Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Hochschule bezieht neues Laborgebäude: Land investiert 90 Millionen Euro

„Man kann sich im Sommer raussetzen“: Die Atmosphäre im neuen Laborgebäude ist durch viel Glas und Licht bestimmt.
»Man kann sich im Sommer raussetzen«: Die Atmosphäre im neuen Laborgebäude ist durch viel Glas und Licht bestimmt.

Hinter der Sandsteinfassade der früheren Kammgarn-Spinnerei forschen künftig Ingenieure und lernen Studenten. Seit September wird das neue Laborgebäude bezogen. Warum es besonders ist und was er im alten Gebäude dennoch vermissen wird, hat Karsten Glöser, Leiter des ingenieurwissenschaftlichen Fachbereichs, verraten.

In den Laboren und Werkstätten in der Schoenstraße wird gearbeitet: Mitarbeiter der Lehrstühle richten Prüfstände ein, bereiten den neuen Windkanal für seinen Einsatz vor, andere räumen Schränke ein, bauen Apparaturen auf oder packen Umzugskisten aus. In Gebäude H des Campus’ Kammgarn der Hochschule Kaiserslautern kehrt Leben ein. Der Umzug vom alten Labor- und Werkstättengebäude in der Morlauterer Straße ist seit September in vollem Gange.

Karsten Glöser, Professor für Elektrotechnik und Leiter des Fachbereichs Angewandte Ingenieurwissenschaften (AING) an der Hochschule Kaiserslautern, ist von dem neuen Gebäude angetan: „Es ist eine ganz andere Arbeitsatmosphäre hier unten. Man kann sich im Sommer raussetzen, alles ist barrierefrei, das war es oben nicht“, sagt er. Die Möglichkeiten für Experimente und Versuchsanordnungen seien jetzt einfach so viel größer. Mehr Platz, viele neue Geräte, zweckmäßig eingerichtet. Das Gebäude mit seinen großen Fenstern ist hell, die Hallen teils über eine verglaste Galerie einsehbar. Eine offene Forschungsatmosphäre entstehe so. „Es ist gigantisch“, „einfach nur herrlich“, „wir haben mehrere voll funktionstüchtige Abzüge im Chemielabor, nicht nur einen“, schwärmen einige Mitarbeiter beim Rundgang durch die neuen Hallen.

Im schalltoten Raum können akustische Messungen vorgenommen werden.
Im schalltoten Raum können akustische Messungen vorgenommen werden.

Fast 10.000 Quadratmeter Laborfläche

Der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) hat für die Hochschule hinter der Sandsteinfassade des ehemaligen Kammgarn-Lagers und der -Zwirnerei einen Komplex mit insgesamt mehr als 100 Laborräumen gebaut. Dazu gehören ein Hochspannungslabor, ein neuer Windkanal, ein Motorenprüfstand, ein Pumpenprüfstand, eine Hebebühne, ein reflexionsarmer Schallraum sowie ein Shakerfundament, eine Art große Rüttelplatte, um das Schwingungsverhalten von Materialien zu testen. Alles auf aktuellem Stand. „Es ist nicht vergleichbar. Es sind in allen Bereichen deutliche Verbesserungen. Natürlich haben wir auch in dem alten Laborgebäude Forschungsprojekte gemacht und Lehre. Aber wir haben jetzt fast 10.000 Quadratmeter Laborfläche, haben mit der Ausstattung noch einmal ganz andere Möglichkeiten, um hier Promotionen anzubieten oder Forschungsprojekte mit der Industrie zu machen“, erklärt Glöser.

Statt mühsam auf engem Raum Gerätschaften hin und her zu räumen, lasse sich jetzt alles ohne Schwierigkeiten nutzen. Die Zeiten, in denen den Mitarbeitern des Fachbereichs viel Improvisationskunst abverlangt wurde, seien nun vorbei, hofft er.

Land investiert 90 Millionen Euro

Bis es soweit war, hat es gedauert. 2018 begannen die Bauarbeiten für das neue Labor- und Werkstättengebäude. 2020 wurde Richtfest auf dem Campus Kammgarn gefeiert. Statt schon wie vorgesehen im Herbst 2022 einzuziehen, verzögerte sich der Bau. Und damit stiegen auch die Kosten. Aus ursprünglich etwa 63 Millionen Euro wurden bis zur Fertigstellung im September fast 90 Millionen. Das Land investierte allein rund 79 Millionen Euro in den Bau, dazu kommen fast 11 Millionen Euro für die Erstausstattung mit Großgeräten. Eine Investition, die gut angelegt sei, sagt Glöser. „Wir haben jetzt hier in Kaiserslautern wirklich ein Highlight, das auch für die kommenden Jahrzehnte trägt“, führt er aus.

Weniger als einen Kilometer Luftlinie trennen das neue und das alte Laborgebäude voneinander. Die Unterschiede könnten größer nicht sein. Während am neuen Campus Glas, Licht und eine moderne Architektur dominieren, liegt über den Bauten in der Morlauterer Straße der Charme der 60er Jahre. Nur hinter wenigen Bürofenstern brennt noch Licht. Wie die Gebäude künftig genutzt werden, steht laut Hochschule noch nicht fest. Noch sind dort einige wenige Abteilungen wie das Studienkolleg und das Archiv untergebracht, die Aula wird noch für Klausuren genutzt.

Der Charme der 60er Jahre umgibt den alten Campus.
Der Charme der 60er Jahre umgibt den alten Campus.

„Gigantische Heizkosten“

„Die Fachhochschule Rheinland-Pfalz, Abteilung Kaiserslautern, war seit ihrer Gründung 1971 in der Morlauterer Straße. Die Gebäude dort wurden um 1960 noch als ,Staatliche Ingenieurschule für Maschinenwesen’ errichtet“, erklärt die Hochschule. Seit Jahren sei nur noch „das Notwendigste zum Gebäudeunterhalt“ gemacht worden, ergänzt Glöser. „Es hieß ja immer, wir ziehen bald um.“

Gebäude B hat seine besten Tage hinter sich. Dabei war es bis vor Kurzem das Herzstück der Ingenieure – eines der Laborgebäude. „Wir haben 2022 Bau B weitgehend leergemacht“, erzählt Glöser. Durch die Energiekrise seien die Heizkosten noch einmal gestiegen. „Die sind für dieses Gebäude gigantisch. Das lässt sich wirtschaftlich eigentlich gar nicht mehr machen“, sagt er. Die zum damaligen Winter geräumten Labore wurden im Werkstattgebäude zusammengelegt. „Dabei mussten wir Labore räumlich zusammenrücken und unsere Versuche zum Teil anpassen, da nicht alles umgezogen werden konnte“, berichtet er. Einige Labore – wie das der Chemie – mussten bleiben, weil der Umzug sehr aufwendig ist. Dieser steht jetzt endgültig bevor.

Eine Aussicht, die hängen bleibt

„Die Labore in den übrigen Gebäuden in der Morlauterer Straße waren bis zum Umzug im September voll in Betrieb“, erläutert Glöser. Die Werkstoffkunde, die Hochspannungs- und Verfahrenstechnik aber auch die Mechanische Werkstatt, die Antriebstechnik, Leistungselektronik oder der Windkanal waren hier bis zuletzt untergebracht. Studierende und Forscher arbeiteten in teils engen Räumen, Abzüge funktionierten irgendwann nicht mehr, „Strömungsmaschinen, der Windkanal, das war alles aus den 60ern“. Beim Anblick einer alten Kältekammer mit schwerer Tür – darin steht eine Kugelmühle, damit sie weniger Lärm im Labor macht – scherzt Glöser: „Vielleicht will hier ja noch jemand einen Horrorfilm drehen.“

Das alte, noch funktionsfähige Hochspannungslabor. Was damit passiert, steht laut Karsten Glöser noch nicht fest.
Das alte, noch funktionsfähige Hochspannungslabor. Was damit passiert, steht laut Karsten Glöser noch nicht fest.

Über leere Flure geht es durch das Gebäude. Hinter verschlossenen Türen liegen Seminarräume, in denen kein Student, kein Professor mehr sitzt, die Fenster sind undicht, kippen lassen sie sich nicht mehr alle. Glöser führt in den ersten Stock, die meisten Fensterscheiben in den Räumen und im Treppenhaus sind blind. „Die Aussicht hier werde ich aber vermissen“, sagt Glöser und blickt durch eine der beschlagenen Scheiben. Nur an wenigen Plätzen sei der Blick über die Stadt schöner als hier.

Wenige Meter weiter sind einige Deckenplatten beiseite geschoben, Kabel hängen herunter, ein Eimer, in dem sich braunes Wasser gesammelt hat, steht auf dem Boden. Ein Wasserschaden vor einiger Zeit habe das nötig gemacht. Glöser öffnet die Tür am Ende eines dunklen Ganges: der große, frühere Physikhörsaal. „Da bin ich ein bisschen wehmütig, so einen Hörsaal haben wir im neuen Gebäude nicht“, sagt er. Dort sei der Fokus auf Seminarräume gelegt worden. „Einen Hörsaal braucht man eben nicht durchgängig“, sagt er und schließt die Tür.

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