Kreis Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Landratswahl: Noch mehr tun fürs Klima

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Photovoltaikanlagen sollen auf kreiseigenen Gebäuden und Liegenschaften platziert werden – wie hier auf der ehemaligen Deponie in Ellerstadt. Das wollen beide Kandidaten vorantreiben.

Wer neuer Landrat des Landkreises Bad Dürkheim wird, entscheidet sich am Sonntag, 8. November. Zur Wahl stehen Amtsinhaber Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) und Timo Jordan (SPD). Wir haben mit den Kandidaten über wichtige Themen für den Kreis gesprochen. Heute: der Klimaschutz.

Herausforderer Timo Jordan hat sich den Klimaschutz als höchstes seiner Zukunftsthemen gesetzt, auf denen er seinen Wahlkampf aufgebaut hat. „Klimaschutz und Energie haben Auswirkungen auf alles“, erklärt er. Er spricht sich für einen hauptamtlichen Klimaschutzmanager auf Kreisebene aus. „Wenn wir Klimaschutz leben und vorantreiben wollen, muss er im engsten Stab des Landrats unter dessen direkten Zugriff sein“, findet der 41-Jährige.

Er möchte, dass Klimaschutz bei allen Entscheidungen im Kreistag und den Ausschüssen mitgedacht wird. „Nicht nur die finanziellen Auswirkungen, auch eine Art Klimacheck soll auf den Vorlagen stehen“, schlägt Jordan vor und regt dafür eine Art Ampelsystem an. „Es soll jedem klar sein, ob ein Projekt, für das man gerade die Hand hebt, schädlich, neutral oder verbessernd für das Klima ist.“

Jordan: „Brauchen neue Zusammenschlüsse“

Klimaschutz und Mobilität hängen eng zusammen, da sind Jordan und Ihlenfeld einer Meinung. Auf Kreisebene hält Jordan ein Mobilitätskonzept für nötig, das sagt auch Amtsinhaber Ihlenfeld. Der SPD-Politiker denkt auch an eine Abstimmung mit Konzepten der Metropolregion Rhein-Neckar (MRN). Zudem sei ein Ausschuss für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) nicht genug. „Das kann nur ein Baustein sein. Wir brauchen neue Zusammenschlüsse in der politischen Beratung, um eine Kreisklimaschutzstrategie auf den Weg zu bringen“, sagt Jordan.

Er meint, der ÖPNV müsse verändert werden. „Er ist nicht zu teuer, aber das Angebot ist noch zu schlecht.“ Bedarfsgerechte Fahrzeuggrößen, bessere Taktung und barrierefreie Haltestellen sind Punkte, die er angehen möchte. Jordan nennt zudem Radwege als „großes Thema“. Auch Radschnellwege in die MRN seien nötig, „um mehr Individualverkehr aufs Rad zu bekommen“. Danach könne man auch über Car- oder Bike-Sharingangebote sprechen, ergänzend über Bürgerbusse, Mitfahrerbänke oder Apps. Wenn das Angebot so attraktiv ist, dass es genutzt wird, „muss Klimaschutz so wichtig sein, dass wir diese Angebote bezuschussen“.

Jordan: „Selbst mehr tun mit erneuerbaren Energien“

Auch in Sachen Bauen sieht Jordan für den Klimaschutz noch Möglichkeiten. „Jeder kann mehr selbst tun mit erneuerbaren Energien.“ Er setzt dabei auf belohnende Anreize statt auf Verbote und Verpflichtungen. „Grundsätzlich bin ich für eine Photovoltaik-Offensive auf allen Kreisgebäuden und Schulen, wenn die Dächer es zulassen.“ Außerdem möchte Jordan ein betriebliches Mobilitätsmanagement für die Kreisverwaltung mit ihren mehr als 600 Beschäftigten erarbeiten lassen. „Da ist viel möglich“, betont er.

Obwohl der Kreis laut Ihlenfeld in Sachen Klimaschutz schon viel getan hat – Klimaschutzmanager, Energieagentur und die kreiseigene Energiegesellschaft –, müsse man die Anstrengungen noch stark ausweiten. Ihlenfeld sieht mit den genannten Themen und dem Kooperationsabkommen mit der MRN eine gute Grundlage mit einem funktionierenden Netzwerk.

Ihlenfeld: „Ganzheitliches Nahverkehrskonzept“

Für den 57-Jährigen sind zwei Bereiche auf Kreisebene wichtig: Die kreiseigenen Liegenschaften, die „energetisch fit gemacht werden sollen“, mit möglichst autarker Stromversorgung dank Photovoltaikanlagen auf dem Dach. Und der Bereich Mobilität. Das Nahverkehrskonzept müsse auf Autos und andere Verkehrsteilnehmer ausgeweitet werden. Kurz gesagt: „Wir brauchen ein ganzheitliches Nahverkehrskonzept, das alle Fortbewegungsmöglichkeiten mit einbezieht und vernetzt.“ Das wiederum müsse mit dem Klimaschutzkonzept verzahnt werden.

Dafür müsse der Bereich bei der Kreisverwaltung personell gestärkt werden. „Klimaschutz kann man nicht nebenbei mitmachen“, betont Ihlenfeld. Was er dagegen nicht für sinnvoll hält, ist eine Art Klimaschutzbeirat auf Kreisebene. Ein weiteres Gremium sei nicht zielführend. Es gebe bereits einen Beirat der Energieagentur-Region Mittelhaardt-Südpfalz, wo es einen regen Austausch mit Experten, anderen Landkreisen und Kommunen gebe. Er sei bestrebt, hiesige Klimaschutzbündnisse dort einzubeziehen, versichert der Unionspolitiker.

Ihlenfeld: „Wasserstoff-Antrieb ist die Zukunft“

Für Ihlenfeld wäre es wünschenswert, könnte sich der Aktionsradius der Energiegesellschaft des Kreises ausweiten, die unter anderem die Photovoltaik-Anlage auf der ehemaligen Mülldeponie in Ellerstadt betreibt. „Da könnten sich Kommunen oder Verbandsgemeinden anschließen und mit uns Photovoltaik- oder Projekte für andere regenerative Energien umsetzen“, wirbt Ihlenfeld für Beteiligung. Insgesamt strebe er einen starken Ausbau des ÖPNV an. „Weniger Autos auf den Straßen bedeuten Klimaschutz“, erklärt Ihlenfeld.

Apropos Autos: Der 57-Jährige macht sich auch über die Antriebsart der Zukunft Gedanken. „E-Autos sind nur eine Brückentechnologie“, glaubt Ihlenfeld. Er hält den Wasserstoff-Antrieb für die Zukunft und verweist unter anderem auch auf ein großes Förderprojekt der MRN zum Thema Wasserstoff. „Das ist noch weit entfernt, aber diese Entwicklungen müssen wir eng verfolgen.“ Die Metropolregion und der Landkreis seien hier gut positioniert.

Die Kandidaten im Porträt:

Hans-Ulrich Ihlenfeld

Timo Jordan

Bereits erschienen im Kandidatenvergleich:

Ehrgeizige Ziele beim Breitbandausbau

Schulentwicklung: Weiter in die Zukunft investieren

Infrastruktur: Pro & Contra B 271

Herausforderer Timo Jordan
Herausforderer Timo Jordan
Amtsinhaber Hans-Ulrich Ihlenfeld
Amtsinhaber Hans-Ulrich Ihlenfeld
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