Bockenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Zu wenig Platz: Verwaltung im Rathaus muss Kindern weichen

Noch befindet sich im Bockenheimer Rathaus nur die Verwaltung. Schon bald zieht dort ein Teil der Kita ein.
Noch befindet sich im Bockenheimer Rathaus nur die Verwaltung. Schon bald zieht dort ein Teil der Kita ein.

Der Platz in der Kita in Bockenheim ist knapp. Die Lösung ist eigentlich eine neue Kita. Bis die kommt, dauert es – doch das geplante Provisorium gefällt auch nicht allen.

Da sich der Neubau einer zusätzlichen Kindertagesstätte in Bockenheim nicht so schnell verwirklichen lässt, wie er benötigt wird, will die Ortsgemeinde zunächst ein Provisorium einrichten. Geplant ist, die übervolle protestantische Kita um einen Gruppenraum für 25 Kinder zu ergänzen. Der soll in dem Gebäude im Leininger Ring entstehen, in dem sich aktuell das Rathaus befindet.

Kosten im sechsstelligen Bereich

Bruttokosten von 278.600 Euro – darunter fast 42.000 Euro Baunebenkosten – hat der beauftragte Architekt David Kölsch aus Grünstadt für die Umgestaltung errechnet. „Es müssen zum Beispiel eine Ausgabeküche geschaffen sowie Türen gesichert werden“, führte Ortsbürgermeister Uli Keidel (parteilos) aus.

Solche Arbeiten seien nach den Vorgaben der Unfallkasse Rheinland-Pfalz zwingend erforderlich, da das überwiegend als Bürofläche genutzte Erdgeschoss über keine sicherheitsrelevante Ausstattung verfüge. Insofern müssten auch eine Fluchtmöglichkeit mit Notausgangstür und eine Treppe gebaut werden. Außerdem bbraucht der Außenbereich einen Zaun. Letzteres wird – einschließlich der Gestaltung als Spielplatz – mit rund 45.500 Euro zu Buche schlagen.

Förderung vom Landkreis

Für den gleichen Betrag sind die technischen Anlagen auf Stand zu bringen – unter anderem müssen die Elektroinstallation angepasst, funkvernetzte Rauchmelder und andere Lampen montiert, kindgerechte Toiletten und Waschbecken eingebaut und neue Heizkörper und Lüfter angebracht werden. Für die Möbel in den Räumen, im Flur und der Anrichteküche ist noch einmal mit etwa 55.000 Euro zu rechnen. Nicht einkalkuliert ist der Aufwand für Umbau und Umzug der Verwaltungsräume der Ortsgemeinde. Die zuwendungsfähigen Kosten werden mit 40 Prozent über den Landkreis gefördert.

Kritik an einzelnen Posten

Eine Containerlösung wäre ähnlich kostenintensiv, informiert die Verwaltung in den Unterlagen. Auch gäbe es keine anderen geeigneten Bestandsgebäude in Bockenheim für so einen Interimskindergarten. „Der Umbau unseres Rathauses gefällt mir nicht, aber es gibt wohl keine andere Möglichkeit“, meinte Wieland Benß (FWG). Fraktionskollege Sebastian Schulz fragte ungläubig: „Ein Wickeltisch für 5000 Euro?“

Er befand, dass die angesetzten Preise zu hoch seien. Volker Griebel (SPD) zweifelte an, dass die Container nicht billiger zu haben sind. Auch ungünstig sei, dass die Emichsburg durch das notwendige Verlegen der Sitzungen nicht mehr für Vermietungen zur Verfügung stehe. Beim Parteikollegen Jürgen Schumacher schrillten die Alarmglocken. Er sagte: „Bitte, lasst uns nicht wieder von vorn diskutieren!“

Lärmproblem „Im Brübel“

Torsten Griebel von den Freien Wählern unterstützte ihn: „Mir gefällt der Umbau des Rathauses auch nicht. Aber wir sollten den Weg weiterverfolgen.“ Die Erste Beigeordnete Gabriele Martin (SPD) schlug in dieselbe Kerbe: Durch die Lösung könne schnell Ruhe in die überfüllte Kita gebracht werden. Bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen hat der Rat das Kita-Provisorium abgesegnet.

Areal ist zu laut

Die dauerhafte Kindertagesstätte wird im dritten Abschnitt des Baugebiets „Im Brübel“ errichtet. Den Plan für diesen Bereich legte Ulrich Villinger vom Ingenieurbüro Piske aus Ludwigshafen in vier Varianten vor. Gemeinsam haben alle, dass es auf dem dafür vorgesehenen Areal zwischen Steinborner Graben und Obrigheimer Straße für ein reines Wohngebiet zu laut ist. Gemessen worden seien tagsüber zwischen 6 und 22 Uhr Werte von bis zu 55 Dezibel.

Das sei gerade noch zulässig. Doch die nächtlichen Immissionen in der Zeit von 22 bis 6 Uhr überschritten die Grenzwerte von 40 Dezibel. „Es wurden Spitzen von 50 bis 55 Dezibel registriert“, beschrieb der Diplom-Ingenieur das Problem. Sein Lösungsvorschlag: die Ausweisung eines „dörflichen Wohngebietes“, in dem die Limits nicht so streng seien. Um die Fläche als solchen Bereich zu deklarieren, sei aber zwingend notwendig, „nicht wesentlich störendes Gewerbe“ zu integrieren, machte Villinger klar. Vor der Entscheidung für eine der Varianten wurde der Tagesordnungspunkt zur intensiven Beratung in den Bauausschuss zurückverwiesen.

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