Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel PIH und KG: Neubau bietet bessere Bedingungen für Kooperation

Von der guten Akustik in den Räumen des gemeinsamen Erweiterungsbaus profitieren Schüler und Lehrer beider Schulen.
Von der guten Akustik in den Räumen des gemeinsamen Erweiterungsbaus profitieren Schüler und Lehrer beider Schulen.

Mehr Kindern mit Hörbeeinträchtigung den Weg zum Abitur zu erleichtern: Dafür könnte der gemeinsame Erweiterungsbau von Karolinen-Gymnasium (KG) und Pfalzinstitut für Hören und Kommunikation (PIH) einen wichtigen Beitrag leisten. Warum, erklärt die stellvertretende Schulleiterin des KG, Karin Reißer-Mahla.

Frau Reißer-Mahla, unter Federführung des Bezirksverbandes Pfalz wurde beiden Schulen ein schicker Erweiterungsbau hingesetzt. Als stellvertretende Schulleiterin des Karolinen-Gymnasiums müssen Sie darüber ziemlich glücklich sein.
Das bin ich auch. Der Neubau ist gelungen. Darüber hinaus geht es aber auch darum, welche Möglichkeiten das Gebäude uns bietet, gerade für den Unterricht von Kindern, die eine Hörbeeinträchtigung haben.

Was wird durch den Neubau besser?
Wir haben durch ihn viel bessere Rahmenbedingungen, weil die Raumakustik an die Bedürfnisse hörbeeinträchtigter Kinder angepasst ist. Man hat viel unternommen, damit Störgeräusche reduziert werden. Wände und Decken schlucken den Schall und sorgen dafür, dass Geräusche nicht mehr so lange nachhallen. Das ist ganz wichtig, weil Kinder mit Hörhilfen sehr empfindlich für Lärm sind.

Und Lärm gehört zu einer Schule dazu wie Tafel und Schulbank.
Richtig. Laute Geräusche sind eine Hürde, wenn man hörbeeinträchtigte Kinder unterrichtet. Zum einen für die betroffenen Kinder selbst, die sich darauf konzentrieren müssen, die für sie wichtigen Informationen aus der Geräuschkulisse herauszufiltern. Das erfordert seitens der Lehrkräfte ein besonderes Maß an Einfühlungsvermögen. Aber auch die Mitschüler müssen viel Rücksicht nehmen und sehr diszipliniert sein. Wir haben zum Beispiel ein hörbeeinträchtigtes Kind in einer sechsten Klasse. Dort haben wir eigens ein Mikro aufgestellt. Derjenige, der redet, nimmt das Mikro, alle anderen sind still. Das klappt ganz ausgezeichnet.

Klingt gut. Aber bei einer Beeinträchtigung des Hörvermögens ist ein niedriger Geräuschpegel nur eine Herausforderung von vielen, nehme ich an.
Das stimmt. Allein schon das aufmerksame Zuhören ist für diese Kinder sehr anstrengend, einiges wird von ihnen vielleicht auch gar nicht gehört. Dessen muss man sich als Lehrkraft bewusst sein. Es ist ein Glück, dass wir das PIH nebenan haben, das uns beratend unterstützt. Kommunikation ist ja nicht nur Sprache. Gerade Menschen mit Hörbeeinträchtigungen achten genau auf Gestik und Mimik, das müssen Lehrkräfte erst einmal verinnerlichen. In Zeiten von Masken ist das natürlich eine zusätzliche Erschwernis.

Wie muss der Unterricht mit hörbeeinträchtigten Kindern ablaufen?
Wir versuchen, möglichst viele Inhalte zu visualisieren. Dazu gehören Tafelbilder. Zu Stundenbeginn gibt es einen Überblick über das Stundenthema, das schafft schon mal Orientierung. Wir schreiben Stichworte an die Tafel und verteilen Handouts bei Präsentationen.

Sollte das nicht immer so sein, auch in Klassen, in denen keine hörgeschädigten Kinder sitzen?
Natürlich. Eigentlich sind das auch gar keine Extras, sondern Dinge, die zu jedem guten Unterricht dazugehören.

Nicht selten gehen Hörbeeinträchtigungen mit sprachlichen Problemen einher, manche Kinder haben Schwierigkeiten, sich auszudrücken. Das ist gerade bei Fremdsprachen fatal.
Da muss ich Ihnen widersprechen. Wir haben hörgeschädigte Schülerinnen und Schüler, die sich ganz ausgezeichnet ausdrücken können.

Was vielleicht auch daran liegt, dass diese Kinder sonst keine Gymnasialempfehlung hätten.
Das ist sicher in vielen Fällen so. Dennoch haben wir auch immer wieder hörgeschädigte Kinder, die beispielsweise Hemmungen haben, sich frei sprechend am Unterricht zu beteiligen. In solchen Fällen können unter anderem schriftliche Ersatzleistungen erbracht werden. Außerdem gibt es ja noch die Möglichkeit des Nachteilsausgleichs, so dass zum Beispiel hörgeschädigte Kinder bei Klassenarbeiten etwas mehr Zeit bekommen. Damit sind sie jedoch nicht allein. Wir unterrichten ja auch Kinder mit anderen Einschränkungen, Kinder mit Autismus oder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche. Auch ihnen wird dieser Nachteilsausgleich gewährt.

Wie viele Schülerinnen und Schüler mit Hörbeeinträchtigungen sind am KG?
Derzeit haben wir vier Kinder in verschieden Jahrgangsstufen. Vorzugsweise deren Klassen haben wir in dem neuen Gebäude untergebracht.

Vier – das ist eine überschaubare Anzahl.
Ja. Aber es sollen mehr werden. Zumindest ist das die gemeinsame Vision von KG und PIH. Mehr Kinder, die ihren Schulweg beim PIH durchlaufen und danach in unsere Oberstufe wechseln können. Bisher war das noch nicht der Fall. Wir hoffen darauf, dass das gemeinsam genutzte Gebäude den Übergang erleichtert.

Haben Sie genug Plätze zur Verfügung, um weitere Oberstufenschüler aufnehmen zu können?
Sie müssen sehen, von welchen Größenordnungen wir reden. Grundsätzlich glaube ich nicht, dass wir mit einem Andrang rechnen müssen, den wir nicht bewältigen könnten.

Zur Person

Karin Reißer-Mahla, 59, ist stellvertretende Schulleiterin am Karolinen-Gymnasium. Sie ist seit 2015 am KG und unterrichtet Englisch und Geschichte.

Hofft, dass mehr Kinder den Wechsel vom PIH in die Oberstufe des Karolinen-Gymnasiums wagen: Karin Reißer-Mahla, stellvertretend
Hofft, dass mehr Kinder den Wechsel vom PIH in die Oberstufe des Karolinen-Gymnasiums wagen: Karin Reißer-Mahla, stellvertretende Schulleiterin am KG.
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