Kreis Bad Dürkheim
Landratswahl: Pro und Contra B271 West
Während Herausforderer Timo Jordan die geplante West-Variante der B271 neu für falsch hält, bekennt sich Landrat Ihlenfeld zur Westumgehung. Jordan hat sich lange mit dem Thema beschäftigt, das „ungefähr so alt ist, wie ich selbst“. Der 41-Jährige weiß: „Wenn ein Thema so lange diskutiert wird, gibt es kaum mehr ein richtig oder falsch.“ Jordan ist bewusst, dass beispielsweise in Kirchheim niemand die Umgehung missen möchte.
Aber aus seiner Sicht werde mit Blick auf Herxheim am Berg und Kallstadt zu viel Landschaft zerschnitten. Außerdem stellt er die der Planung zugrundeliegenden Zahlen in Frage. „Das Hauptproblem ist doch der Schwerlastverkehr, der die stauanfälligen A6 und A61 umfährt. Wenn wir diesen illegalen Schwerlastverkehr mit besserer Beschilderung, Kontrollen und Sanktionen von der B271 runterhalten, liegen dem Ganzen andere Verkehrsdaten zugrunde.“ Dann könne möglicherweise sogar herauskommen, dass gar keine Umgehung gebaut werden muss. „Dazu wären reelle Daten nötig“, meint Jordan.
Jordan: „Ost-Variante hätte charmantere Züge“
Da diese aber nicht erhoben werden, geht er davon aus, dass die Ost-Variante aufgrund des fortgeschrittenen Planungsstands aktuell keine Chance mehr hat. Andererseits erwartet der 41-Jährige, dass die Bürgerinitiative „Pro Ost“ die favorisierte Variante juristisch prüfen lassen wird, wenn das Planfeststellungsverfahren weit genug gediehen sei. Jordan persönlich hält auch mehr von der Ost-Variante. „Sie hätte charmantere Züge.“ Und: „Man muss schauen, dass der Bürgerwillen umgesetzt wird, auch für Kallstadt und Herxheim am Berg.“
Ihlenfeld: „West-Variante ist die beste, die wir haben“
Für Ihlenfeld dagegen ist der Ausbau der B271 zwischen Bad Dürkheim und Kirchheim das größte Infrastrukturprojekt im Kreis, und zwar so wie aktuell geplant. „Ich bekenne mich zur West-Variante“, erklärt der Amtsinhaber und betont: „Ich bin überzeugt, dass wir nach mehreren Anläufen und Prüfungsverfahren damit die beste Variante haben.“ Alles andere würde den Prozess um Jahrzehnte zurückwerfen.
„Wir brauchen die B271 neu, um Ungstein, Kallstadt, Herxheim am Berg bis hin nach Kirchheim zu entlasten.“ Gleichzeitig seien Konzepte für das ganze Umfeld nötig, um beispielsweise Verkehrsführungen zu überdenken und an die neue Straße anzupassen. Im Norden der geplanten Strecke gebe es laut Ihlenfeld Probleme. Aber auch Bockenheim solle die lange geforderte Umgehung bekommen, „da müssen wir dranbleiben“.
Das sind aber bei Weitem nicht die einzigen Infrastrukturthemen vor dieser Landratswahl. Riesige Summen werden laut Jordan in Breitbandausbau und Schulen investiert. Dann kommen Verkehrswegeunterhalt für die Kreisstraßen, Barrierefreiheit, beispielsweise bei Haltestellen „und noch so viel mehr Projekte dazu – dabei wissen wir alle: Man kann Geld nur einmal ausgeben.“ Soll laut Jordan heißen: Es gibt immer mehr zu tun, als finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Aber Photovoltaik-Anlagen, Dachbegrünung für Gebäude und weitere Infrastrukturprojekte seien wichtig, „man muss in Anbetracht der Gelder klug entscheiden, was man macht.“ Bei der großen Anzahl von Projekten gebe es nicht viele Alternativen. „Aber wir müssen sehen, dass wir so viele Dinge wie möglich realisieren können.“
Jordan: „Herzensthema bezahlbarer Wohnraum“
Dennoch ist ihm das Thema sozialer, bezahlbarer Wohnraum „ein Herzensthema“, von dem er sicher ist: „Wir müssen Geld reinstecken, um die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen. Auf den Markt können wir uns da nicht verlassen.“ Dabei gehe es nicht um Sozialwohnungen im großen Block, sondern auch darum, jungen Familien oder Alleinerziehenden „vernünftige Wohnungen anzubieten“. Jordan kann sich eine Wohngenossenschaft oder Wohnbaugesellschaft des Kreises vorstellen, die für bezahlbaren Wohnraum sorgt. „Das müssen wir prüfen, der Druck auf den Wohnungsmarkt ist enorm.“ Für Jordan ist aber auch klar: „Ich habe keine Angst vor der Zukunft, ich freue mich, wenn ich sie im Landkreis mitgestalten darf.“
In Sachen Zukunftsprojekte lenkt Ihlenfeld den Fokus auf Radwege und Radschnellwege. Das Stadtradeln habe gezeigt, dass sie wichtig sind. „Wir haben viele gute Radwege, aber oft fehlen sie, sind schlecht oder die Radler müssen auf große Straßen ausweichen. Das ist gefährlich“, hat Ihlenfeld festgestellt. Dafür seien aber große Investitionen nötig. Der Amtsinhaber sieht hier eine Entwicklung kommen, wie sie der Breitbandausbau hinter sich hat. „Wir brauchen eine große Initiative, die dahintersteht“, sagt Ihlenfeld mit Blick auf denkbare Förderprogramme von Bund und/oder Land. Denn derzeit seien Radwege freiwillige Leistungen, für die die Aufsichtsbehörde in den engen Haushaltsvorgaben keine Genehmigung erteilt. „Da hilft es auch nicht, auf Kommunen oder Verbandsgemeinden zu zeigen.“ Grundlagen von übergeordneter Stelle seien nötig.
Ihlenfeld: „Für medizinische Versorgungszentren“
Ein weiteres voranzutreibendes Projekt ist der bis ins nächste Jahrzehnt geplante Ausbau der Rhein-Haardtbahn. „Wir hoffen, dass die RHB dadurch attraktiver wird“, sagt Ihlenfeld. Verbunden mit dem Öffentlichen Nahverkehr sei auch das Thema der barrierefreien Haltestellen. „Da ist noch viel Luft nach oben.“ Geht es um perspektivische Gedanken zur Infrastruktur, spricht Ihlenfeld auch den S-Bahn-Anschluss Bad Dürkheim an. Dafür wäre aber ein zweigleisiger Ausbau nötig. Ende der 2030er-Jahre laufen dem CDU-Politiker zufolge Verträge mit der Bahn aus, das wäre eine Gelegenheit für dieses Projekt. „Dann müssen wir aber heute darüber nachdenken und Planungsgrundlagen schaffen“, fordert Ihlenfeld.
Und er hat noch ein Infrastruktur-Thema: die Ärzteversorgung. „Das ist für uns in der Fläche immer schwieriger. Junge Ärzte wollen sich nicht auf dem Land selbstständig machen mit der Belastung, die das mit sich bringt.“ Dadurch seien Landarztpraxen auf dem Rückzug. Um Ersatz zu schaffen, ist Ihlenfeld für Medizinische Versorgungszentren, möglicherweise angegliedert an das Grünstadter Kreiskrankenhaus. „Wir brauchen so ein Zentrum im Lambrechter Tal, um ortsnahe Gesundheitsversorgung zu sichern.“
Die Kandidaten im Porträt:
Bereits erschienen im Kandidatenvergleich:
Ehrgeizige Ziele beim Breitbandausbau
Schulentwicklung: Weiter in die Zukunft investieren
Landratswahl: Noch mehr tun fürs Klima