Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Kita St. Ludwig in Frankenthal: Wo Maria ihrem Josef Linsensuppe kocht

Im Adventszimmer der Frankenthaler Kita St. Ludwig: Die Erzieherinnen Teresa Bommicino (links) und Justina Stauffer erzählen die
Im Adventszimmer der Frankenthaler Kita St. Ludwig: Die Erzieherinnen Teresa Bommicino (links) und Justina Stauffer erzählen die Weihnachtsgeschichte.

Für die katholische Kita St. Ludwig geht ein turbulentes Jahr zu Ende. Wenigstens endet es besser, als es begonnen hat. Das ist auch dem Idealismus des Personals zu verdanken.

„Jesus ist in deinem Bauch“, erklärt die kleine Zuhörerin im Brustton der Überzeugung. Und wenn man genau hinschaut, ist da tatsächlich eine kleine Wölbung unter dem blauen Gewand der vor dem Mädchen stehenden Maria zu erkennen, wenn auch nur eine mit einem Kissen ausgestopfte.

Im wahren Leben heißt diese Maria allerdings Teresa Bommicino. Sie gehört zu dem engagierten Team, das knapp neun Erzieherstellen in der katholischen Kita St. Ludwig in Frankenthal ausfüllt. In der Westlichen Ringstraße öffnet es in diesen Dezembertagen einen besonderen Adventskalender für die mehr als 60 betreuten Kleinkinder.

Mehr aus Frankenthal

50-Tonnen-Kran hievt KSB-Logo aufs Dach: So ist das Spektakel abgelaufen
Von Dubbe bis Diamantstickerei: Geschenkevielfalt auf dem Frankenthaler Weihnachtsmarkt
Advent: Im Mehrgenerationenhaus Frankenthal weihnachtet es kräftig

Das Adventszimmer im Untergeschoss ist der biblischen Weihnachtsgeschichte nachempfunden, offener Stall und Lagerfeuer mit Flammen aus gelbem und rotem Krepppapier für die Hirten inklusive. Tag für Tag wird das Wunder der Geburt Jesu eine Episode weiter erzählt und dargestellt – so, dass es die Kleinen aus den verschiedenen Nationen und Kulturkreisen verstehen und nachsprechen können. Sprachbildung mit Maria sozusagen. „Lin-sen-sup-pe“ krähen sie im Chor, als Bommicino nachfragt, was sie denn da gerade im Topf für ihren Josef anrührt.

Personalengpass überwunden

Der tägliche Gang ins feierlich dekorierte Adventszimmer steht beispielhaft für das pädagogische Konzept und das kreative Engagement der Erzieherinnen in St. Ludwig. Die Kita ist – neben Heilig Kreuz in Mörsch – eine von zwei in der Trägerschaft der Frankenthaler Katholiken. In der ersten Jahreshälfte hatte sich die Lage am Rande der Innenstadt drastisch zugespitzt. Fast die Hälfte der knapp neun Stellen war vorübergehend vakant. Der Weggang von zwei Mitarbeiterinnen zwang zu Einschnitten, 18 von 67 Plätzen konnten damit rechnerisch nicht betreut werden. Mit einer optimalen Personalausstattung könnten sogar 75 Regelplätze für Sonnenblumen-, Käfer- und Froschkinder vergeben werden.

Sonderschicht am Adventssamstag: das Team von St. Ludwig am Verkaufsstand in der Bahnhofstraße.
Sonderschicht am Adventssamstag: das Team von St. Ludwig am Verkaufsstand in der Bahnhofstraße.

„Einer Erzieherin 25 Kinder zu übertragen, wäre für alle Seiten unverantwortlich gewesen“, erklärt Pfarrer Andreas Rubel, der qua Amt auch Vorsitzender des Verwaltungsrats von St. Ludwig ist. Also mussten moderate Abstriche gemacht, pädagogische Angebote ausgelassen, Öffnungszeiten verkürzt werden. Die ganz großen Einschnitte bis hin zu tageweise Schließungen blieben zwar aus, „dennoch waren die Ungewissheiten und Improvisationen für Eltern belastend“, räumt Rubel ein.

Förderverein feiert Silberjubiläum

Nach den Sommerferien hat sich die Personalsituation erst mal stabilisiert. Und nicht nur das. Der Zusammenhalt im Team der Kita St. Ludwig ist derart gewachsen, dass alle neun Erzieherinnen gerade einen Adventssamstag geopfert haben, um an einem Verkaufsstand in der Bahnhofstraße Eingekochtes, Gebackenes und Gebasteltes zu verkaufen. 1000 Euro fließen als Resultat in die Kasse des Fördervereins, der vor 25 Jahren gegründet worden ist. Er ermöglicht etwa die Anschaffung von Spielgeräten, Ausflüge, zum Beispiel ins Kunsthaus, oder die Finanzierung von Sonderprojekten in der Kita wie etwa im nächsten Jahr ein Präventionstraining für Vorschulkinder. Die Bürgerstiftung ihrerseits hat der Einrichtung erstmals ein Resilienztraining gesponsert.

Katharina Ruppert leitet die Kita seit etwas mehr als zwei Jahren.
Katharina Ruppert leitet die Kita seit etwas mehr als zwei Jahren.

Mittelfristiges Ziel des Fördervereins bleibt die Beschäftigung einer Mitarbeiterin, speziell für die Sprachförderung für die wachsende Anzahl an Kindern, die derzeit ohne ausreichende Deutschkenntnisse in die Grundschule wechseln. Der ursprünglich von katholischen Ordensschwestern geleitete Kindergarten, der in den 80er-Jahren von der Wormser in die Ringstraße umgezogen ist, weist laut Kita-Leiterin Katharina Ruppert einen hohen Migrantenanteil und Betreuungsbedarf auf.

Diese Unterstützung und der Teamgeist motivieren sie, die Herausforderungen des neuen Jahres anzugehen. Mit rechnerisch 74 offenen Fachkraftstunden pro Woche ist zwar nicht der Höchstwert aus dem Frühjahr mit 113 Stunden erreicht, im Vergleich zum Herbst hat er sich aber schon wieder verdoppelt. „Wir schreiben Stellen aus, aber wir sind nicht die Einzigen auf der Suche nach Personal“, kommentiert Rubel den Versuch, auf die natürliche Personalfluktuation zu reagieren.

„Dafür geben die Kolleginnen 1000 Prozent, begleiten so manche Eltern auch zu Einschulungsgesprächen“, ist Ruppert dankbar. „Sie machen ihren Beruf aus Berufung“ Und das nicht nur in der Kita. Die Marmelade, die am Adventsstand verkauft worden ist, ist auf den heimischen Herden angerührt worden.

Im Netz

Die Kita St. Ludwig: https://kitastludwig.de
Der Förderverein der Kita: https://kitastludwig.de/willkommen-zur-kita-st-ludwig-in-frankenthal/foerderverein/

x