750 Jahre Kaiserslautern
Studierendenzahl stabil, mehr Erstsemester: Was bringt der neue Campus für Kaiserslautern?
Dort wo früher Weber und Färber ihrer Arbeit nachgingen, sitzen heute Studierende in Hörsälen, lernen in der Bibliothek oder forschen im Labor. Während der Fachbereich „Bauen und Gestalten“ der Hochschule Kaiserslautern bereits seit rund 40 Jahren in den alten Kammgarn-Produktionshallen untergebracht ist, entstand rundherum seit 2013 ein völlig neuer Campus.
Nach und nach wurden auf dem ehemaligen Industriegelände die neue Mensa, ein Verwaltungsgebäude errichtet, alte Hallen wie das ehemalige Wollmagazin wurden renoviert und neu ausgestattet. Zuletzt wurde das neue Labor- und Werkstättengebäude gebaut.
Den Charme des ehemaligen Industriestandorts – in der Kammgarn-Spinnerei waren zu Hochzeiten einmal 3000 Menschen beschäftigt – spürt man auch heute noch ganz deutlich beim Gang über das Gelände. Nicht nur der Schornstein prägt weiter das Bild, auch die Eingangspforte ist geblieben, am Laborgebäude wurde die alte denkmalgeschützte Buntsandstein-Mauer gerettet. Sie dient nun als optische Verblendung der vier Gebäuderiegel. Die Initiative „Pro Industrie - Denkmal“ hatte sich dafür eingesetzt und 4500 Unterschriften gesammelt, denn zunächst war nicht klar, ob diese erhalten werden kann, wenn die Hallen dahinter abgerissen werden.
Bau des neuen Campus verschlingt weit mehr als 135 Millionen Euro
In den Bau des neuen Hochschulcampus investierte das Land seit Baubeginn weit mehr als die ursprünglich geplanten 135 Millionen Euro. Denn das im Herbst 2024 fertiggestellte Labor- und Werkstättengebäude sollte von dieser Summe allein rund 63 Millionen Euro verschlingen – kostete nach einigen Verzögerungen beim Bau und Teuerungen in den Preisen am Ende sogar etwa 90 Millionen Euro für Bau und Ausstattung.
Vorbei sind nun die Zeiten, in denen Studierende in der Morlauterer Straße in Räumen mit zugigen Fenstern lernen oder an aus der Decke hängenden Kabelsträngen vorbei zur nächsten Vorlesung laufen mussten, darauf bedacht, dabei nicht über einen Eimer zu fallen, in dem Tropfwasser vom Dach aufgefangen wurde. „Hier bekommt die Stadt ein richtiges Juwel hingestellt“, hatte Norbert Höbel, der damalige Niederlassungsleiter des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung, während der Bauphase gesagt.
Die Hochschule Kaiserslautern ist die direkte Nachfolgerin der früheren Pfälzischen Ingenieurschule für Bau- und Maschinenwesen, die ab 1960 in der Morlauterer Straße angesiedelt war. Im Jahr 1971 wurde diese Ingenieurschule zusammen mit anderen höheren Fachschulen des Landes in die neu gegründete Fachhochschule Rheinland-Pfalz überführt.
Etwa die Hälfte studiert am Standort Kaiserslautern
Die Hochschule Kaiserslautern ist eine Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW). Ihr fachlicher Fokus liegt auf Technik, Wirtschaft, Gestaltung und Gesundheit sowie Informatik.
Nicht nur auf dem Campus in Kaiserslautern werden Studierende ausgebildet, zur Hochschule Kaiserslautern gehören auch die beiden Standorte Pirmasens und Zweibrücken.
Aktuell sind insgesamt rund 5000 Studierende in über 100 Studiengängen und Weiterbildungsangeboten eingeschrieben. Allein etwa 2700 sind es auf dem Campus in der Schoenstraße. An den drei Standorten arbeiten knapp 150 Professorinnen und Professoren, in Kaiserslautern über 60, knapp so viele auch in Zweibrücken und etwas mehr als 20 in Pirmasens. Dazu kommen 470 weitere Beschäftigte, wovon allein 230 in Kaiserslautern arbeiten.
Die Hochschule warb über Projekte im vergangenen Jahr knapp neun Millionen Euro an Drittmitteln ein, sie betreut an allen Standorten etwa 50 Promotionen, erklärt Sprecherin Johanna Woll.
Neueinschreibungen steigen wieder
Die Hochschule Kaiserslautern ist international aufgestellt. Etwa 25 Prozent der Studierenden stammen aus dem Ausland. Auch die letzten Einschreibezahlen geben Grund zur Freude. Mehr als 1110 Menschen (davon etwa 540 am Campus Kaiserslautern) haben sich im Herbst-/Wintersemester 2025 an der Hochschule für ein Studium neu eingeschrieben. Im Jahr zuvor waren es etwa 1090 (507) – womit der Abwärtstrend der beiden Vorjahre gestoppt wurde. Im Spitzenjahr 2019/2020 hatten sich insgesamt gar 1650 Menschen (in Kaiserslautern 836) für die Aufnahme eines Bachelor- oder Masterstudiums an der Hochschule Kaiserslautern entschieden.

