Landratswahl – Kandidaten im Portrait: RHEINPFALZ Plus Artikel „Viel Landkreis an einem Ort“

Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld sitzt gerne vor der Wachtenburg und schaut in den Landkreis, von dem dort oben bei gutem Wetter vi
Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld sitzt gerne vor der Wachtenburg und schaut in den Landkreis, von dem dort oben bei gutem Wetter viel zu sehen ist.

Keine Frage war es für Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU), dass er sich als Landrat zur Wiederwahl stellen will. Viel vor hat der 57-Jährige aus Haßloch noch für „seinen“ Landkreis, wie er bei einem Gespräch an einem seiner Lieblingsorte erzählt.

Den Ort dieses Treffens hat Ihlenfeld ausgesucht. Vor dem Turm der Wachtenburg bei Wachenheim weht ihm im Sonnenschein der kühle Wind um die Nase, der den Herbst und damit die Landratswahl am 9. November ankündigt. „Hier könnte ich stundenlang sitzen und in die Gegend schauen. Hier ist man mitten im Landkreis“, zeigt Ihlenfeld Heimatgefühl. Und kann das auch begründen: Beim Blick in die Ebene sehe man Weinberge, viele Gemeinden, historische Orte wie Forst und Wachenheim, den Pfälzerwald. Auf der Wachtenburg selbst gibt es mit dem Ausschank typisch Pfälzer Lebensart. Wenn der Landrat mit dem Auto auf A 650, A 65 oder A 61 unterwegs ist, ist die Burgruine ein Fixpunkt, der die Nähe zum Zuhause signalisiert. Dann ist da auch noch ehrenamtliches Engagement durch den Förderverein der Wachtenburg, der gerade nebenan mit einem Bagger arbeitet. „Es ist viel Pfalz und sehr viel Landkreis an einem Ort“, erklärt Ihlenfeld seine Wahl.

Geige, Gesang, Geschichte

Mit der Wachtenburg verbindet der Amtsinhaber mit dem landesväterlichen Auftreten auch Jugenderinnerungen, weil er unweit Ferien im Odinstal verbracht hat. Damals entstand auch eine andere Leidenschaft Ihlenfelds: die Kirchenmusik. 1973 hat er mit dem Geige spielen begonnen, zehn Jahre lang auch Unterricht genommen. Außerdem hat er in verschiedenen Chören gesungen. Ihlenfeld musizierte bei Kirchenkonzerten, auch regelmäßig in der Klosterkirche in Lambrecht und vor allem in der Neustadter Stiftskantorei. Geige spielen kann er heute noch, verrät er und erinnert sich gern an die Menschen, die er damals durch die Musik kennengelernt hat, so wie heute durch die Politik.

Geboren wurde der zweifache Vater in Polch im Kreis Mayen-Koblenz. Dass er sich dennoch als Haßlocher fühlt, liegt darin, dass seine Eltern in die Gemeinde zogen, als er gerade mal ein halbes Jahr alt war. Nach der Schulzeit hat Ihlenfeld in Passau und Mannheim Jura studiert. Zusätzlich zum Jura-Studium kam der Magisterabschluss an der Verwaltungswissenschaftlichen Hochschule in Speyer.

In einer alteingesessenen Kanzlei im südpfälzischen Landau hat Ihlenfeld dann gearbeitet. „Das hat gut geklappt, aber ich hatte das Gefühl: Das kann nicht alles gewesen sein.“ Die Wiedervereinigung Deutschlands hatte ihm imponiert und so bewarb sich Ihlenfeld Mitte der 1990er-Jahre auf eine Stelle beim Kultusministerium in Dresden, wo er bis 2004 arbeitete. „Es war eine tolle Erfahrung“, schwärmt Ihlenfeld auch von der Gegend. Die regionale Geschichte wie die Herrschaft von August dem Starken, Sachsens legendärem Kurfürsten, interessierten ihn. Da wundert es nicht, dass Lesen seine spärliche Freizeit bereichert, vor allem in Zeitungen und Zeitschriften über Historisches.

Dresden, Haßloch und der Wahlkampf

Ihlenfeld wollte gar nicht weg aus Dresden, „ich dachte, hier bleibe ich“, erzählt er. Seine Kinder, heute 20 und 24 Jahre alt, sind dort geboren. Doch dann suchten seine Parteifreunde einen Kandidaten für die Wahl zum Bürgermeister in Haßloch. „Ich war politisch aktiv, seit 1984 in der CDU Mitglied und vor allem: Ich war aus Haßloch“, erinnert sich Ihlenfeld an ein wichtiges Kriterium für die Haßlocher, die sich sehr stark mit ihrer Gemeinde identifizieren. So kam es, dass er in einem halben Jahr zwischen Dresden und seiner Heimatgemeinde 37.000 Kilometer fuhr, um Wahlkampf zu machen. „Damals hat keiner an einen Amtswechsel gedacht“, weiß Ihlenfeld. Er gewann und freut sich über die Wege und Perspektiven, die ihm das eröffnet hat. „Ich habe festgestellt: Das passt zu mir“, sagt er heute und lächelt auf die Ihlenfeld-typisch verschmitzte Art.

Als 2012 nach dem tragischen Tod von Landrätin Sabine Röhl kurzfristig ein Nachfolger gewählt werden musste, trat Ihlenfeld an. „Ich habe mein neues Amt bis heute als sehr bereichernd empfunden.“ Der Blick weitete sich über den eigenen Ort hinaus. „Landrat zu sein, ist eine reizvolle, schöne Aufgabe.“ In den vergangenen acht Jahren sei einiges auf den Weg gebracht worden. „Es werden neue Herausforderungen auf uns zukommen“, ist Ihlenfeld sicher. Mobilität ist für ihn ein zentrales Thema der Zukunft. „Kommunen werden bessere Möglichkeiten für den öffentlichen Nahverkehr und die Radwegeinfrastruktur bekommen“, glaubt der Landrat und erwartet eine ähnliche Entwicklung wie beim Breitbandausbau. „Zu Beginn meiner Amtszeit waren wir in Mainz wegen einer besseren Internet-Anbindung. Die Zeit war noch nicht reif. Heute läuft der Glasfaserausbau. Das wird bei der Mobilität genauso sein“, ist Ihlenfeld überzeugt und will diese Zukunft im Kreis mitgestalten.

Klima, Bildung, Breitband

Apropos Zukunft. Den Klimaschutz hat sich Ihlenfeld ebenfalls auf die Agenda geschrieben. „Da haben wir viel getan“, verweist er auf Klimaschutzmanager, Energieagentur und die kreiseigene Energiegesellschaft. Um außerdem den Stand der Gesundheitsversorgung zu erhalten, müsse man versuchen, am Kreiskrankenhaus die ambulanten Bereiche zu stärken. Das sei mit Blick auf den Ärztemangel wichtig. „Wobei das ein schwieriges Thema für uns als Landkreis ist, weil wir nicht an den nötigen Hebeln sitzen.“

Danach gefragt, wo Ihlenfeld den Kreis am Ende einer möglichen zweiten Amtszeit gerne sehen würde, sagt er: „Der Landkreis soll für Menschen aller Generationen auch in Zukunft attraktiv sein.“ Weinbau und Landwirtschaft würden gute Grundlagen für ihre tägliche Arbeit brauchen. Für mittelständische Unternehmen – „große Industrie passt nicht in unsere Gewerbegebiete“ – müssen die Angebote von Infrastruktur bis Internetanbindung passen. An zeitgemäße, moderne Bildungslandschaft und viele dezentrale Angebote auch für alte Menschen denkt Ihlenfeld. „Und vor allem ist wichtig, dass wir unsere wunderbare Landschaft erhalten, das ist ein großes Pfund, mit dem wir wuchern können“, sagt er und blickt von der Wachtenburg über eben jene Hügel, Weinberge und Gemeinden. Mitten im Landkreis.

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