750 Jahre Kaiserslautern
Die Tiere im Wildpark erzählen Geschichten, die mehr als 1000 Jahre alt sind
Schwergewichtige Wisente, Auerochsen, Tarpane, Wildkatzen oder Luchse mitten in der Stadt! Damit kann nicht jede Großstadt punkten, Kaiserslautern aber schon. Seit über einem halben Jahrhundert hat die Stadt in ihrem Stadtwald, unmittelbar am Wohngebiet Betzenberg, einen rund 29 Hektar großen Wildpark.
Dort leben Tiere, die im Pfälzerwald in freier Wildbahn vorkommen oder hier einmal beheimatet waren. Jährlich besuchen um die 100.000 Menschen das Areal, das neben den rund 100 Tieren aus unterschiedlichsten Arten mit einem alten Baumbestand punktet.
Mächtige Wisente streiften einst durch die Wälder
Faszination pur macht sich am weitläufigen Gehege der Wisente breit. Wo kann man so viel Tier auf einmal so nahe kommen? Die größten und schwersten Landsäugetiere Europas sind die Vettern der amerikanischen Bisons. Nachweislich schon vor gut 120.000 Jahren gab es Wisente und selbst im Mittelalter waren die tonnenschweren Waldbewohner noch weit verbreitet. Dann kam, wie so oft, der Mensch, verfolgte sie, zerstörte den Lebensraum, rottete die Wisente weitgehend aus. Die mächtigen Wisente im Wildpark gehören zum weltweiten Arterhaltungsprogramm für diese stark vom Aussterben bedrohte Tierart.
Ja, auch die mausgrauen Tarpane, die es im Wildpark zu sehen gibt, tragen eine sehr lange Geschichte mit sich. Vorab: Was da zu sehen ist, sind Rückzüchtungen der ursprünglichen Wildpferde. Die Tiere, die als Felsmalereien in Steinzeithöhlen auftauchen und somit echt lange unterwegs waren, sind ausgestorben – und wieder steht der Mensch dahinter. In Kaiserslautern gab es bis ins 17. Jahrhundert Tarpane. Die Tiere waren scheu, freiheitsliebend, kaum zähmbar und selbst gegen Wölfe wehrhaft. Ihr Vergehen: Sie raubten den Bauern das Heu und entführten die Arbeitsstuten. Genau deshalb gab es einst auch in Kaiserslautern einen städtischen Wildgaulschützen, der die Tiere bejagte.
Die Auerochsen sind Nachzüchtungen
Die Auerochsen, die im Wildpark zur Freude der Besucher jedes Jahr ziemlich plüschigen Nachwuchs großziehen, sind ebenfalls Rückzüchtungen. Der letzte seiner Art wurde im Jahr 1627 in Polen erschossen. Warum? Die Frage bleibt unbeantwortet. Klar ist aber: Ohne das Wildrind gäbe es unser heutiges Hausrind nicht. Hausrinder sind aus der vor rund 8000 Jahren beginnenden Domestikation des Eurasischen Auerochsen entstanden.
Geschichten über Geschichten, die hier im Wildpark hinter den Tieren stehen. Es gibt zudem noch putzige Hasen, Lieblinge vieler Kinder. Wildkatzen, Luchse, Damwild, Muffel, Rehe oder Rotwild, mitsamt einem wunderschönen Hirschen, der in der Brunftzeit so grandios bei Stimme ist, sind hier zu bewundern und natürlich Wildschweine. Gut, die sind hier in der Region allgegenwärtig, aber mal ehrlich, wo kann man den Tieren ganz entspannt so nahe kommen und ihnen bei ihrem Treiben, dem Umgraben, Sandbaden oder mit viel Tamtam versehenen Streitigkeiten zusehen?
Das geht im Wildpark supergut, und das tatsächlich an 365 Tagen, ganz ohne Eintritt und wer mag mit Hund, der selbstverständlich an der Leine bleibt. Von Montag bis Freitag werden die Tiere zwischen 9 und 10 Uhr und zwischen 14 und 15 gefüttert. Samstag, Sonntag und an Feiertagen ist die Fütterungszeit von 9 bis 10 Uhr. Kostenlose Führungen, bei denen ganz viel über die Tiere im Wildpark zu erfahren ist, veranstaltet der Förderverein Wildpark Betzenberg.
