Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Kita: Personalnot trifft auch Kirche als Träger

Weil vier Erzieherinnen fehlen, muss die katholische Kita St. Ludwig ihr Betreuungsangebot reduzieren.
Weil vier Erzieherinnen fehlen, muss die katholische Kita St. Ludwig ihr Betreuungsangebot reduzieren.

Eingeschränkte Betreuungszeiten, weil Personal fehlt: Das kennen viele Familien. Besonders schwierig ist die Lage seit Monaten in der katholischen Kita St. Ludwig.

Mit akribisch geführten und tagesaktuellen Anwesenheitslisten versuchen Leiterin Katharina Ruppert und ihre verbliebenen Kolleginnen in der katholischen Kindertagesstätte St. Ludwig, so vielen Kindern wie möglich den Besuch in der Einrichtung zu ermöglichen. Doch weil nach dem Weggang von zwei Fachkräften im April in der Kita nun bei knapp neun Stellen vier Erzieherinnen fehlen, ist klar: Nicht alle der derzeit 67 angemeldeten Kinder können tatsächlich jeden Tag kommen. Denn das Gesetz schreibt einen bestimmten Personalschlüssel vor. Ist der nicht erfüllt, muss das Betreuungsangebot eingeschränkt werden, erklärt Pfarrer Andreas Rubel als Vorsitzender des Verwaltungsrats.

Etwa 18 Plätze betreffe das derzeit rechnerisch in St. Ludwig. Und so muss Kita-Leiterin Ruppert das tun, was ihr als Pädagogin schwerfällt: auswählen. Neben den Ganztagskindern hätten Teilzeitkinder Priorität, deren Eltern beide arbeiten. „Es ist uns wichtig, die Berufstätigkeit zu ermöglichen“, betont Ruppert. Außerdem sollen die aktuell 19 Vorschulkinder mit Förderangeboten und Exkursionen bestmöglich auf den Schulstart vorbereitet werden. „Wir haben einen Bildungsauftrag und sind nicht nur zur Aufbewahrung da“, betont die Kita-Leiterin. Krankheiten, Urlaub und Fortbildungen würden das ohnehin wackelige Konstrukt allerdings kurzfristig immer wieder zusätzlich belasten. „Einige Kinder sind seit längerer Zeit nicht in der Kita“, räumt Ruppert ein. Um das zu verbessern, soll ab Mai in Abstimmung mit dem Elternausschuss ein Wechselmodell mit den Vorschulkindern eingeführt werden.

„Macht was mit dem Team“

Man wolle die Familien im Ausschuss und bei Elternabenden transparent informieren. „Wir wissen, dass die Betreuungsprobleme Mütter und Väter belasten“, sagt Rubel. Es sei deshalb wichtig, im Austausch zu bleiben. Denn auch für das Kollegium ist die Arbeit unter diesen Umständen schwierig. „Das macht etwas mit dem Team“, sagt Kita-Leiterin Ruppert. Die, die noch im Dienst sind, würden ihr Möglichstes tun, um auch die Familien, deren Kind zu Hause bleiben muss, mit Bastelmaterial und Anregungen für Spiele irgendwie zu unterstützen. Dass das in vielen Fällen nur ein schwacher Trost ist, ist den Verantwortlichen klar. Während es von den Familien, deren Kind betreut werden kann, viel Verständnis und Rückendeckung gebe, sei die Stimmung bei den übrigen Familien teils angespannt. „Sie wünschen sich für ihr Kind, dass es auch gemeinsam mit Gleichaltrigen spielen und lernen kann“, weiß Ruppert.

Personalprobleme gibt es auch in der zweiten katholischen Einrichtung in Frankenthal, in der Kita Heilig Kreuz in Mörsch. Eine Vollzeitstelle ist seit Dezember vakant, eine weitere halbe seit Januar. Die Folge: Statt der üblichen neun Stunden sind die Öffnungszeiten auf sieben Stunden reduziert – „wenn die übrigen vier pädagogischen Kräfte im Haus sind“, schränkt Leiterin Nicole Daniel ein. Ansonsten müsse auch hier die Anzahl der betreuten Kinder oder die Betreuungszeit reduziert werden. Man versuche, geplante Ausfälle frühzeitig über die Kita-App mitzuteilen. „Aber manchmal wissen wir es selbst erst morgens.“ Priorität haben auch hier berufstätige Eltern. Zugleich versuche man, Kinder aus den übrigen Familien „mindestens tageweise“ aufzunehmen. „Wir merken, dass es für die Familien schwierig ist“, sagt Daniel, die viel Verständnis für die Nöte der Eltern hat. In zahlreichen Gesprächen suche man gemeinsam nach Lösungen. „Wir sind offen für Ideen“, betont die Kita-Leiterin.

Letzte Einstellung Anfang 2024

Auch beim Träger mache man sich viele Gedanken, sagt Rubel. Nicht jeder Vorschlag von Eltern sei angesichts der gesetzlichen Rahmenbedingungen umsetzbar. Gelungen sei es jedoch, einige Leseomas und -opas zu gewinnen. Grundsätzlich könnten Einrichtungen auch Mitarbeiter ohne pädagogische Ausbildung beschäftigen. „Doch die muss man erstmal finden.“ Eine solche Kraft hilft seit April in St. Ludwig mit. Die letzte Einstellung einer Erzieherin liegt laut Rubel inzwischen mehr als ein Jahr zurück. Dass es über einen so langen Zeitraum schon einmal keine einzige Bewerbung gegeben habe, daran kann der Pfarrer sich nicht erinnern.

Rubel sieht bei dem Thema Fachkräftemangel in Kitas die Politik in Zugzwang. „Eltern haben einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz.“ Die Erwartungen der Familien sind deshalb für ihn und die beiden Leitungskräfte sehr gut nachvollziehbar. Doch das Versprechen des Gesetzgebers könne wegen Personalmangels nicht eingelöst werden. „Wir stoßen hier an Grenzen“, sagt Rubel. Das Kita-Gesetz des Landes mache den Einrichtungen viele Vorgaben. „Das alles geht nur, wenn Erzieher und Erzieherinnen da sind.“

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