektor“ steht in Hessen für den Hauptamtsleiter. Zuständig ist er dort für Einwohnerservice und zentrale Dienstleistungen. „Kein klassischer Beamtenjob“, findet Jordan. In Lampertheim sei es gelungen, mit einer modernen Verwaltung und einem Ausbau der Digitalisierung als „Bindeglied zwischen Politik, Verwaltung und den Bürgern“ wahrgenommen zu werden.

„Der Liebe wegen“ ist er 2015 nach Haßloch gezogen. Zur fünfköpfigen Familie gehören drei Kinder, zwei davon hat seine Frau mit in die Ehe gebracht.

Den Job als Kreis-Chef in Bad Dürkheim traut er sich aufgrund seiner Berufs- und Verwaltungserfahrung zu, wie er im Gespräch betont. Dass er nicht aus der Region stammt und seinen Bekanntheitsgrad im Kreis erst noch steigern muss, sieht Jordan nicht als Nachteil, sondern als Chance: „Ich bin bei Kreis-Themen unbelastet und habe den Blick von außen.“ Frische Ideen können sich seiner Ansicht nach auf diese Weise sogar besser entfalten. In jedes Thema könne man sich einarbeiten, betont er, und: „Wenn ich Landrat werde, dann werde ich sicherlich sehr viele Fragen stellen.“

Der 41-Jährige zieht Parallelen zu seiner Wasserball-Karriere, die einst bei Poseidon Worms begonnen hat. „Als ich in die Pfalz gekommen bin, habe ich mich gleich beim SC Neustadt engagiert. Mit viel Training habe ich es sogar als End-Dreißiger geschafft, auf einige Einsätze bei Bundesligaspielen zu kommen.“ Für Jordan ist das der Beleg dafür, „dass man mit Fleiß, Ausdauer und Willen viel erreichen kann“. Das gelte im Sport wie in der Politik. Ihm komme auch zugute, dass er im Mannschaftssport Wasserball gelernt habe, als „Teamplayer“ zu agieren. Deshalb könne er für sich in Anspruch nehmen, „kein klassischer Chef“ zu sein und als „kommunikativer Typ“ andere auch bei Entscheidungen einzubinden.

„Bürgeramt, kein Parteiamt“

„Zukunft anpacken“ heißt sein Wahlkampfslogan. Ist das nicht eine Plattitüde? Jordan widerspricht: „Ich will deutlich machen, dass ich keine Angst vor der Zukunft habe und dass es einen braucht, der die Ärmel hochkrempelt.“ Allerdings wird auf seinen Wahlplakaten das Logo der SPD fehlen. Warum? „Ich stelle das Bürgerwohl über das Parteiwohl.“ Natürlich werde das Erscheinungsbild der Plakate klar erkennen lassen, dass er der SPD-Kandidat ist, sagt Jordan. Aber er wolle demonstrieren, dass es sich bei der Position des Landrats um ein „Bürgeramt, kein Parteiamt“ handelt. Sollte er am 8. November gewinnen, wäre das Landrats-Amt „kein Sprungbrett in die Landes- oder Bundespolitik“.

Sich selbst verortet er in der SPD „nicht auf dem linken Flügel“ – das lege schon seine Biografie nahe. 2006 ist er in die Partei eingetreten, weil er in der SPD die „größte Schnittmenge“ mit seinen Ansichten gefunden hat. Jordan, der Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Worms-Pfeddersheim war, nimmt für sich in Anspruch, innerhalb der Partei auch einmal „unbequem“ zu sein.

In der Kommunalpolitik ist er hier noch nicht in Erscheinung getreten. Für die SPD stand er bei der Kreistagswahl 2019 auf einem eigentlich sicheren Listenplatz, „aber bei dem Wahlergebnis der SPD hat’s nicht gereicht“. In seinem Wohnort Haßloch ist er Aufsichtsratsmitglied in der Haßlocher Immobilien GmbH & Co. KG – die sich auch um das Thema „bezahlbarer Wohnraum“ kümmere, eines seiner zentralen Wahlkampfthemen.

„Weg vom Kirchturmdenken“

Er könne das Amt nicht neu erfinden, sagt Jordan, „aber die Wahrnehmung des Amtes will er verändern und einige Schwerpunkte anders setzen. „Wirtschaftsförderung und Tourismus müssen Chefsache sein“, betont er. Hier müsse man im Landkreis „weg vom Kirchturmdenken“ kommen und gemeinsame Konzepte erarbeiten. Der Kreis müsse als bereits attraktiver Standort zum Arbeiten und Wohnen weiterentwickelt werden. Denn diese Erfahrung hat er selbst gemacht, als er hierher gezogen ist: „Es ist ein Geschenk, hier wohnen zu dürfen, wo andere Urlaub machen.“

Aber im Landkreis sieht er auch „abgehängte Regionen“ wie das Lambrechter Tal, wo strukturelle Defizite, nachlassende Wirtschaftskraft, Landflucht und Arbeitslosigkeit zu einem „Pulverfass“ führen könnten. Den gerade begonnenen Breitbandausbau sieht er als gutes Beispiel, wie dem Tal neue Chancen eröffnet werden könnten. Die Menschen generell mehr einbinden: Das gelte bei Problemen mit dem Lkw-Durchgangsverkehr auf der B 271 ebenso wie bei der „etwas überdimensionierten“ Rehbachverlegung. Ein weiteres Schwerpunktthema seines Wahlkampfs sollen Klimaschutz und Energie sein: Hier plädiert er für einen Klimaschutzkoordinator, der kreisweit die Kommunen berät. Und kräftig investiert werden müsse in die technische Ausstattung der Schulen, um allen Kindern gleiche Bildungschancen zu geben.

Auch wenn die SPD bei derzeit nur 17 Prozent herumdümpelt, sieht der 41-Jährige eine Chance am 8. November. „Es ist eine Personenwahl, und viele Wähler wünschen sich auf Führungsplätzen jüngere Politiker.“ Ein Generationswechsel sei im Gange, das hätten die OB-Wahlen in Neustadt oder Speyer gezeigt.

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