Ludwigshafen
Der erste Ludwigshafen-„Tatort“ des Jahres mogelt sich um die Stadt herum
An prominenter Stelle, will heißen zur besten Sendezeit im Ersten, hat Ludwigshafen am Neujahrstag das neue Fernsehjahr eröffnet. Dabei waren im nun zurückliegenden Jahr für den SWR-„Tatort: Der Stelzenmann“ die Hauptdarstellerin Ulrike Folkerts und das Team gerade einmal einen Tag lang vor Ort. Es war Fasnachtsdienstag, der 13. Februar, als nicht nur Narren, sondern auch die Schauspieler Folkerts, Lisa Bitter, Samuel Benito und Ulrich Brandhoff ihre Kostüme anlegten, um sich in die Kommissarinnen Lena Odenthal und Johanna Stern, das einstige Entführungsopfer Swen und den Kidnapper Oliver Kelm zu verwandeln. Die Dreharbeiten fanden auf und an der Parkinsel statt, wie am Mittwoch im Fernsehen zu sehen war.
Die Ermittlerinnen besuchen den Entführer in seinem Haus in der Straße Am Luitpoldhafen, und Odenthal schwärmt am Fenster beim Blick auf das Wasser und die „Schneckenudelbrick“: „Wirklich toll!“ Johanna Stern alleine geht mit Swen auf dem Kiesstreifen am Rheinufer entlang, in der Hoffnung, etwas Neues über seine ein Jahrzehnt zurückliegende Entführung zu hören. Sie erfährt vom Haustier wie vom Geruch im Verlies.
An der Rheinpromenade zwischen Ernst-Bloch-Zentrum und Ostasieninstitut sind die Kommissarinnen kurz unterwegs, und auch die Kurt-Schumacher-Brücke, mittlerweile schon so etwas wie das Wahrzeichen im Ludwigshafener „Tatort“, rückt wieder ins Bild. Im Hintergrund das Rathaus, das noch keine Anzeichen seines Rückbaus erkennen lässt. Die Dreharbeiten liefen vor der Demontage der Fensterelemente.
Karlsruhe wird Ludwigshafen
Alle anderen Aufnahmen für den 81. Ludwigshafener „Tatort“ wurden im Januar und Februar 2024 nicht vor Ort, also außerhalb Ludwigshafens, gemacht. Auf dem Weg zu den Rheinbrücken prägen die Hochstraßen das Stadtbild, und unter einer solchen, die man allerdings nicht am Schauplatz, sondern am Rande von Karlsruhe-Bulach fand, nimmt die Geschichte auch ihren Anfang.
Dass der Drehort überzeugt, also tatsächlich nach Ludwigshafen aussieht, hat man dem Location Scout – oder der Location Scoutin – Maria Wiesler zu verdanken, die ihn gefunden hat, und möglicherweise noch einem Szenenbildner, der Tags und bunte Graffiti auf den grauen Beton aufgebracht haben mag, damit er noch mehr nach Odenthals Revier ausschaut. Und auch ein „Kiosk in der Nähe von Frankenthal“ rückt vorübergehend in den Fokus der Ermittlungen.
Der achtjährige Paul, gerade auf dem Heimweg von seiner Schule, wird hier in ein Auto gezerrt und entführt. Kurz darauf kehrt der schwarze Mercedes noch einmal zurück, um die einzige Zeugin des unseligen Vorgangs letztlich tödlich auf die Haube zu nehmen. Die gewohnte Leichenbeschau unterbleibt.
Nur ein Hauch Dialekt
Die Ermittlerinnen fahnden weniger nach einem Mörder als nach Pauls Kidnapper, auch wenn das ein und dieselbe Person ist. Einfach, weil dieses Verbrechen viel dringender gelöst werden sollte, damit nicht noch ein weiteres Todesopfer zu beklagen sein wird. Neben Kurt Breising (Bernd Hölscher) vom LKA, der im letzten Ludwigshafener „Tatort“ noch eine unsympathischere Rolle einnahm, erfahren sie auch Unterstützung von den jungen Berufsanwärtern Nico Langenkamp (Johannes Scheidweiler) und Mara Herrmann (Davina Chanel Fox), die Westpfälzer Mundart einbringt. Nur ein Halbsatz regionalen Dialekts ist daneben aus dem Mund der Heidelberger Schauspielerin Anke Sonnentag in einer klitzekleinen Rolle zu hören.
Und doch sieht der von Anfang bis Ende spannende und auch berührende „Tatort“ nach Ludwigshafen aus. Auch wenn Pauls Eltern erstaunlich weit weg, an die Europabrücke nach Straßburg, gelotst werden, um das Lösegeld zu deponieren, und auch wenn das Altenheim, in dem die böse Großmutter residiert, viel mehr nach Baden-Baden, dem Standort des SWR, aussieht, als nach der Arbeiter- und Industriestadt am Rhein.
Noch Fragen?
„Der Stelzenmann“ wird an diesem Donnerstag um 1.40 Uhr im Ersten und um 2.20 Uhr bei One wiederholt.