Frankenthal
Neubau als Schnittstelle zwischen den Schulen
Michael Christl ist die Begeisterung darüber anzumerken, wie der in seinem Büro entstandene Entwurf seit dem ersten Spatenstich im September 2018 sozusagen gebaute Wirklichkeit geworden ist. Der Architekt und sein Partner Joachim Bruchhäuser bringen einiges an Erfahrung im Schulbau mit. Ein von zwei Einrichtungen mit auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Bedürfnissen genutztes Gebäude wie dieses haben aber auch sie noch nicht geplant. Denn: In den 15 Klassensälen, den acht naturwissenschaftlichen Fachräumen, in der Lehrküche und in dem großen Mehrzweckraum im Erdgeschoss werden ab diesem Herbst Schüler des Karolinen-Gymnasiums und Kinder und Jugendliche des Pfalzinstituts für Hören und Kommunikation (PIH) lernen.
Ein Gebäude, zwei Träger
Der rund 15 Millionen Euro teure Neubau steht nicht nur räumlich betrachtet auf der Schnittstelle zwischen den Schulen. Er ist die Voraussetzung für den ehrgeizigen pädagogischen Plan, den der Bezirksverband Pfalz als Träger des PIH und die für das KG verantwortliche Stadt Frankenthal gefasst haben: Hörsprachbehinderte sollen hier künftig die Chance bekommen, das Abitur zu machen, wie Bürgermeister Bernd Knöppel (CDU) beim Rundgang auf der schon fast abgeschlossenen Baustelle betont. Die beiden Akteure teilen sich auch die Kosten auf – exakt berechnet auf Basis der künftigen Nutzung: 78,5 Prozent bezahlt die Stadt, 21,5 Prozent das PIH. Bauherr des Projekts allerdings ist der Bezirksverband.
Und was unter dessen Ägide entstanden ist, das kann sich tatsächlich sehen lassen. Eine begrünte Außenanlage muss man sich derzeit noch dazudenken, aber die beiden Schulen bekommen ein offenbar durchdachtes und in mancherlei Hinsicht innovatives Gebäude. Da ist die Anordnung der rund 3000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche um einen Innenhof, der später auch als „grünes Klassenzimmer“ dienen kann. Da ist die mit Vorsprüngen und nach innen gezogenen Balkonen aufgelockerte Fassade. Und da sind ständige Wechsel im Inneren zwischen glatten Flächen und robustem Sichtbeton.
Wer allerdings glaubt, die unterschiedlich farbigen Wegweiser seien nur ein ästhetisches Detail, der irrt sich. Diese Elemente sind, wie die Architekten erklären, das vielleicht Innovativste am ganzen Gebäude. In Kombination mit auf allen Fluren verteilten Kommunikationsterminals sind die Farben Teil eines Pilotprojekts in Frankenthal: Der Erweiterungsbau ist mit einem sogenannten Notfall-Gefahren-Rufsystem ausgestattet.
Farbige Orientierungshilfe
Neben der Technik geht es dabei vor allem um Orientierung – für Lehrer und Kinder, aber auch für Rettungs- und Einsatzkräfte. Diese könnten sich, wie Matthias Schulz von der Bauabteilung des Bezirksverbands erklärt, im Notfall über die Farbgebung besser verständigen und abstimmen. Die Erfahrungen mit dem neuen Konzept könnten in einem weiteren Schritt auch beispielgebend für weitere Schulgebäude in Frankenthal werden. Von einem einheitlichen System würden dann von der Feuerwehr über Polizei bis zum Notarzt alle profitieren, so Bürgermeister Knöppel. Der Gag: Die Farben im Innern tauchen auch an der Fassade wieder auf.
Den Architekten Christl und Bruchhäuser kommt es daneben auch auf die inneren Werte an: Mit viel intelligenter Technik ist es den Planern gelungen, den sogenannten Primärenergiebedarf des Schulgebäudes auf unter 70 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr zu drücken. Genutzt wird dafür ein Blockheizkraftwerk. Für angenehme Temperaturen im Sommer sorgt eine raumlufttechnische Anlage mit Wärmerückgewinnung. Inzwischen Standard bei allen Neubauprojekten ist LED-Beleuchtung. Beziehen dürfen KG und PIH die neuen Räume im Oktober nach den Herbstferien. Die offizielle Einweihung ist im Dezember geplant.