Bockenheim
Was den neuen Bürgermeister alles nervt
Was nervt Bockenheims Bürgermeister in seinem neuen Amt am meisten?
Auf diese Frage fallen dem neuen Bockenheimer Bürgermeister Uli Keidel gleich mehrere Antworten ein. Zuallererst nennt er: „die Bürokratie, die man leider aber mitmachen muss“. Außerdem findet er, dass die Verbandsgemeinde Leiningerland zu wenig Personal hat: „Die wenigen Beschäftigten dort müssen für alle Ortsgemeinden arbeiten und können es nicht allen recht und nicht alles sofort machen.“ Auch die Finanzen sind für ihn ein „leidiges Thema“: Ihn drückt das viele Umlage-Geld, das Bockenheim an die Verbandsgemeinde und den Kreis abgeben muss.
Wofür ist Keidel seinem Vorgänger besonders dankbar?
Keidels Vorgänger ist nach Querelen von seiner SPD nicht wieder als Bürgermeisterkandidat aufgestellt worden. Mittlerweile hat sich Gunther Bechtel den Genossen in seinem Herkunftsort Frankenthal angeschlossen und dort erklärt: Er habe von der Kommunalpolitik in Bockenheim „die Schnauze vollgehabt“. Im Guten ist er also offenbar nicht aus dem Amt geschieden. Sein Nachfolger allerdings lobt: „Er hat mir alles ordnungsgemäß hinterlassen und zum Teil auch mit persönlichen Notizen. Er hat einige Projekte gut vorbereitet, zum Beispiel den Mehrgenerationenplatz.“
Was ist die größte Hoffnung des Bockenheimer Bürgermeisters für 2025?
Keidel beteuert: „Wir wollen keine Hebesätze für die Grundsteuer erhöhen, die Grundsteuerreform ist genug Belastung für die Bürger.“ Außerdem solle die Planung fürs Baugebiet Brübel III vorangehen und der Flächennutzungsplan für die Gemeinde Gestalt annehmen. Vor allem aber sagt der Bürgermeister: „Der provisorische Kindergarten im Rathaus muss bis August fertig sein, hier darf nichts dazwischenkommen.“ Der Rat wird dann in der Emichsburg tagen.
Was läuft gerade richtig gut in Bockenheim?
Die Zusammenarbeit mit den Beigeordneten und im Gemeinderat funktioniere sehr gut. Das färbe auch auf die Bürger ab, findet der Bürgermeister: „Wir arbeiten zusammen, und so geht es voran.“
Die finanzielle Lage in den Gemeinden ist angespannt. Wo sieht Keidel Sparpotenzial?
Der Bürgermeister sagt: Sparen kann eine Gemeinde nur, indem sie auf unnötige Ausgaben verzichtet. Aber Bockenheim leiste sich derzeit ohnehin nur, was unbedingt sein müsse: „Wir haben zurzeit nur die nötigsten Dinge in Planung, wie den Ausbau der Kirchgasse und des Schlosswegs und natürlich unsere provisorische Kita im Rathaus.“ Darüber hinaus werde sich noch manches – hoffentlich – dank privater Helfer und Vereine verwirklichen lassen. Keidels Musterbeispiel für solches Engagement: der Weg durch die jüdische Vergangenheit Bockenheims.
Wie steht’s um den Breitband-Ausbau?
Ende 2023 wurde Bockenheim zum Maßstab für den geförderten Breitband-Ausbau in der Region: Die Firma Deutsche Glasfaser/Inexio sollte nach vielen Verzögerungen wenigstens diesen Ort vollständig anschließen, um ihre Chance auf die öffentlichen Subventionsmillionen nicht endgültig zu verspielen. Dem Unternehmen war das nach eigener Einschätzung gelungen, nach Wahrnehmung des damaligen Bürgermeisters Bechtel hingegen hatte es das Ziel verfehlt. Und in den Folgemonaten wurde auch im Rat noch kräftig über die Firma geschimpft, die allenfalls Einzelfall-Schwierigkeiten zugestand. Einzelne Reklamationen gebe es auch jetzt noch, sagt Keidel zum gegenwärtigen Stand. Die würden nach und nach abgearbeitet.
Zur Person
Uli Keidel ist bei der Kommunalwahl im Juni im Alter von 59 Jahren zum Bockenheimer Bürgermeister gewählt worden. Angetreten war er zum zweiten Mal, diesmal bekam er 60 Prozent der Stimmen. Unterstützt haben den parteilosen selbstständigen Schnapsbrenner die CDU und die FWG.