Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Neubau PIH und KG: So kann Schule heute sein

Für die Schüler ist der Erweiterungsbau seit Ende 2021 längst selbstverständlicher Unterrichtsort. Die offizielle Einweihung war
Für die Schüler ist der Erweiterungsbau seit Ende 2021 längst selbstverständlicher Unterrichtsort. Die offizielle Einweihung war jetzt am Dienstag.

Den Praxistest hat der Neubau am Röntgenplatz in Frankenthal bereits bestanden. Seit Ende 2021 werden in den modernen Räumen Schüler des Karolinen-Gymnasiums und des Pfalzinstituts für Hören und Kommunikation unterrichtet. Ein Pilotprojekt.

„Die Schüler von PIH und KG sprechen nicht über Integration – sie leben sie.“ Mit diesem Statement machte Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) am Dienstagmorgen bei der offiziellen Einweihung des Erweiterungsbaus der beiden Schulen deutlich, dass hier nach längerer Planungsarbeit mehr als nur ein Unterrichtsgebäude entstanden ist. Die Kooperation zwischen Bezirksverband und Stadt nennt Hebich ein „Vorzeigeprojekt“.

Wie eingespielt das Miteinander bereits nach kurzer Zeit ist, demonstrierte besonders schön der Auftritt der KG-Bandklasse mit Sängerin Lilly Damm vom Pfalzinstitut (PIH), die Vertreter aus Politik und Stadtleben zum Mitklatschen brachten. Ein engerer Austausch im Bereich Musik – neben Bands beider Schulen traten das Ukulele-Orchester (KG) und die Rhythm Kids (PIH) bei der Feier auf – ist einer von vielen Mosaiksteinchen, die beide Schulen nicht nur räumlich zusammenrücken lassen sollen.

Barrierefrei und mit flächendeckendem WLan

Als „ein zukunftsweisendes Pilotprojekt“ bezeichnet Bauleiter Julien Christl vom Frankfurter Architektenbüro Christl und Bruchhäuser den rund 15 Millionen Euro teuren dreistöckigen Neubau mit markanter Fassade aus recyceltem Aluminium. Alle Räume sind schallschutztechnisch an die Bedürfnisse von hörbeeinträchtigten Schülern angepasst, das gesamte Gebäude ist barrierefrei und mit WLAN ausgestattet. Ein Farbkonzept soll Schülern und Lehrern, aber auch Rettungskräften die Orientierung erleichtern, Lüftungstechnik und ein automatisches Sonnenschutzsystem sollen für ein angenehmes Raumklima sorgen. Pilotprojekt für die Stadt Frankenthal ist laut Christl ein Rufsystem mit Verbindung zur Leitstelle, das im Notfall in Sälen und auf den Fluren aktiviert werden kann.

So klingt Kooperation: Die Bands von Pfalzinstitut (Foto) und Karolinen-Gymnasium wollen künftig gemeinsame Auftritte planen.
So klingt Kooperation: Die Bands von Pfalzinstitut (Foto) und Karolinen-Gymnasium wollen künftig gemeinsame Auftritte planen.
»Ein Vorzeigeprojekt« nennt Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) die Kooperation von Bezirksverband und Stadt.
„Ein Vorzeigeprojekt“ nennt Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) die Kooperation von Bezirksverband und Stadt.
»So schön kann Schule sein«: PIH-Konrektorin Beate Ullrich und KG-Rektor Christian Bayer schätzen die guten Rahmenbedingungen in
„So schön kann Schule sein“: PIH-Konrektorin Beate Ullrich und KG-Rektor Christian Bayer schätzen die guten Rahmenbedingungen in dem Neubau.
Coole Trommler: die Rhythm Kids des Pfalzinstituts.
Coole Trommler: die Rhythm Kids des Pfalzinstituts.
Kleines Instrument, große Begeisterung: das Ukulele-Orchester des Karolinen-Gymnasiums.
Kleines Instrument, große Begeisterung: das Ukulele-Orchester des Karolinen-Gymnasiums.
Einmalige Chance auf Abitur für hörbeeinträchtigte Schüler: Staatssekretärin Bettina Brück sichert den Schulen die Unterstützung
Einmalige Chance auf Abitur für hörbeeinträchtigte Schüler: Staatssekretärin Bettina Brück sichert den Schulen die Unterstützung des Landes zu.

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Das Frankfurter Architektenteam ist spezialisiert auf Schulbauten. Trotzdem sei das Frankenthaler Projekt für ihn ein besonderes gewesen, sagt Christl. „Spannend“ nennt er den Prozess, gemeinsam mit zwei Schulträgern und zwei Kollegien ein Konzept zu entwickeln, das allen Bedürfnissen gerecht wird. Entstanden sind unter der Federführung des Bezirksverbands als Träger des PIH und in Kooperation mit der Stadt Frankenthal, die künftig als Schulträger den Neubau betreut, auf rund 2300 Quadratmetern 15 Klassensäle, acht naturwissenschaftliche Fachräume, eine Lehrküche und je ein großer Mehrzweckraum für jede Schule. Weil der Untergrund nicht ausreichend tragfähig war, ruht das Bauwerk auf rund 300 Betonpfählen, wie Projektleiter Mark de Fries von der Bauabteilung des Bezirksverbands bei einem Rundgang erläuterte.

Ziel: Abitur für Hörbeeinträchtigte

Der Bezirkstagsvorsitzende Theo Wieder (CDU), der aufgrund einer Corona-Erkrankung per Video zu der Feier zugeschaltet war, erinnerte an die Vorgeschichte des Baus, den er maßgeblich mit initiiert hat. Ausgangspunkt sei die massive Raumnot am Gymnasium gewesen. Auch am Pfalzinstitut gab es Erweiterungsbedarf, insbesondere die Fachräume für Chemie und Physik entsprachen ebenso wie die Lehrküche nicht den Anforderungen eines modernen und praxisnahen Unterrichts, wie PIH-Konrektorin Beate Ullrich am Dienstag ausführte.

Die Einweihung des gemeinsamen Schulgebäudes und die engere Zusammenarbeit von KG und PIH soll den Weg für hörbeeinträchtigte Kinder zum Abitur ebnen. Eine Möglichkeit, die es in dieser Form in Rheinland-Pfalz bisher nicht gibt. Bereits im kommenden Schuljahr sollen vier Schüler mit Hörbeeinträchtigung am KG unterrichtet werden, informierte die Staatssekretärin für Bildung, Bettina Brück (SPD). Sie sicherte beiden Schulträgern die weitere Unterstützung des Landes zu, das den Bau mit 4,5 Millionen Euro bezuschusste. Schon bisher würden beeinträchtigte Kinder in seiner Schule unterrichtet, betonte Christian Bayer, Direktor des Karolinen-Gymnasiums. Sie seien allerdings bisweilen hinter ihren Möglichkeiten geblieben, weil die Rahmenbedingungen nicht gepasst hätten. Das soll sich nun ändern.

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