Frankenthal
Von Dubbe bis Diamantstickerei: Geschenkevielfalt auf dem Weihnachtsmarkt
Der kleine Pudel vor dem Stand von Sonja Reuß muss heute Engelsgeduld haben. Der Grund: Sein Frauchen schmückt den Anlass ihrer Einkaufstour ausgiebig aus. Ein Geschenk für den Tierarzt muss her. Dass ihr Vierbeiner Gerry so alt geworden ist, verdankt er ihrer Meinung nach nämlich allein seinem Doktor. Obwohl dieser im Saarland praktiziert, ist die Besitzerin all die Jahre mit Gerry zu den Arztbesuchen über die Landesgrenze gefahren – dort habe sich der Veterinär so gut um seine Gesundheit gekümmert, dass die Fellnase jetzt stolze 19 Jahre alt und immer noch fit ist. Nun geht der Tierarzt in Rente – ob Frau Reuß ein passendes Abschiedsgeschenk hat?
Frau Reuß vom Limburgerhof nickt und durchforstet ihr Pfälzer Dubbe-Sortiment. „Wie wär’s damit?“, fragt sie und präsentiert ein paar Henkelbecher mit der Aufschrift „Schääne Woinachde“. Gerrys Frauchen ist entzückt, da wird sich der Herr Doktor aber freuen. Für sich und ihren Gatten entdeckt sie auch ein Weihnachtsgeschenk, zwei Aperol-Gläser. Reuß, die selber gern dem italienischen Aperitif zuspricht, erklärt, weshalb die zwei Dubbe unten am Glas nicht rund, sondern länglich geformt sind: Ein Pfälzer Metzger habe anno dazumal die Gläser mit den Vertiefungen erfunden. Beim Schlachten seien ihm die glatten Gläser wegen seiner fettigen Hände aus der Hand geflutscht. So erdachte er die ovalen Einbuchtungen für die Finger – für die Ästhetik sind die oberen Tupfen kugelrund.
Schmuck für die Durchblutung
Daneben preist Andrea Poh Magnetschmuck an. Sie verkauft zum ersten Mal auf dem Frankenthaler Weihnachtsmarkt und hat schon binnen einer Stunde vier Schmuckstücke verkauft. Die Edigheimerin erklärt den Kundinnen, weshalb das Geschmeide nicht nur hübsch, sondern auch heilsam ist: Wie bei der alternativen Magnetfeldtherapie würde die Durchblutung gefördert, was bei Gelenkproblemen und Verspannungen helfen solle. Ihre Stammkundschaft würde darauf schwören, sagt Poh. Wer den Schmuck erstehen will, muss sich aber sputen: Poh ist nur noch bis Donnerstag, 18. Dezember, mit ihrem Stand auf dem Weihnachtsmarkt vertreten.
Ihr Nebenmann benötigt wohl keine Magnete. Reinhardt Schoninger erzählt, er sei völlig tiefenentspannt, seit er seinem Hobby nachgeht: Der Fernfahrer aus Bobenheim-Roxheim war 39 Jahre zwischen Skandinavien und Saudi-Arabien auf Achse. Jetzt ist er 68 und frönt einem meditativen Steckenpferd, dem Flechten von Körben aus Peddigrohr. Aus dieser indonesischen Kletterpflanze fertigt der Rentner farbenfrohe Korbwaren in Form von Sternen und Herzen. „Das ist wie Stricken mit Naturmaterial“, meint er.
Wer auf Kitsch steht und Kinder hat, wird bei Karlheinz Daeuwel noch bis 21. Dezember fündig: Hier funkeln die Auslagen silbern und golden. Die glänzenden Tüten und Taschen aus der Werkstatt seiner Schwester Erika Anderle sind versehen mit Porträts, die Kinderherzen höher schlagen lassen: Jungs dürften sich für Taschen mit Micky Maus oder dem Fisch Nemo interessieren. Oder für Stitch, den blauen Außerirdischen mit den Fledermausohren aus dem gleichnamigen Trickfilm. Für Mädchen reicht die Auswahl von Barbies über Einhörner bis zu niedlichen Engeln.
Künstlerisches Quintett
Normalerweise steht in jeder Bude nur ein Verkäufer. Am Stand der Beindersheimer Hobbykünstler ist ein weibliches Quintett zugange. Das zwölf Quadratmeter großen Häuschen scheint aus allen Nähten zu platzen, als die fünf Amateurkünstlerinnen ihre Werke drapieren. „Ihr müsst noch in die Höhe bauen“, ruft Kirsten Zimmermann aus dem Orgateam und zückt ihren mobilen Thermodrucker. Auf Knopfdruck produziert das kleine Gerät Preisschilder, die auf die Kunstwerke geklebt werden. „Wir haben hier schon in der vorigen Adventszeit verkauft und festgestellt, dass Kleinigkeiten am besten gehen“, sagt Zimmermann. „Zu uns kommen gern Kinder, die für ihre Eltern und Großeltern Geschenke suchen und nicht so viel Taschengeld haben.“
Da die kreativen Damen stets aktuelle Trends aufspüren, ist das Angebot neben Klassikern wie Bildern mit Holzbrand, Buchfalt-Kunst und Engeln aus Kaffeekapseln teilweise neu. So steuert etwa Bärbel Edelmann in diesem Jahr Halter für Spielkarten aus Stoff und Diamantstickerei bei. Zimmermann hat Dubbe-Ketten hergestellt: Die Krawatten ihres verstorbenen Vaters Werner hat sie mit Holzkugeln abgenäht, sodass Perlenketten aus Seide entstanden sind. „Werner würde sich freuen, wenn er das sehen könnte“, sagt sie und lächelt.
Weihnachtsmann verkauft Mützen und Strümpfe
„Schau, da sitzt der Weihnachtsmann“, ruft ein Kind und zeigt auf den Stand von Georg Poeder. Hinter der Auslage mit allem, was im Winter wärmt – von kuscheligen Bommelmützen bis zu dicken Strümpfen – sitzt tatsächlich ein Mann mit Rauschebart, der ihm bis über die Brust reicht. Mit Santa Claus würde er öfter verwechselt, sagt Poeder aus Mainz schmunzeld.
Und erzählt, dass die Wollware von Handwerkern aus Entwicklungsländern stammt. Wer sich etwas Zeit nimmt, schnuppert den weihnachtlichen Duft der Räucherstäbchen und lässt sich von Poeder von seiner religiösen Organisation erzählen: Ananda Marga bedeutet im altindischen Sanskrit „Weg zu tiefem Glücksgefühl“. Durch Meditation habe er diesen Weg gefunden, meint der Mann mit den strahlend blauen Augen und streicht zufrieden seinen Bart, „ich habe mir sogar das Rauchen abgewöhnt“.