Frankenthal
Frankenthal: Schulneubau für Pfalzinstitut und Gymnasium wird teurer
Das gemeinsam von Bezirksverband und Stadt Frankenthal geplante und finanzierte Gebäude für Pfalzinstitut und Karolinen-Gymnasium wird wohl teurer als bislang kalkuliert. Die aktuelle Schätzung für das Großprojekt bewegt sich bei 13,5 Millionen Euro.
Als Gründe für die Kostensteigerung nennt Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder (CDU) an erster Stelle die Entwicklung der Baupreise: Diese lägen inzwischen um die zehn Prozent über dem langjährigen Durchschnitt. Bei früheren Projekten des Bezirksverbands Pfalz sei die allgemeine Marktentwicklung zwar schon spürbar gewesen, weil aber manche Gewerke noch billiger als geschätzt vergeben wurden, habe die Kalkulation unterm Strich wieder gepasst.
Damit rechnet Wieder beim Erweiterungsbau für die benachbarten Schulen des Pfalzinstituts für Hören und Kommunikation (PIH) und Karolinen-Gymnasium (KG) nicht. Einfluss auf die Preisspirale habe man nicht: „Die öffentliche Hand ist als Bauherr an die Ergebnisse der Ausschreibungen gebunden.“ Der frühere Frankenthaler OB kündigte gegenüber der RHEINPFALZ an, wegen der höheren Gesamtkosten das Gespräch mit dem Land als Zuschussgeber suchen zu wollen. Theo Wieder will das Vorhaben aber nicht auf den Aspekt der Finanzierung reduziert wissen: „Das hier ist ein sehr innovatives Projekt, das uns weit nach vorne bringen wird“, betont er selbstbewusst.
Gebäude ruht auf Pfählen
Der gegenüber den Ursprungsplänen veränderte Unterbau des künftig gemeinsam von Schülern des KG und des PIH genutzten Gebäudes sei kein Kostentreiber, erläutert Wieder. Weil der Untergrund des Baufelds sich bei Untersuchungen als sehr unterschiedlich tragfähig herausgestellt habe, gründe das Schulhaus auf einer Konstruktion aus Betonpfählen, die in den zurückliegenden Wochen in den Boden getrieben wurden. Jetzt folgt nach den Angaben von Projektleiter Mark de Fries von der federführenden Bauabteilung des Bezirksverbands die Bodenplatte. Dann sei die Baustelle erst einmal „aus dem Staub heraus“, ergänzt Theo Wieder.
Besonderheiten des Kooperationsprojekts sind ihm zufolge neben der Pfahlgründung die geplante zentrale Lüftungsanlage und ein sogenanntes Notfallgefahrenrufsystem, das modular angelegt ist und nach und nach auf alle Teile des Pfalzinstituts erweitert werden kann, erklärt Wieder. Das sei theoretisch natürlich auch beim Karolinen-Gymnasium möglich, dort habe allerdings die Stadt als Schulträger das Sagen.
Ziel: Abitur für PIH-Schüler
Als Chef des Bezirksverbands Pfalz, zu dem das PIH gehört, liegt Theo Wieder allerdings vor allem der pädagogische Nutzen des Neubaus am Herzen: Er soll Jugendlichen, die am Pfalzinstitut ihren Abschluss der Sekundarstufe I (Mittlere Reife) gepackt haben, die Chance aufs Abitur eröffnen. „Das gab es bisher nicht. Wer das bisher machen wollte, musste bisher weit weg ins Internat.“ Wenn alles nach Wieders Vorstellungen klappt, wird das Pfalzinstitut die einzige Schule im Umkreis von 200 Kilometern um Frankenthal sein, die hörbehinderten jungen Menschen das Abi ermöglicht. „Der Bau ist eine Voraussetzung“, sagt der Bezirkstagsvorsitzende.
Das Ziel wirkt sich auch auf die Planung des Gebäudes aus: Die Klassensäle und Fachräume werden nach Wieders Darstellung so ausgerüstet und gestaltet sein, dass sie den speziellen Bedürfnissen der PIH-Schüler entsprechen. Mark de Fries weckt außerdem die Neugier darauf, wie der Neubau in seine Umgebung eingebettet sein wird: „Weil es sich bei der Lage der beiden benachbarten Schulen anbietet, wollen wir das Ganze ein bisschen campusmäßig anlegen.“
Zur Sache: Das Projekt in Zahlen
Auf dem Gelände zwischen Pfalzinstitut und Karolinen-Gymnasium entsteht seit Ende Juli ein dreigeschossiger Erweiterungsbau: 47 Meter lang, 30 Meter breit mit Innenhof. Er wird nach Angaben des Bezirksverbands Pfalz eine Nutzfläche von 2270 Quadratmetern haben und 15 Klassensäle sowie acht naturwissenschaftliche Fachräume beherbergen. Gegründet wird das Gebäude auf 140 Betonpfählen mit einem Durchmesser von jeweils 60 Zentimetern. Die Gesamtlänge der Pfähle: rund zwei Kilometer. Laut Bezirksverband hat der Neubau ein Gesamtgewicht von 8800 Tonnen. Das entspricht nach Rechnung der Planer dem Gewicht von 50 Boeing- 747-Flugzeugen.