Rheinpfalz Abschaltmodul gegen Schattenwurf

Hätte man es nicht besser gewusst, hätte man am Donnerstagabend glauben können, man sei in einer Lesung satt in einer Ortsgemeinderatssitzung gelandet. Über zwei Stunden trug Herschbergs Bürgermeister Manfred Biedinger Stellungnahmen zu den geplanten Windkraftgebieten vor.
Fast 30 Stellungnahmen waren bei der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange zu den Bebauungsplänen eingegangen. Jede einzelne las Biedinger vor. Nicht etwa, weil es dem Bürgermeister besondere Freude gemacht hätte, sondern weil er andernfalls die Zuhörer, denen die Eingaben nicht bekannt waren, ausgeschlossen hätte. „Da hätte ich es auch im nichtöffentlichen Teil machen können“, so Biedinger. Zwei der Stellungnahmen thematisierten das gleiche Problem: Sowohl die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz als auch Familie Stoffel selbst wies auf die Lage des von ihr bewirtschafteten Aspenhofes hin. Der werde, legt man den Plan zugrunde, von Windkraftanlagen geradezu „umzingelt“, schrieb die Landwirtschaftskammer. Die nächste Anlage befinde sich nur 470 Meter vom Hof entfernt. Daher sei davon auszugehen, dass der Hof auch stark von Schattenwurf betroffen sei. Auch was die Nutzung der Wirtschaftswege zur Erschließung der Windkraftanlagen angehe, müsse eine Abstimmung mit der Landwirtschaft erfolgen, forderte die Landwirtschaftskammer. Um dem Problem des Schattenwurfes Herr zu werden, wies der Gemeinderat in seiner Stellungnahme einstimmig darauf hin, dass mittels eines Abschaltmoduls den Schattenwurf auf ein Minimum reduziert werden soll. Registriert ein Sensor im Windrad, dass die Grenzwerte für den Schattenwurf überschritten werden, wird der Rotor automatisch gestoppt. Diskussionen gab es wegen der Eingabe eines Mobilfunkanbieters, der darauf hinwies, dass der Rotor eines Windrades in eine Richtfunkstrecke rage. Das könne zu Problemen führen. Während die Beschlussvorlage vorsah, diese Richtfunkstrecke „im Zuge des weiteren Planungsprozesses zu berücksichtigen“, schlug Biedinger vor, eine Ergänzung aufzunehmen. Das betroffene Windrad solle aus dem betroffenen Korridor verschoben werden. Das könnte die Anlage allerdings je nach Verschieberichtung näher an einen Milanhorst heranbringen. Auch das könnte später zu Problemen führen. Letztlich einigte sich der Rat bei zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung, die Verschiebung der Anlage mit aufzunehmen. Die Richtung wurde allerdings offen gelassen. Einstimmig fiel der Entschluss zur Erneuerung der Abwasserleitung im Waldmuseum aus. An den Abwasserleitung der Kindertagesstätte, die sich im gleichen Gebäude befindet, waren ebenfalls undichte Stellen aufgetreten. Die sollen repariert werden. Außerdem beschloss der Rat die Küche in der gemeindeeigenen Mietwohnung im gleichen Gebäude renovieren zu lassen. Dort soll dann für die Kindergartenkinder gekocht werden. Die älteren Kinder könnten dort auch essen. Womöglich ließen sich auch Schlafmöglichkeiten einrichten, so Biedinger. Für die Sanierung des Spielplatzes hat die Sparkasse Südwestpfalz 500 Euro gespendet. Diese Spende nahm der Gemeinderat an. (clc)