Obersülzen RHEINPFALZ Plus Artikel Angst vor Windrad-Schatten: Hofbesitzer bangt um seinen Betrieb

Benjamin Lessner aus Obersülzen hat wegen eines geplanten Windrades Bedenken. Ihm geht es um das Wohl der Tiere und der Reiter.
Benjamin Lessner aus Obersülzen hat wegen eines geplanten Windrades Bedenken. Ihm geht es um das Wohl der Tiere und der Reiter.

Im Süden von Obersülzen sollen neue Windräder entstehen. Ein Pferdehofbesitzer sorgt sich um seine Existenz – und um die Sicherheit von Reitern.

Blickt Benjamin Lessner von seinem Haus Richtung Süden, macht er sich derzeit Sorgen. Dort liegt die A6 – und unweit davon soll ein Windrad aufgestellt werden. Das wäre nur wenige Hundert Meter von seinem Grundstück in Obersülzen entfernt.

So zumindest plant es die Firma Gaia aus Lambsheim. Sie möchte ein Areal östlich des Gewerbegebietes Rosengartenweg in Kirchheim und nördlich der A6 als Sonderbaufläche für Windräder ausweisen. Von vier Anlagen sollen zwei im südlichen Teil der Gemarkung Obersülzen entstehen, eine auf Großkarlbacher Gebiet und eine in Kirchheim unweit des Aldi-Lagers. Auf Nachfrage teilt Gaia mit, dass aktuell Schall- und Baugrundgutachten zu machen sind. Anschließend wird bei der zuständigen Behörde beantragt, das Projekt zu genehmigen. Das soll 2027 der Fall sein. Läuft alles nach Plan, könnten die Anlagen 2029/30 in Betrieb gehen.

Gefahr durch Schattenwurf

Mit den weiter weg stehenden Windrädern hat Lessner kein Problem, wie er betont. Grundsätzlich habe er nichts gegen Windkraft. „Wir sehen ja, was aktuell weltweit mit Gas und Öl passiert“, sagt er. Dieses eine Windrad allerdings, so nah an seinem Haus, da hat er Bedenken.

Um die Aussicht geht es ihm nicht. Der Obersülzener ist Eigentümer der Pferdepension Lessner. Er vermietet dort Stellplätze für Pferdebesitzer. Für die Tiere könnte das Windrad, so Lessner, ein Problem sein. Als Beispiel nennt er den Schattenwurf: Wenn sich die Rotorblätter im Sonnenlicht drehen, bewegt sich auch der entstehende Schatten – da könne das Tier Angst bekommen. Wenn es dann durchdreht, sei das für den Reiter gefährlich.

Abstandsregeln eingehalten

Lessner fürchtet, dass das Kunden abschrecken könnte. Seine Pension liegt in der Landschaft, umgeben von Feldern. Viele Pferdebesitzer reiteten gerne in der Umgebung. Wenn sie das aus Angst vor Fluchtreaktionen der Tiere nicht mehr wollten, seien hätte das Einbußen für seinen Betrieb.

Darüber hinaus würden Windräder ja nicht für einen Tag gebaut, sagt er. Eher blieben die Anlagen „25 Jahre bestehen“. Er fragt, ob die gesetzlich festgeschriebenen Abstandsregeln bei der Planung eingehalten wurden. Das Land Rheinland-Pfalz schreibt vor, dass mindestens 900 Meter zwischen der Anlage und Wohnhäusern einzuhalten sind. Warum, so Lessner, gelte das nicht auch für seinen Aussiedlerhof mit Ställen und Gebäuden?

Ob Gaia das Projekt am Ende so umsetzen wird, sei nicht sicher, vermutet der Hofbesitzer. Es müssten erst naturschutzrechtliche Fragen geklärt werden.

Es regt sich Widerstand

Für Obersülzens Bürgermeister Michael Schütz (CDU) ist das Gaia-Vorhaben das zweite Windradprojekt auf seinem Schreibtisch. Kürzlich wurde der umstrittene Industriepark in Dirmstein von der SGD Süd genehmigt. Siebzehn Windräder sollen dort ab 2027 entstehen. Die Ortsgemeinde hatte sich in der Vergangenheit mehrheitlich dagegen ausgesprochen. Ein Grund dafür: Die Anlagen könnten in die Lebensräume von windkraftsensiblen Vogelarten eingreifen – so hatte es der Naturschutzbund Nabu eingeschätzt.

Jetzt kommt auch noch die Firma Gaia mit ihrem Projekt im Süden der Ortsgemeinde dazu. Schütz sagt: „Wäre die Firma zu einem anderen Zeitpunkt gekommen, hätte sie bessere Karten gehabt.“ Aktuell seien viele Menschen durch den Industriepark in Dirmstein verärgert. Die Stimmung für noch ein Windradprojekt sei nicht gut. Was das Gaia-Vorhaben angeht, regt sich Widerstand in der Ortsgemeinde. Bereits bei einer Firmenpräsentation im Gemeinderat war der Raum voll, das Interesse groß, die Kritik laut.

Ortschef: „Vieles zu klären“

Damals hatte Schütz in Aussicht gestellt, eine Bürgerbefragung zu dem Thema zu machen. Die sei nun nicht mehr nötig, sagt er fast drei Monate später. In der Zeit hätte es eine Unterschriftensammlung in der Ortsgemeinde gegeben, die Privatleute auf die Beine gestellt hätten. Genaue Zahlen zum Ergebnis nannte er nicht, allerdings habe sich eine Mehrheit gegen das Projekt ausgesprochen.

Angesichts der neu geplanten Windräder wiederholt Schütz: „Ich möchte keinen Windrad-Zaun um Obersülzen haben.“ Sein Vorschlag: Der Gemeinderat soll bei seiner nächsten Sitzung über das Projekt abstimmen. Dann hätte der Rat seine Position geäußert, so der Ortschef. Ohnehin seien Fragen noch offen, beispielsweise an welchen Knotenpunkten der generierte Strom ins Netz übertragen werden soll. „Da ist auf jeden Fall noch Klärungsbedarf“, so Schütz. Wie er selbst im Rat abstimmen wird, verrät er nicht. Nur: „Ich werde mich nicht enthalten.“ Trotz mehrfacher Nachfragen der RHEINPFALZ gab es von der Firma Gaia seit Anfang März keine Rückmeldung mehr.

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