Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Worauf Frankenthal sich 2025 freuen kann

Grund zum Jubeln: Das Strohhutfest 2025 wird ein besonderes.
Grund zum Jubeln: Das Strohhutfest 2025 wird ein besonderes.

So schlecht hat das neue Jahr für Frankenthal gar nicht begonnen. Fast acht Millionen Deutsche könnten den Namen der Stadt am Neujahrsabend registriert haben. Wenn sie beim „Tatort“ im Ersten genau hingehört haben. Denn im „Stelzenmann“, dem 81. Fall für die Ludwigshafener Kommissarin Lena Odenthal, stießen die Ermittlerinnen auf der Suche nach einem entführten Jungen vorübergehend auf die Spur des finsteren Betreibers eines Kiosks „in der Nähe von Frankenthal“. Die Fährte erwies sich zwar als falsch, der mürrische Mann hatte mit dem Verbrechen nichts zu tun, und der Drehort lag noch nicht mal in der Nähe der Stadt. Aber Frankenthal hat es in den „Tatort“ geschafft, der am Ende des ersten Fernsehabends im neuen Jahr seinerseits an der Spitze der Tages-Charts stand.

Erster Haken also auf der Bucket List (auf Deutsch tatsächlich Löffelliste) der freudigen Erwartungen ans Frankenthaler Jahr 2025. Worauf können wir uns im Jahresausblick noch freuen? Ganz klar: auf das Strohhutfest. Nicht weil es das beliebteste Straßenfest in der Pfalz ist. Das ist es schließlich jedes Jahr. Aber weil es 2025 zum 50. Mal gefeiert wird.

Im Neujahrs-„Tatort“ verschlägt es die TV-Kommissarinnen Lena Odenthal und Johanna Stern kurz auch nach Frankenthal.
Im Neujahrs-»Tatort« verschlägt es die TV-Kommissarinnen Lena Odenthal und Johanna Stern kurz auch nach Frankenthal.

Experiment wird zum Gassenhauer

Spitzfindige Rechenkünstler mögen nun einwenden, dass die Premiere doch bereits 1973 angeordnet wurde. In Form eines Experiments, „um einmal zu testen, unter welchen verkehrsmäßigen Bedingungen in der Innenstadt eine Fußgängerzone eingerichtet werden kann“. Aber kurz vorm rechnerischen Jubiläum verhagelte bekanntermaßen die Pandemie vielen Organisationen im Land die Statistiken, sodass die 49. Auflage verzögert erst 2024 ausgerufen werden konnte.

Und nun also das Jubiläum, von Christi Himmelfahrt am 29. Mai bis zum 1. Juni. Dass der internationale „Tag des Strohhuts“ bereits auf den 15. Mai fällt: Was soll’s? „Auf diese Weise begrüßt man das wärmere Wetter auf schöne Weise und würdigt die lange Geschichte des Hutes als praktisches Sonnenschutzmittel und modisches Statement“, heißt es in der Begründung zur Einführung des Ehrentags. Aber das gilt zwei Wochen später genauso gut. Und wenn nicht, dann braucht ein erprobter Strohhutfestbesucher keine Erklärung.

Schaulaufen der Kandidaten

Einstellen kann sich Frankenthal weiterhin auf die vorgezogene Bundestagswahl am 23. Februar. Im Wahlkreis Ludwigshafen/Frankenthal haben die Wählerinnen und Wähler gefühlt eine Rekordauswahl an Direktkandidaten – soweit sich diese Behauptung recherchieren ließ. Sage und schreibe acht Männer haben ihren Hut in den Ring geworfen. Bislang. Wenn er die notwendigen Stützunterschriften zusammenbekommt, will ein Frankenthaler auch noch für die Partei Volt in den Ring steigen. Demokratie lebt von der Auswahl, rein quantitativ betrachtet ist diese Anzahl also ein Zeichen für eine starke Demokratie. Das qualitative Urteil bleibt Ende Februar dem Wähler überlassen.

Unabhängig von dem Fakt, dass sich keine Vorderpfälzerin um ein Mandat im Bundestag bewirbt, ist den Konkurrenten auch deshalb Respekt zu zollen, weil völlig offen ist, ob der Spitzenreiter es auch tatsächlich wird antreten können. Denn die Reform der Wahlkreise und die daraus resultierende Verkleinerung des Bundestags könnte im ungünstigen Fall zur Folge haben, dass der Wahlkreis 206 im Landes-Ranking abgeschlagen landet und die ganzen Investitionen an Zeit und Geld für den Wahlkampf vergeblich waren. Bis dahin ist aber ein kurzes und knackiges Schaulaufen bei ebensolchen Temperaturen zu erwarten. Politische Prominenz hat sich für Frankenthal noch nicht angekündigt. Böse Zungen behaupten, dass mancher Kanzlerkandidat ohnedies nicht die Fähigkeit besitzt, ordentlich einheizen zu können.

Blankpoliert: Sudkessel im Frankenthaler Brauhaus zur Post.
Blankpoliert: Sudkessel im Frankenthaler Brauhaus zur Post.

Hobbybrauer aufgepasst

Ansonsten erwartet die Frankenthaler 2025 das Übliche, und das geht mal wieder ans Portemonnaie. Die meisten Krankenkassen erhöhen ihre Beiträge. Mitte Februar will das Rathaus die neuen Bescheide mit der reformierten Grundsteuerberechnung versenden, was viele Grundstücksbesitzer teuer zu stehen kommen wird. An den Tankstellen weisen die gestiegenen Benzinpreise auf die Verteuerung des CO2-Preises von 45 auf nun 55 Euro pro Tonne hin. Das Briefporto steigt ebenfalls um zehn – Cent allerdings, auf nun 95 Cent. Ab Mitte Januar wird die elektronische Patientenakte in Franken und Hamburg getestet, also noch recht weit entfernt von Frankenthal. Löcher im Zahn dürfen nicht mehr mit Amalgam gefüllt werden.

Wie beenden wir diesen unvollständigen Jahresausblick also positiv, worauf lohnt es sich, das Scheinwerferlicht zu lenken, anstatt verklärend in den Rückspiegel zu schauen? Eine gute Nachricht hätten wir noch. Sollten Sie Hobbybrauer sein, können Sie jetzt ein Fass aufmachen: Wer Bier für den eigenen Durst herstellt, zahlt weniger Steuer! Die ersten 500 Liter im Jahr sind neuerdings steuerfrei, für den Eigenbedarf ist das ja schon mal ein ordentlicher Schluck. Na dann Prosit Neujahr, aber bitte nur zum Privatvergnügen! Nicht, dass das Finanzamt noch einen Schluck abhaben will.

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