Kaiserslautern
Was die Hochschule Kaiserslautern tut, damit die Erstsemesterzahlen steigen
1091 Neustudierende vermeldet die Hochschule Kaiserslautern. Davon haben sich 507 im ersten Fachsemester eines Bachelor- oder Masterstudiengangs am Campus Kaiserslautern mit den Fachbereichen Bauen und Gestalten (255) und Angewandte Ingenieurwissenschaften (AING; 252) eingeschrieben. 103 sind es in Pirmasens und 481 am Campus Zweibrücken. Damit hat die Zahl der Erstimmatrikulationen im Vergleich zum Wintersemester des Vorjahres, zu dem insgesamt 952 Einschreibungen gezählt wurden, laut Hochschule wieder zugenommen. Kleinere Verschiebungen sind noch möglich, da bei einigen Studiengängen die Frist noch nicht abgelaufen ist.
Die Trendumkehr am Kaiserslauterer Campus führt die Hochschule vor allem auf ein wieder gestiegenes Interesse bei den technischen Studiengängen des Fachbereichs AING zurück. Vor allem diese seien es, die zugelegt haben, sagt Karsten Glöser, Dekan des Fachbereichs. Zuletzt waren vor allem dort die Einschreibezahlen – gerade in den Bachelors Maschinenbau, Mechatronik und Wirtschaftsingenieurwesen – gesunken, obwohl die beruflichen Perspektiven gut seien. So schrieben sich im Wintersemester 2023/2024 172 Studierende erstmalig in einen Bachelor- oder Masterstudiengang des Fachbereichs AING ein, in diesem Herbst sind es 252.
Hochschule bietet Alternativen zum klassischen Studium
Eine Erklärung, wieso gerade die Ingenieurwissenschaften Studierende verlieren, obwohl die Berufe stark nachgefragt sind, fällt auch Glöser schwer: „Ich weiß nicht, wo die Menschen hin sind. Wir haben darüber schon oft nachgedacht. Sie fehlen ja auch dem Handwerk“, sagt er. Ein Problem, das er sieht: „Handwerk und Ingenieurwissenschaften kämpfen manches Mal gegeneinander, das finde ich nicht gut. Es muss uns ein gemeinsames Anliegen sein, die Leute in diese Berufe zu bringen“, sagt er.
Die Hochschule Kaiserslautern bietet zum aktuellen Wintersemester insgesamt sechs (duale) Bachelor- und fünf (weiterbildende) Master-Studiengänge im Fachbereich AING an. Dazu kommen sieben berufsbegleitende Bachelor-Studiengänge, die als Fernstudium mit Präsenzzeiten absolviert werden können.
Glöser sagt: „Wir haben zugelegt bei den Ingenieurwissenschaften, auch wenn die Zahlen bei der Elektrotechnik, dem Maschinenbau noch nicht so hoch sind, wie wir sie gerne hätten.“ Insbesondere die Elektrotechnik hat im klassischen und dualen Bachelor weiter verloren. Dort haben sich 25 Personen (2023: 37; 2022: 40) ins erste Fachsemester eingeschrieben. Bei den Maschinenbauern sind es wieder mehr: 41 Erstsemester (2023: 31, 2022: 46) haben sich für ein (duales) Bachelor-Studium an der Hochschule Kaiserslautern entschieden. In den Master-Studiengängen des Fachbereichs AING sind die Einschreibezahlen leicht rückläufig.
Wie der Trend gestoppt werden kann
Die Trendumkehr schafft die Hochschule Kaiserslautern laut Glöser zu einem großen Teil durch die berufsbegleitenden und dualen Bachelor-Studiengänge. „Die ausbildungsintegrierten Studiengänge haben wir seit zwei Jahren“, sagt er. Die kämen gut an. „In der Tat werden seit diesem Semester quasi alle Bachelor-Studiengänge bei AING auch dual angeboten“, erklärt die Hochschule. Weitere Angebote könnten folgen.
Zudem seien berufsbegleitende Fernstudiengänge stärker nachgefragt. Ein Beispiel ist der Bachelor-Fernstudiengang Elektrotechnik (23 Erstsemester). Ähnliche Entwicklungen gibt es für Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen. „Wir sehen, dass das Interesse in den klassischen Präsenzstudiengängen nicht mehr so hoch ist“, sagt Glöser. „Das liegt an persönlichen Lebensmodellen, die sich verändert haben“, sagt er. So gebe es unter den Studierenden mittlerweile öfter Personen, die bereits eine Familie gegründet, eine Ausbildung abgeschlossen haben und sich weiterbilden möchten. „Wir versuchen, durch duale Studiengänge und berufsbegleitende Angebote darauf einzugehen. Bei uns kann man auch in Teilzeit studieren, das ist viel stärker individualisiert möglich als früher“, sagt er.
Hochschul-Präsident sieht „schwierige demografische Rahmenbedingungen“
Der zweite Fachbereich am Kaiserslauterer Campus – Bauen und Gestalten – verzichtet bislang auf berufsbegleitende Fernstudiengänge, bietet im Bachelor Bauingenieurwesen aber ebenfalls die Möglichkeit, dual zu studieren. Dieser Studiengang – sowohl klassisch als auch dual – war in den vergangenen Wintersemestern der stärkste des Fachbereichs. (2024: 48 Erstsemester, 2023: 60, 2022: 48). Der Fachbereich ist mit 255 Ersteinschreibungen ähnlich stark wie im vergangenen Jahr (268).
Insgesamt haben sich am Standort Kaiserslautern zum Wintersemester 507 Studierende neu immatrikuliert – ein Zuwachs von 15 Prozent. Hochschul-Präsident Hans-Joachim Schmidt ist froh, „dass wir den in den Vorjahren zu verzeichnenden Abwärtstrend bei den Neueinschreibungen in diesem Jahr nicht nur stoppen, sondern bei schwierigen demografischen Rahmenbedingungen und in einem hoch kompetitiven Wettbewerb sogar wieder zulegen konnten“.