Battenberg
Ein klarer Sieger – und Stimmen für den, der keine wollte
„Das Schlimmste, was passieren kann, ist eine Stichwahl“, unkte kurz nach 18 Uhr eine Wahlinteressierte vor dem Battenberger Wahllokal. „Am Ende noch eine mit’m Schmidte Peter“, spielte ihr Begleiter auf eine der Battenberger Besonderheiten bei der Ortsbürgermeisterwahl an. Denn Amtsinhaber Peter Schmidt wollte zunächst wieder antreten – und doch kein Kandidat mehr sein, nachdem sich Peter Dehio für die SPD und der parteilose Eric Bach um das Amt des Battenberger Ortsbürgermeisters beworben hatten. Für einen förmlichen Rückzug des 77-Jährigen war es aber schon zu spät. Weshalb er im Vorfeld alle Battenberger per Flugblatt aufgefordert hatte, ihn nicht zu wählen.
Zwölf Wähler haben sich nicht dran gehalten und doch ihr Kreuz bei ihm gesetzt. Aber: Bei einer Wahlbeteiligung von 85,4 Prozent haben 267 ihre Stimme an einen der beiden anderen Bewerber gegeben. 234 davon dem mit 32 Jahren jüngsten der drei Kandidaten: Eric Bach wurde mit überwältigenden 83,9 Prozent zum neuen Ortschef gewählt. Für den 77-jährigen Dehio votierten 33 Battenberger (11,8 Prozent). Ob der unterlegene SPD-Kandidat mit einer solch klaren Niederlage gerechnet hatte? Gerade nach dem Bekanntwerden seiner umstrittenen Wahlwerbung bei älteren Battenbergern als stellvertretender Vorsitzender des Leiningerland-Seniorenbeirats?
Der Verlierer
„Sagen wir’s mal so: Die letzte Phase des Wahlkampfes lief nicht unbedingt zu meinen Gunsten“, gab Dehio zu. Auch könne man in Battenberg mit der SPD derzeit „keinen Blumentopf gewinnen“. Allerdings habe er schon damit gerechnet, dass er ein Drittel der Stimmen erreichen könnte, so der 77-Jährige. Trotz der 234 Stimmen für Bach und nur 33 für ihn – also ein Siebtel statt einem Drittel – bleibe er, so Dehio, bei dem, was er schon vor der Wahl gesagt habe: „Egal, wer Ortsbürgermeister wird, ich werde mich weiter für Battenberg einsetzen.“
Der Sieger
Auch Eric Bach zeigte sich von der Höhe seines Sieges überrascht, obwohl er „im Dorf doch eine positive Stimmung und viel Unterstützung für mich und meine Kandidatur festgestellt“ habe, so Bach. Und: „Der Wähler hat es dann aber auch einfacher gehabt, als Peter Schmidt im Prinzip seine Kandidatur zurückgezogen hat – dass es aber so deutlich wird, damit habe ich nicht gerechnet.“ Mit Hilfe seiner Kumpels hatte Bach am frühen Sonntagmorgen 800 ofenfrische Brötchen aus einer Kuseler Bäckerei an die 200 Haushalte in Battenberg verteilt. „Aber an den Brötchen hat es sicher nicht gelegen, dass Eric über 83 Prozent der Stimmen bekommen hat – das ist einfach ein guter Mensch“, betonte schmunzelnd ein Freund Bachs auf dessen kleiner Wahlparty „natürlich mit gutem Battenberger Wein“.
Der Amtsinhaber
Ortschef Peter Schmidt schien bei der Bekanntgabe des Wahlergebnisses ein Stein vom Herzen zu fallen. „Ich bin sehr zufrieden damit“, sagte Schmidt: „Und gar nicht enttäuscht, weil ich nur zwölf Stimmen bekommen habe. Nein, ich hatte ja nur kandidiert, weil sich da noch kein anderer Bewerber gemeldet hatte. Ich bin in erster Linie sehr, sehr zufrieden über das eindeutige Votum der Battenberger.“ Offensichtlich hatte nicht nur eine Battenbergerin die Befürchtung, dass es in die Stichwahl gehen könnte. Die Besorgnis war umsonst. Wie brachte es Schmidt auf den Punkt: „Die Battenberger haben sich ganz eindeutig für die Jugend entschieden. Jetzt ist es an der Zeit, dass diese den Ort voranbringt.“

Wahlen Rheinland-Pfalz 2024: So hat die Pfalz gewählt
Verfolgen Sie live den aktuellen Stand der Auszählungen in unseren interaktiven Karten und Grafiken: Oberbürgermeister, Bürgermeister, Gemeinderäte, Kreis- und Stadträte, Bezirkstag - bei den Wahlen am 9. Juni könnte die Kommunalpolitik in Rheinland-Pfalz umgekrempelt werden. Foto: dpa /Jacob Schröter