Bad Dürkheim
Ehrgeizige Ziele beim Breitbandausbau
„Der Breitbandausbau ist so wichtig wie vor 100 Jahren die Wasserversorgung oder Kanalisation“, verdeutlicht Ihlenfeld die Bedeutung des Megaprojekts. Es müsse zur Selbstverständlichkeit in der infrastrukturellen Versorgung der Landkreise werden, daran werde mit weiteren Ausbauschritten gearbeitet, versichert der zur Wiederwahl stehende Landrat. Dass das 50-Millionen-Projekt, das bis Ende 2021 dauern wird, nun läuft, freut ihn. Aktuell wird gebaut, um 9000 Adressen mit Glasfaseranschlüssen zu versorgen, die bislang mit einem Datenvolumen von weniger als 30 Megabit pro Sekunde unterwegs waren.
Außerdem ist bereits ein rund 1,6 Millionen Euro schwerer Förderbescheid des Landes für den Breitbandausbau von 252 Gewerbebetrieben im Kreis eingegangen. Vom Bund soll eine Förderung ähnlicher Größenordnung kommen. Im nächsten Schritt sollen nach den sogenannten weißen Flecken auf der digitalen Versorgungskarten die grauen versorgt werden. Das sind Adressen, die mehr als 30 Mbit/s haben, aber gefühlt trotzdem noch Kaffee kochen gehen können, bis sich eine datenreiche Internetseite aufgebaut hat. „Wir wollen irgendwann alle Haushalte versorgt haben.“ Dafür wolle man nah dran bleiben an neu aufgelegten Fördermitteln.
Ausbau mit Problemen
Ihm sei bewusst, dass der Ausbau derzeit noch nicht problemlos laufe, was an mangelnder Kommunikation der beauftragten Tiefbauer liege. „Das beschäftigt die Verwaltung sehr, es hat sich aber schon gebessert.“ Ein Baubüro vom übergeordneten Telekommunikationsunternehmen Inexio soll nun Beschwerden sammeln und die Kommunikation aller Beteiligten erleichtern. „Es gibt noch viele Fragen“, weiß der 57-Jährige. Er ist aber auch sicher: „Durch den schrittweisen Ausbau erreichen wir Standards, die ausreichen werden, um die zukünftig prognostizierte Nutzung abzudecken“, sagt Ihlenfeld und meint aber auch, dass der Prozess noch ein halbes Jahrzehnt andauern werde.
Jordan: „Keine zwei Meinungen“
„Es gibt keine zwei Meinungen zum Breitbandausbau“, sagt Jordan. Es sei ein maßgeblicher Standortfaktor für Haushalte, Bildung und Gewerbe. „Der Gigabit-Ausbau sollte im ganzen Kreis Standard werden“, nennt der 41-Jährige als Ziel. Er sei froh, dass der Glasfaserausbau nun begonnen habe. „Aber wir sind erst fertig, wenn alle schnelles Internet haben“, betont Jordan.
Allerdings müsse auch ein Finger in die Wunde gelegt werden, meint er und ergänzt: „In vielen Bürgergesprächen habe ich erfahren, dass es Probleme in der Abwicklung gibt. Der Prozess läuft holprig.“ Dennoch sei klar: Der Breitbandausbau müsse genauso vorangetrieben werden wie die Digitalisierung im Allgemeinen.
Jordan hat auch eine digitalere Verwaltung zum Ziel, um unliebsame Behördengänge „vereinfacht abwickeln zu können“. Grundsätzlich sei es so, dass Breitbandausbau und Digitalisierung in viele Bereiche hineinspielen und deshalb weiter vorangetrieben werden müssten.
Abgehängte Regionen lebendig machen
Digitalisierung verändere Arbeitsplätze, -inhalte und -methoden. „Es hat keiner damit gerechnet, dass wir plötzlich mobil oder im Homeoffice arbeiten“, sagt Jordan. „Da wurde die Krise als Chance genutzt.“ Das gehe aber nicht, wenn wie im Lambrechter Tal jegliche gute Anbindung fehlt. „Es war richtig und wichtig, dort die Breitbandoffensive zu starten“, sagt der SPD-Politiker. Das biete ländlichen Regionen, die ausbluten, neue Chancen. „Digitale Wanderwege oder virtuelle Sprechstunden“, nennt Jordan als Beispiele. „So können wir abgehängte Regionen wieder lebendig machen“, ist er sicher.
Gerne will er auch Großprojekte digital visualisieren, Bürger in der virtuellen Realität beispielsweise Bauwerke dreidimensional erleben lassen, statt nur Pläne zu zeigen. „Wichtig ist aber, dass wir dabei generationenübergreifend denken“, betont Jordan. Er plädiert deshalb dafür, Digitalbotschafter für Senioren einzusetzen, um allen die Möglichkeit zur Teilhabe zu bieten.
Die Kandidaten im Porträt:
Bereits erschienen im Kandidatenvergleich:
Schulentwicklung: Weiter in die Zukunft investieren
Infrastruktur: Pro & Contra B 271 West
Landratswahl: Noch mehr fürs Klima tun